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Korrespondenzblatt des Centralbüros für Jüdische Auswanderungsangelegenheiten des Hilfsvereins der Deutschen Juden · 1905-06-19 · 5 (19.6.1905) · p. [Seite]

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Journal
Korrespondenzblatt des Centralbüros für Jüdische Auswanderungsangelegenheiten des Hilfsvereins der Deutschen Juden
Volume
1905
Issue
5 (19.6.1905)
Date
1905-06-19
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Für Logis, Beköstigung, Bad und ärztliche Behandlung hat der Auswanderer pro Tag 1,60 M. zu zahlen, Kinder die Hälfte. Für jüdische Auswanderer gibt es eine jüdische Küche, die unter streng ritueller Aufsicht steht, für das religiöse Bedürfnis ist weiter gesorgt durch eine Synagoge, in der die jüdischen Auswanderer ihre Gebete verrichten. Immer sind Sangeskundige unter ihnen genug, die die Vorbeterrolle übernehmen. Der Hauptgrund, weswegen russische Auswanderer ihren Aufenthalt in diesen Hallen nehmen müssen, während alle anderen entweder in Privatlogis gehen, oder die Hallen freiwillig aufsuchen können, ist der, eine Einschleppung von Krankheiten zu verhüten. Seit dem Cholerajahr 1892 sind diese Vorsichtsmaßregeln getroffen. Es ist dafür gesorgt, daß alle Abwässer aus den Auswandererhallen, bevor sie in die Elbe fließen, desinfiziert werden, damit keine Krankheitsstoffe in den Elbnuß kommen, der Hamburg mit Trinkwasser versorgt. Weniger großartig sind die Einrichtungen in Bremen. Hier kann jeder Auswanderer sich in jedes beliebige Privatlogis begeben. Den Logiswirten, die unter behördlicher Überwachung stehen, ist es aber zur Pflicht gemacht, keinen zu beherbergen, der nicht vorher, soweit er aus Rußland kommt, eine Kontrollstation passiert hat. Ist dies nicht geschehen, so muß der Betreffende in einer Abteilung des Bremer Krankenhauses sich derselben Prozedur unterziehen wie in der Grenzstation, er wird gebadet und sein Gepäck desinfiziert; erst dann dürfen die Herbergswirte ihn aufnehmen. Bei Nichtrussen muß ebenfalls vor der Aufnahme, wenn die Leute keine Registrierstation aufgesucht haben, festgestellt werden, ob sie gesund und reisefähig sind. Auch in Bremen finden die jüdischen Auswanderer eine jüdische Herberge, die gleichzeitig eine koschere Küche und Speisesäle aufweist. Die Räumlichkeiten in Bremen haben zwar nichts von der Großartigkeit der Hamburger, unsere auswandernden Glaubensgenossen sind aber auch dort in reinlichen, luftigen Zimmern untergebracht und bekommen eine gute und nahrhafte Kost. Der Preis für Verpflegung und Beherbergung beträgt hier 2,50 M. Die Einwanderungsländer. Einwanderung nach den Südstaaten der amerikanischen Union. New York, 27. April 1905. Es erscheint nicht ratsam, Immigranten nach anderen amerikanischen Landungshäfen zu dirigieren als nach denen, an welche die großen Einwanderermassen gewohnt sind. In Philadelphia, Baltimore, Boston, Montreal (Kanada) und ganz besonders in New York sind wirksame Einrichtungen vorhanden, um der Ankommenden Herr zu werden. Die United Hebrew Charities in New York haben seit 25 Jahren ein Bureau und Vertreter in der Landungsstation, die sich der Immigranten annehmen, ihnen Auskünfte erteilen und ihnen helfen, Freunde und Verwandte ausfindig zu machen. Das Gleiche gilt mehr oder weniger von den anderen erwähnten Häfen. In New Orleans, Charleston, Savannah und Galveston fehlt es an derartigen Einrichtungen. Die jüdischen Gemeinden in diesen Plätzen sind verhältnismäßig klein und jede Erfahrung in der Behandlung größerer Einwanderermassen geht ihnen vollständig ab. 30 Personen können vielleicht in Galveston landen, ohne viel Verwirrung hervorzurufen; ebensoviel etwa in den anderen Städten, aber nachdem diese 30 oder nachdem einige wenige mal 30 angekommen sind, ist die Aufnahmefähigkeit der genannten Städte erschöpft. Solche geringfügigen Ablenkungen schaffen für die Haupteinwanderungshäfen gar keine Erleichterung. („United Hebrew Charities.") Wie wir erfahren haben, sind in den letzten Monaten verschiedentlich Versuche gemacht worden, die Einwanderung im allgemeinen und ganz besonders die jüdische Einwanderung nach den Süd- und Südweststaaten von Nordamerika zu lenken. Die Versuche haben nicht solche Erfolge gezeitigt, daß eine weitere Wiederholung anzuraten wäre. In diesem Sinne spricht sich auch ein an uns gerichteter Brief der United Hebrew Charities aus, aus dem wir oben einen Auszug geben. Die Einwanderung nach dem Orient. Auszug aus einem Brief aus Cairo, den 15. Mai 1905. Mehr als 13 Nationen sind in Ägypten vertreten, ohne daß sich Anzeichen eines Völkerhasses bemerkbar machen. Ebenso viel Zungen und noch mehr Dialekte werden hier gesprochen, ohne daß jemand gezwungen ist, nur diese oder jene Sprache seine Kindern lehren zu müssen, um ihre Gedanken, Gefühle oder Gebete auszudrücken. Doch darf man nicht glauben, daß die Kenntnis vieler Sprachen erforderlich sei, um sich hier eine Existenz zu schaffen, da die Hauptsprachen hier für Arbeiter in allen Betrieben oberflächlich Italienisch und Arabisch und für die kommerzielle und intelligente Beschäftigung nur Französisch, Englisch oder Deutsch sind. Nichtsdestoweniger werden genannte Sprachen durch die Praxis schneller erworben, als in irgend welchem europäischen Sprachinstitut. Übrigens kenne ich hier viele Juden, die seit mehreren Jahren hier wohnen und keiner anderen Sprache als des Jüdisch-russischen oder Jüdischrumänischen mächtig sind. Man kann also behaupten, daß mit der zunehmenden Verstärkung des jüdischen Elements das Erfordernis anderer Sprachkenntnisse geringer wird. Da mir die Verhältnisse des Landes für eine jüdische Einwanderung günstig erschienen, nahm ich Anlaß, bald nach den in Kischinew stattgefundenen Excessen gegen die Juden, mich an den Groß-Rabbiner Alexandriens, sowie an andere einflußreiche Personen zu wenden, um die Ansiedlung von einigen 50—60 Familien hierzu ermöglichen. Diese Aussprache gab mir den Mut, einen Vorschlag an Herrn Dr. L. Kagan in Kischinew in diesem Sinne zu richten. Hierauf teilte mir Herr Dr. L. Kagan mit, daß nach Beratung mit seinen Kollegen dieser Vorschlag angenommen worden sei und bewies mir sein Vertrauen, indem er einige Familien hierher sandte, welche jetzt allgemein bedauern, daß sie das Zarenland nicht schon früher verlassen haben. Auf diese Art sind nun schon im letzten Jahre bereits 200 jüdische Auswanderer aus verschiedenen Ortschaften Rußlands hier angekommen. In Alexandrien existiert seit letztem Jahr ein „Comite de Debarquement des Juifs" unter der Leitung meines Kollegen Herrn Kreutschmar (Beamter in der Anglo-Eg.- Bank). Hier in Cairo habe ich zu diesemZwecke eine „Societe de Bienfaisancelsraelite Aschkinasi", „Egross Neduchim" und „Societe de secours mutuels des Emigrants Juifs" gegründet. Durch die Gründung der letzteren glaube ich zu erreichen: 1. die^ notwendige und vorteilhafte Vereinigung zwisclu n den Emigranten und 2 daß sie seitens der einheimischen arabischen Juden nicht als Schnorrer betrachtet werden, deren Einwanderung man hindern muß. Von den 200 angekommenen Auswanderern sind, im Laufe des Jahres, ungefähr 20 teils nach Argentinien, England, teils nach Rußland zurückgekehrt, während der Rest in Alexandrien und in Cairo geblieben ist. Einige der letzten ließen auch bereits ihre Angehörigen hierher nachkommen. Kleine Mitteilungen. Für ein gutes Fortkommen der Auswanderer in den Ländern, nach denen sie sich wenden, ist es nötig, daß sie möglichst rasch die Landessprache sich aneignen. Das Bureau hat, um die jüdischen Auswanderer zur Erlernung der Sprache ihrer zukünftigen Heimat anzuregen, zwei kurzgefaßte Wörterbücher herausgegeben, das eine Englisch Jargon für Alle, die nach England, den englischen Kolonien, den Vereinigten Staaten und den englisch sprechenden Ländern gehen, das andere Spanisch Jargon für jene Auswanderer, die Südamerika (Argentinien, Cuba) aufsuchen. Die Umschlagseiten enthalten übersichtliche Tabellen über Schiffspreise, Maße, Münzen und Gewichte. Die Drucklegung wird dieser Tage vollendet. * * Soldau, den 4. Mai 1905. Das hiesige Schutzkomitee des „Hilfsvereins der Deutschen Juden" unterhält seit fünf Monaten eine Herberge. Die hierzu notwendige Einrichtung ist zum größten Teil von den Mitgliedern der hiesigen Gemeinde geschenkt worden. Einige Vorstandsdamen des hiesigen Frauenvereins haben bis vor kurzem die Küche für die Auswanderer besorgt. Seit einigen Wochen kochen die Auswanderer selbst für sich. Die Einrichtung hat sich als sehr segensreich bewährt. Viele unserer auswandernden Glaubensgenossen sind durch das Bestehen der Herberge vor Ausbeutung und Schädigung geschützt worden. * * # Häufig kommt es vor, daß Auswanderer, die geübte Arbeiter in einem bestimmten Beruf sind, bei uns anfragen, wo sie in den Vereinigten Staaten am ehesten auf Arbeit rechnen könnten. Wir geben daher nachfolgend eine' Tabelle, die hierüber Aufklärung gibt. —

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