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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 62

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand UB Ffm
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 62 (sequence 68)
Language
German
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Di« Stimmung um»! den ETeV labenden Fiaigrante« ist . verschieden. Die jungen Leute, die hier ohne Frauen leben, sind nicht sehr zufrieden, da jede AnaehioSmoglichkeit hier fehlt und so die Sonntage und die Freizeit freilich ein wenig eintönig sind. Aber nach Verschieden« Ehepaare fahlen sich hier nicht wohl. Es kommt eben immer Weder daraal an, mit welchen Erwartungen man hierher kam and welche Ansprüche •teilt." Lieber die allgemeine Entwicklung und die Schwierigkeitaii, die aus dar Zusammenballung vieler Einwanderer mit noch dazu meist ungünstiger Berufsschichtung an einem Ort sich ergeben, gibt nachstehender Brief Auskunft. *~ ~A Call, de« 18. Marz 1938 „Ich bin nun schon fast neun Monate äs Lande and muß eigentlich sagen, daß — speziell in der letzten Zeit — die Entwicklung hier nicht günstig war. Es ist schwer, zu sagen, woran as eigentlich liegt: an der Welt-Kaffee-Krise, von aar dos Land besonders hart getroffen wird und die sich jetzt erbt _recht auszuwirken beginnt (Stillstand des gesamten Handels, 'ansichere Lage); oder auch an der Fülle der Einwanderer, die alle, von Baenaventnra her hierher in dieses kleine Coli kommen, zu 90«,'» Kaufleute sind, and eigentlich wohl- und ptanioa, noch dazu meist mit völlig unzulänglichen Sprachkenntnissen, nach hier reisten. Dabei ist der größte Teil der Menschen recht wenig umstellungsf äh ig and . •willig, macht Ansprüche, die vüllig ungerechtfertigt Sind and lebt in den Tag hinein. Trotz beater Organisation and aller Bemühungen konnten aber dl« Ankömmlinge dar letzten Monate, so etwa seit Jahreswende, nicht mehr unter gebracht werden. ... Dia Si tua- - tioa erfordert eine generelle Losung. Dean seit" einiger Zelt hat. speziell hier in Call eine einwsndemngsfeindliche Stimmung der Presse eingesetzt, die zu rascher Entscheidung drangt Bs» ist rnn an anffaUantkw, «1« man biahs» hier «ehr ■ freundlich gesinnt war. Die berufliche Schichtung der Ankömmlinge tut auch hier sehr wenig Gutes: man befürchtet von den ankommenden Kaufleuten große Konkurrenz, and eine Stadt von 100000 Einwohnern, von denen die Hallte wegen allzu großer Armut als Kaufer gor nicht in, Frage kommt, kann ein solch großes Kontingent von Kaufleuten and Handeltreibeaden gor nicht aufnehmen. Zusammenfaltend tat so sagen, daß nach dem Stand der Dinge heute Columbien auf gar. keinen Fallmehr für Keulleute als Einwanderungsland in Frage kommt" Lediglich . technische Berufe haben hier noch Aussicht, allerdings auch dann nur, wenn die Betreffenden wirklich in der Loa« sind, etwas zu leisten. Denn mit kurzfristig Umgeschichteten wurden hier Schoo, die schlechtesten Erfahrungen gemacht. Für Akademiker ist es hier, vollkommen aussichtslos!!!" - Es soll auch nicht verschwiegen sein, daß einige Briefe aus Bogota ahnliche Klagen Aber die Schwierigkeiten bringen, die durch übermäßige Ansammlung beruflich und sprachlkh okht geeignet vorgebildeter Menschen entstehen. Mancherlei interessante Hinweise — für deren Richtigkeit wir freilich nicht bürgen können . — finden sich in einem sehr ausfuhrlichen Brief aus Bogota vom Ende letzten Jahres: r> „Die Stadt Bogota ist sehr groß, und stark in der «uropaischen Entwicklung begriffen. Im Hauptgeechafteviertal ist ein Laden neben dem anderen. Typisch ist, daß samtliche Geschäfte so gut wie gar kein« Front haben, fast nichts aasstellen — Ausnahmen bestätigen die Rege) — und hinten unerhört große Rüum« mit viel War*. In der Regel führen die größeren Geschalte hfer vielerlei Artikel, so z.B. Konfektion, Schuhe, Modewaren, Lederwaren, Lampen, Koffer, Kurzwaren, Uhren, Eissen rinke, Stoffe, Kleineisenwaren. Natürlich gibt es für all diese Branchen, und auch für die nicht genannten, Spezialgeschäfte, die meist zusammen in einem Viertel bzw. in einer Straße liege*. Aach die größeren Geschäfts führen immer einen von den genannten Artikeln als Hauptwar« and haben die anderen aar ia ganz kleinem Umfange so nebenbei. Nene Artikel lassen sich kaum einführen, da es hier alles gibt. Waren, die hier ha Land hergestellt werden, sind natürlich durch hohe Zölle gegen ausländische Konkurrens geschätzt. Maschinen werden hier gor nicht hergestellt and kosten so gut wie keinen Zoll. Es lassen sich sehr leicht irgendwelche Artikel herstellen, "die dann durch Zollerhöhung, sofern der Fabrikant leistungsfähig ist, aal Antrag schnell geschützt worden. Ich halte Überhaupt die Aufnahme einer, wenn auch vorerst aar kleinen Fabrikation in gleich welchem Artikel für unbedingt gut, da dann die hohen Zelle in Wegfall kommen, die hier an Stelle van Slaaate erhoben werden, ee daß also dar Verdienst um vieles größer ist. Es werden hier nämlich so gut wie gar keine Steuere gezahlt Zum Beispiel ein Geschäftsmann, der hier einen französischen Schönhfeitssolon betreibt, zahlt hei uageilhi 90 000 Pesos Umaoia pro- ■ hetrethl. «sah bei ungefähr 10 ( Jahr an Abgaben ca. 60 bis 60 Pesos. Lieht und Wasser sind hier sehr billig Telephon kostet 3,50 Pesos Miete monatlich, Gespräche ia der Staat kosten nichts. Autos kosten pro Jahr 8 Pesos Steuern, unabhängig von der Größe der Wagen. Benzin kostet die Gallone (4i/i Liter) St Cent. Wir waren gestern in dem hiesigen Einheitspreisgeschäft. Dort kostet z. B. eine einfach« Haarbarste 80 Cent, eine Seilendose aus Galalith. 28 Cent, ein Schlüsselring 5 Cent, eine Zange 80 Cent, alles, lür dortige Verhaltnisse sehr teuer. Es gehen hier samtliche Artikel bis zu den feinsten, es wird nur m. E. an der Ware mehr verdient. Dieses Geschalt ist des einzige, das -feste Preise hat, sonst geht es hier „wie der Chammer das Ponim hat". Dos Verkaufspersonal arbeitet hier * sehr billig/ von 20 bis 30 Pesos im Monat: dos Gehalt wird hier voll susbezahlt und auch für den Inhaber entstehen nicht irgendwelche Ausgaben wie dort Krankenkassenbeitragt; Stenern und sonstige Abgaben werden weder abgezogen noch bezahlt. Krankenkassen gibt es gar nicht" . .■■ ■ " -; •»-. . *\ r. \ Ecuador Ecuador ist ein großes, dünnbevölkertes, zum Teil noch völlig unerschlossenes Land, dessen klimatische und wirtschaftliche Eignung für Einwanderer aus Europa umstritten ist. Soweit sich ein Urteil gewinnen läßt, sind die wirtschaftlicheil Aussichten für Handwerker, kleinere UnternehrfTeV verhältnismäßig günstig, da die Vorbedingungen für eine gewisse Industrialisierung des heute noch armen und rückständigen Landes vorhanden sind. Kaufleute sind der ecuadorianischen Regierung weniger erwünscht. Größte Skepsis erscheint gegenüber allen Planen zur landwirtschaftlichen Massenkolonisation geboten, da die .unentgeltlich cur Verfügung gestellten Ländereien Verkehrs wirtschaftlich ungünstig liegen und ihre klimatische Eignung fragwürdig ist. Für landwirtschaftliche Einzelsiedlungen scheinen jedoch Möglichkeiten gegeben. Wegen der klimatischen Verhältnisse sowohl im Tiefland wie in den hochgelegenen Teilen kommen für Ecuador nur Einwanderer in Frage, deren Herz und Lungen durchaus gesund sind. ' . y *-.'-'•.:.„••< Mi! -i- . 7. \\ \ L Einwanderungsbedingungen A. E i nr eis eb est im mungen Zur Einreise nach Ecuador ist ein Visum erforderlich, das von dem ecuatonanisebeo Konsul des Abfahrthafena «rteilt wird. V -----'-— , Das Visum wird nur an Personen erteilt, die im Beaitze des Vorze-igegeldea von 400 amerikanischen f -i .-. - ' .^^m:<fWv-T-i:jr^', rit'Wü^'*1^!.^^ i -i"s v. I m2K>:£AJL. •-irVt.'.l.V.. . .*-;•.. JJ* ■ Ji.t., ' t.*&'v!£p % VV ' '">. Dollars sind, ferner ist ein Landungsgeld von $ 16p erforderlich: es wird bei 4er Ankunft /in Ecuador zurückfezahlt. (Die Praxis des Hamburger. Konsuls weicht bei am essung der Höhe des Vorzeig egei das ab.) Das Vorzeigegeld muß in einem landwirtschaftlichen oder ia einem industriellen Unternehmen in Ecuador investiert f Ein Vorzeigegeld wird nicht gefordert .-Ai •'■ '•'.ViVi* - ^*-',öB5fi' r*?cSip t C ' - '[-} ,

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