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Korrespondenzblatt des Centralbüros für Jüdische Auswanderungsangelegenheiten des Hilfsvereins der Deutschen Juden · 1904-12-15 · 1 (15.12.1904) · p. [Seite]

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Journal
Korrespondenzblatt des Centralbüros für Jüdische Auswanderungsangelegenheiten des Hilfsvereins der Deutschen Juden
Volume
1904
Issue
1 (15.12.1904)
Date
1904-12-15
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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europäischen Sprache zur Zufriedenheit des Beamten zu schreiben. (In der Praxis wurde bisher Jargon als europäische Sprache behandelt.) 2. Einer jeden Person, die nicht im Besitz hinreichender Unterhaltsmittel ist, oder von der angenommen werden kann, daß sie der staatlichen Fürsorge zur Last fällt, Tn der Praxis verlangt man 20 Pfund st 400 M.) b) Natal. Einwanderungsgesetz 1903. Ebenso wie in der Kapkolonie. c) Transvaal. Orange River Colony (Oranje Freistaat). Wie zu a) und b) doch ist für alle Einwanderer dorthin nötig, daß sie vorher einen Erlaubnisschein (Permit) besitzen, den sie durch ihren zuständigen Konsul auszuwirken haben. Es werden in den nächsten Nummern des Correspondenzblattes weitere wichtige Einwanderungsbestimmungen mitgeteilt werden. So steht die jüdische Auswanderung zur Zeit gewissermaßen vor einer Mauer. Nirgends ist für größere Massen ein Durchlaß. Deshalb muß es die Hauptaufgabe aller jüdischen Organisationen jetzt sein, dafür zu sorgen, daß jede Auswanderung unterbleibt. So groß auch die Not unserer armen Glaubensgenossen sein mag, die zum Wanderstab greifen wollen, die Auswanderung unter den jetzigen Umständen kann diese Not nicht lindern. Der Ort wechselt, aber die Not ist am neuen Orte nur noch größer. Bericht über eine neu errichtete Herberge zu Tilsit eingesandt vom dortigen „Schutzkomite des Hilfsvereins der deutschen Juden". Veranlaßt durch die immer erneuten Klagen, daß unsere aus Rußland auswandernden Glaubensgenossen durch das Herbergsunvvesen schwer geschädigt werden, beschloß das hiesige Schutzkomitee des Hilfsvereins der deutschen Juden, die Errichtung einer Herberge selbst in die Hand zu nehmen, damit den Auswanderern körperliche Verwahrlosung und materieller Schaden, denen sie bisher in Herbergen preisgegeben waren, erspart bleibe. Unser erster Grundsatz war, daß jeder, der Zutritt zu unserer Herberge verlange, für seine Unterkunft und Verpflegung unbedingt zahlen müsse. Mit der Herberge zusammen sollte ein Bureau eingerichtet werden, wo sämtliche Auswanderer zu einer bestimmten Zeit von Komiteemitgliedern Rat und gegebenenfalls Hilfe erhalten können. Der Polizeiverwaltung in Tilsit sind wir großen Dank schuldig, sie hat bereitwillig die Konzession erteilt und ihren Unterbeamten anempfohlen, ankommende Auswanderer gleich von der Bahn nach unserer Herberge zu überweisen. Die Beschaffung einer passenden Wohnung war überaus schwierig. Ebenfalls sehr schwer war es, einen geeigneten Herbergsvater ausfindig zu machen. Dagegen wurde es leicht, die notwendigen Geldmittel zur Anschaffung der Utensilien, ca. 1600 M., zu beschaffen. Die Spenden flössen sehr reichlich, die Berliner Zentrale des Hilfsvereins gewährte 500 M., ebenso die Allianz. In kurzer Zeit war der Betraa' aufgebracht. Die Herberge besteht aus sechs Zimmern und Küche, hiervon sind zwei Zimmer und Küche dem Herbergsvater zur eigenen Benutzung abgegeben und ein Zimmer zum Bureau für die Komiteemitglieder eingerichtet. Die Einrichtung ist derjenigen der Kasernen nachgebildet. Ein großer Saal enthält 30 übereinanderstehende eiserne Betten, in einem zweiten Zimmer stehen weitere 12, ein drittes Zimmer ist für Frauen reserviert. Zu jedem Bett sind Matratze, Betttuch, Keilkissen, Decke und die dazu gehörigen nötigen Bezüge angeschafft. Soviel Betten, ebensoviel Schemel, Waschschüsseln und Handtücher sind vorhanden. Auf langen in der Mitte stehenden Tischen wird das Essen angerichtet. Auch sämtliche Wirtschafts-. gegenstände und Kochgeräte sind angekauft und dem Herbergsvater zur Benutzung übergeben worden. Wohnungsmiete, Heizung, Beleuchtung und auch das Reinigen wird von unserem Komitee besonders bezahlt, letzteres, damit der Herbergsvater keinen Anlaß haben soll, in puncto Reinlichkeit etwas zu vernachlässigen. Gegen fest vorgeschriebene Preise werden den Auswanderern Logis und Beköstigung gewährt. Preisverzeichnisse in hebräischer und deutscher Schrift hängen in allen Zimmern aus. Die Kontrolle auf Schmackhaftigkeit und reinliche Zubereitung der Speiseh geschieht durch Damen, die sich freiwillig dazu erboten haben. Ein- bis zweimal des Tages haben je zwei Komiteemitglieder Sprechstunden in dem Bureau der Herberge; von jedem neu angekommenen Auswanderer werden die Personalien aufgenommen und in ein eigens dazu angelegtes Buch eingetragen — der Statistik wegen — und die berechtigten Wünsche eines jeden, soweit es angeht, berücksichtigt. Die Herberge hat "Telephonanschluß, damit die Komiteemitglieder nötigenfalls auch telephonisch sich beraten können. Die Herberge ist täglich mit ungefähr 30 Gästen besetzt. Trotzdem sie alle zahlen, wird das Komitee jährlich ca. 1000 M. zuschießen müssen, da die Preise für Nachtlogis und Speisen nicht zu hoch gehalten werden können. Die eingeführten Sprechstunden sind für die Auswanderer sehr segensreich. An die Komiteemitglieder stellen sie allerdings recht große Ansprüche an Zeit, denn ohne 2—3 Studen tägliche Arbeit kommt man selten ab. Reicher Lohn für diese Opfer ist das Bewußtsein, unseren armen wandernden Brüdern — den ärmsten aller Armen — geholfen zu haben!....... Dieses Vorgehen verdient die größte Anerkennung und Nachahmung überall dort, wo die nötigen Voraussetzungen für den finanziellen Bestand der Herberge geschaffen werden können. Rußland: Libau. Wir haben die erfreuliche Mitteilung zu machen, daß ein erstes russisches Komitee zur Überwachung der Auswanderung m Libau in der Bildung begriffen ist. Das Komitee soll aus 3—5 Mitgliedern bestehen. Es soll hinzugezogen werden ein Arzt, ein Schiffskapitän und vielleicht ein Ingenieur, nötigenfalls auch 2—3 Damen zur Beaufsichtigung der Verpflegung. Die Tätigkeit besteht: 1. Bei Ankunft der Züge muß ein Beamter anwesend sein, der die Emigranten empfängt und dadurch verhütet, daß sie von Agenten verschleppt und ausgebeutet werden. Der Beamte erteilt Auskunft über Logirhäuser, Gepäck usw. 2. Das Komitee sorgt dafür, daß die Emigranten rasche und gute Beförderung finden. 3. Die Logirhäuser sind auf ihre Reellität zu beaufsichtigen und es ist wünschenswert, ein Musterlogirhaus einzurichten. Der von den Transportgesellschaften gezahlte Betrag 20 Kop. pro Nacht sollte genügen, um die Logirhäuser passabel gestalten zu können. Sollte er nicht genügen, so muß der Betrag erhöht werden. 4. Die Verpflegung ist zu beaufsichtigen. 5. Den Emigranten werden alle für sie nützlichen Auskünfte erteilt. Uber beste Routen, billigste Verbindungswege, Eisenbahnbedingungen, Zustände im Lande der Ankunft usw. usw. Broschüren, die das Notwendigste enthalten, was der Emigrant wissen muß, werden gratis verteilt, Vokabelbücher usw. 6. Die Reisenden werden dem Schutze der Komitees in den Umsteigestationen empfohlen (für Libau kommen in Betracht: Hamburg, London, Hull, Liverpool und Kopenhagen). 7. Das Komitee sorgt für möglichste Verbilligung der Beförderung und für gleichmäßige und gerechte Behandlung. 8. Besondere Aufmerksamkeit ist den Dampfern zu widmen. Diese müssen von Fachleuten (Kapitän, Arzt usw.) gründlich besichtigt und auf ihre Sicherheit, Rauminhalt, ^unrjehtung usw. geprüft werden.

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