Korrespondenzblatt des Centralbüros für Jüdische Auswanderungsangelegenheiten des Hilfsvereins der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Centralbüros für Jüdische Auswanderungsangelegenheiten des Hilfsvereins der Deutschen Juden
- Volume
- 1904
- Issue
- 1 (15.12.1904)
- Date
- 1904-12-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- IRI
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Die Rückseite enthält nochmals die genaue Adresse des Schutzkomitees, an das der Auswanderer sich nunmehr zu wenden hat. Mit dieser Karte wird der Auswanderer auf dem kürzesten und billigsten Wege expediert; er wendet sich an dasjenige Schutzkomitee, das auf der Karte hinter den Worten „überweist an" verzeichnet ist. An dieses zweite Komitee muß außerdem zur Kontrolle und, um jeden Mißbrauch zu verhüten, durch direkten Brief die Mitteilung gesandt werden, daß ein Auswanderer (folgt Name usw.) expediert worden ist und zu der und der Zeit am Bestimmungsort einzutreffen hat. Durch dieses Verfahren wird eine ständige Überwachung des Verkehrs von der Grenze an ermöglicht. Es ist dabei hervorzuheben, daß, soweit möglich, die Expedition der Auswanderer von der Landesgrenze bis zur Landesgrenze resp. bis zu den Hafenplätzen ohne Aufenthalt vollzogen wird. Nur wenn in allen Ländern die nötigen Organisationen geschaffen sind, die auf einheitlicher Grundlage auffebaut und durchgeführt sein sollten, so wird es gelingen, en jüdischen Auswanderer vom ersten bis zum letzten Augenblick seiner Reise und gegebenenfalls sogar vor und nach derselben mit den nötigen Informationen und dem gebotenen Schutze zu umgeben, sodaß er ganz oder wenigstens zum Teil von den schweren Heimsuchungen verschont bleiben wird, die wegen seiner Unerfahrenheit und Schutzlosigkeit jetzt seiner harren. In Tilsit fand am 11. Dezember die Einweihung der vom Schutzkomitee des Hilfsvereins errichteten Auswandererherberge statt. Zu der Eeier hatte sich eine Reihe von Herren der benachbarten Schutzkomitees eingefunden, unter ihnen auch der Vorsitzende des Zentralkomitees für Ost- und Westpreußen, Herr Bankdirektor George Marx, Königsberg. Die getroffenen Einrichtungen sind, wie es die Energie und Opferwilligkeit der Tilsiter Herren nicht anders erwarten ließ, mustergültig. Es sind 30 gute eiserne Betten aufgestellt, und falls solche nicht ausreichen sollten, stehen noch weitere 12 Matratzen zur Verfügung. Die Auswanderer, die gegen ein Billiges hier Unterkunft finden, werden auf diese Weise gegen die Übervorteilung durch die Wirte geschützt. Einen eingehenden Bericht über die Einrichtung und die ganze Organisation werden wir in einer späteren Nummer des Korrespondenzblattes bringen. * * * Die Hamburg-Amerika-Linie hat der an sie gelangten Anregung entsprochen und in Anbetracht der großen Zahl jüdischer Auswanderer beschlossen, den jüdischen Passa gieren auf den Schiffen rituelle Fleischkost zu gewähren. Vorerst wird diese Neuerung auf den nächsten beiden Dampfern probeweise eingeführt werden. Wenn man bedenkt, welche erhebliche Änderungen und Einrichtungen auf den Schiffen nötig sind, um eine rituelle Verköstigung möglich zu machen, muß man das Entgegenkommen der Schiffahrtsgeseilschaft dankbar anerkennen. 5. Kleine Mitteilungen. Das Bureau Berlin, Potsdamerstraße 39, ist täglich (mit Ausnahme der Samstage und jüdischen Feiertage) von 9—5 geöffnet. Auswanderer, die das Bureau aufsuchen, können nur morgens von 9—12 abgefertigt werden. * _ * Alle Organisationen, Komitees, Vereine und Gemeinden in Deutschland und auch allen anderen Ländern werden ergebenst gebeten, uns tunlichst bald mitzuteilen, welche Stellung sie den Frankfurter Beschlüssen gegenüber einnehmen, und was sie bisher zur Ausführung derselben getan haben. Alle einlaufenden Nachrichten werden wir, soweit sie allgemeines Interesse haben, in der nächsten Ausgabe des Korrespondenzblattes zur Mitteilung bringen, damit auf diese Weise ein Organ zu gegenseitiger Verständigung und zum Austausch von Erfahrungen geschaffen wird. Als Manuskript gedruckt. — Druck von H. S. Hermann in Berlin. f