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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 66

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand UB Ffm
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 66 (sequence 72)
Language
German
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V f. •v:--.> '-y , - ik |. 5 Wirtschaftliehe Entwicklung der Uttten Zeit Die wirtschaftliche Entwicklung Ecuadors hingt von der Aufnahmefähigkeit des Weltmarktes für seine wichtigeren Erzeugnisse Kakao, Kaffee usw. ab. Infolgedeesen ubertrug sich die günstige Weltkonjunktur der Jahre 1984 bis 1937 ebenso auf die Wirtschaftslage Ecuadors, wie die ungünstige Entwicklung der Weltkonjunktur seit der Jahreswende 1937/38 sich nunmehr auf dieses Land auszuwirken beginnt. Einfuhr und Auafuhr, waren zwar im Jahre 1937 noch großer als in den vorhergehenden Jahren; doch ging dabei der Ausfuhrüberschuß zurOcJs^-iniolgedessen ist die im August 1937 'aufgehobene TJevTsenbewirtschaftung wieder eingeführt worden. Die Regierung hofft, durch Förderung der Industrialisierung die Abhängigkeit vom Weltmarkt abzuschwächen. Der häufige Wechsel in der Devisen Wirtschaftspolitik und Einfuhrpolitik bracht« in den letzten Jahren einige Unruhe in die Entwicklung der Wirtschaft . IV. Kultur und Jüdisches Leben Die Macht der katholischen Kirche ist in Ecuador auch beute noch sehr groß, obgleich sie schon seit 1895 nicht mehr mit dem Staat verbunden ist. Um die Jahrhundertwende wurde daa Verhältnis des Staates zur Kirche einschneidenden Reformen unterworfen. So werden die Kirchefigüter der Staatsverwaltung unterstellt, absolute Religionsfreiheit eingeführt, und die Zivilebe als allein verbindben erklar*. Die Reforjpbewegung fand 1927 ihren vorläüflgen Abschluß, als allen ausländischen Geistlichen, gleich welchen Glaubens,, die Einreise nach Ecuador verboten würde. 1987 wurde ein vorlaufiges Konkordat abgeschlossen. Das Bildungsniveau der Eingeberenen Ecuadors ist außerordentlich niedrig. Die Schätzungen des Anteils der Analphabeten an der Gesemtbevfilkerung schwanken zwischen 40 und 60 v.H. Die Regierung ist seit eisigen Jahren bemüht, diesen Zustand zu verbessern; der Anteil der kulturellen Ausgaben im Budget ist bedeutend gestiegen. Der Schulbesuch ist obligatorisch, der Unterricht in den staatliehen Schulen wird gratis erteilt 1937 bestanden 2580 Elementarschulen mit 210000 Schülern. Universitäten besteben in Quito, Guavaquil und Cuenza. An diesen Universitäten waren 1937 1500 Studenten immatrikuliert, von denen die . meisten Rechtswissenschaften und Medizin studierten, während sich den andern Wissenschaften nur ein sehr geringer Bruchteil zuwandte. An die Universitäten sind einige jüdische Gelehrte ans Deutsch land berufen worden. « . In Quito gibt es eine deutsche Schule, in Guayaqail eine frais (anabhängige) deutsche Schule; außerdom ekuadorianische Scheie« verschiedenster Art. Die Anzahl der jüdischen Einwohner Ecuadors wird auf 200 -300 Familien geschätzt, von denen etwa zwei Drittel Ostjuden, ein Drittel aus Deutschland stammen sollen. Die Mehrzahl dieser Juden lebt in Quito und in Guayaquü. — Es besteht keinerlei siebtbarer Antisemitismus. V. Gehaksverhältnisse, Lebenshaltung und Lebenshaltungskosten Die Lebensweise der eingeborenen Unterschicht, der Indianer oder Mischlinge, ist Oberaus primitiv, ihr Lebensstandard niedrig. Die Einheimischen begnügen sieb mit einfacher Nahrung, die einen Durchschnittswert von ungefähr 1 Sucre (18 Pfg.) pro Tag hat. Die Arbeitslöhne decken aber 'selbst dieses niedrige Existenzminimum kaum. Der durchschnittliche Lohnsatz des Arbeiters beträgt 1 bU 1 Vi .Sucre, ein Textilarbeiter erhält 8 bU V/t » «m Tag«. Dar Verdienst anter Facharbeiter wirdmit S f je Tag Bagagen—. Das Durchschnittsgehalt kaufmännischer Angestellter betragt 200 Sucre den.Monnt; Büroangesteilte ohne besondere Vorbildung bekommen'100 bis 120 Sucre Zu Gehältern zwischen 150 und 800 Sucre ist eine Anzahl Juden aus Deutschland angestellt worden. Mit einem aojr eben Gehalt können Einwanderer mit bescheidenen europäischen Lebensansprüchen auch schon anakomm—. In Quito braucht ein einzelner Mann bei allerbescheidensten An- •%Ü «-v.-'-->..... . »->3 •. ** .-• $ -.Ä• * &ämZmm .. d , ,V sprachen etwa 155 Sucre den Monat, vier Personen etw« ,240 Sucre. Bei nur wenig höheren Ansprüchen steigen diese Betrage auf 240 Sucre für den Einzelnen und aal 420 Sucre faf die vierköpfige Familie. Eine vierköpfige europäische Familie, die nicht bescheiden, sondern schon recht behaglich lebt,'braucht etwa 500—1000 Sucre den Monat; für 1000 Sucre kann ei« sich schon sehr viel leisten. GuayaquU ist 90—50 * teurer als Quito oder^Ambato, andere Städte sind wesentlich billiger. ' Eine Wohnung mit Arbeitaraum kostet in Quito ca. 80 Sucre monatlich; eis Hau Mit sieben Zimmern, Küche, Bad und großem Garten 150 Sucre; ein prachtvolles möbliertes Haus, glänzend gelegen, kostet IM Soors im Moeat Uehrigans empfiehlt r sich nicht, möbliert zu leben, da man sehr leicht gekündigt .erden kann. Dt« einheimische ecuadorianische Oberschicht verbraucht pro Familie etwa 500 bi> 1000 Sucre den Monat; dabei ist ihre Lebensweise dadurch charakterisiert, daß sie für Kleidung und Nahrung nur wenig ausgibt, dafür aber häufig schöne Automobile besitzt oder sich Villen bauen läßt In der „Provinz" ist das Leben natürlich noch wesentlich billiger als in den fanden großen Städten Quito and Guayaquü. Aul dem Lande kann eine FamPie schon mit 300 Sucre sehr gut auskommen. * Ans einer kleinen Stadt in der Nähe der columhianischen Grenze, 8000 m hoch, boren wir folgende Preis«: für einet Laden «errhiii SO Sucre im Monat Miete bezahlt, daa Essen im Holol kostet monatlich 85 Sucre and besteht aas Frühstück, Mittag und Abendessen, wobei die letztgenannten beiden MahltetUn je fünf bis sechs warm* Gänge umfassen. Fleisch kostet 0,40 -Sucre, oWww iß& Sucre, Kartoffeln 0,06 Sucre das Kilogramm. Flr die tfaushaltefOnrung in Ecuador Ut fett> gendes zu beachten: Alle Importwaren sind teuer, was eine selbstverständliche Folge der Währungs- und Zollverhältnisse ist Deshalb soll der Einwanderer möglichst alle Gebrauchsgegenstände mitbringen, .soweit sie nicht «na Hobt sind, besonders alles, was ans Eisen and- Porzellan ist. Bei dem Mitbringen elektrischer Apparate usw. ist darauf zu echtem, daß fast In ganz Ecuader 110 Voll Wechsel- . ström üblich sind Elektrisches Kochen ist. sehr teuer; es wird im allgemeinen auf Holz gekocht Guts Kojheinrichtungen sind selten. Europäische Kleidung ist im Hochland (in der Sierra), 'wo auch Quito liegt, ohne weiteres zu brauchen, doch sind Kleidang und Stiefel aucli zu mittleren Preisen dort zu kaufen. Daa Personal ist, wie schon aus den erwähnten Löhnen hervorgeht, nicht teuer oder anspruchsvoll; aber Tempo und Arbeitsleistung sind gering. Ein Auswanderer schreibt uns, di« Hausfrau aus Deutschland werde „ihre vielleicht etwas übersteigerten Begriffe von Sauberkeit und Sjchnelligkelt -wesentlich ändern" müssen *; Vi. Aussichten für Einwanderer Ist die Beurteilung der klimatischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Ecuador widerspruchsvoll, so ist dies bezüglich der Aussichten der Fall, die dos Land neuen Einwanderern bietet. Doch ergibt sich bei sorgfältiger Abwägung des zur Verfügung steinenden Materials etwa 1. Ungelernte Arbeiter ' ungemein niedrigen Lebensstandard haben, können sie .ur Löhne arbeitet», mit denen kein Einwanderer mit europäischen Lebensbedürfnissen konkurrieren kenn. Die Möglichkeit, als angelernter Arbeiter in der Stadt oder gar auf dem 'Lande sein Brot zu verdienen, scheidet daner für den Einwanderer aus. 2. Gelernte Arbeilcr und Handwerker Anders steht es mit qualifizierten Arbeitern und Handwerkern. Man muß davon ausgehen, daß nicht nur die Lobxansprüche, sondern-auch die Leistungen der einheimischen ecuadodänischen Arbeitskräfte- «ungemein gering sind, und daß europäische Kräfte in geeigneten Berufen Verdienste erzielen können, die ihnen lein auskömmliches Leben ermöglichen. Einige gut geschult« Handwerker dürften in Ecuador verhältnismäßig gute Möglichkeiten haben; jedoch ist in jedem Falle nötig,- vor der Auawanderung die;'{"., / V V ' ifisis^atn? u . v m 1 I

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