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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 51

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand UB Ffm
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 51 (sequence 57)
Language
German
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- ~t I . - I . der »panischen Sprach« und ohne Kapital in* Land kommen, nur ganz geringe Auasichten. Ebenso ist die Unterbringung von Akader ikern der verschiedensten Art (selbst von Architekten und ' Ingenieuren) schwierig,, wenn nicht unmöglich. Dagegen sind die Aussichten für Handwerker, gelernte Arbeiter, aber euch für industrielle Unternehmer im allgemeinen ei« günstig zu bezeichnen. (Doch empfiehlt ee eich natürlich, insbesondere vor der etwaigen Begründang eines industriellen Unternehmens, eingehende Erkundigungen nach der Lage der betreffenden Branche in Chile einzuholen.) Im einzelnen gelten hssnnden folgende Berufe als gesucht: L Handwerker und gelernte Arbeiter: Technische Bauarbeiter, Schlosser, Autoschlosser, Maschinenschlosser, sowie Oberhaupt alle Berufe, die mit Maschinen zu tun haben. Feinmechaniker, Uhrmacher, Handschuhmacher, Färber, Zuschneider, Webfcreiarbeitex^ In der Regel können selbständige Handwerker erheblich mehr verdienen als Angestellte. 2. Weibliche Berufe: Nach den dem Hilfsverein in letzter Zeit zugegangenen Nachrichten haben besonders Näherinnen, Handweberinnen und Dekorateurinnen sowie Stenotypistinnen mit guten Sprachkenntnissen gute Avasichten. 8. Selbständige Berufe: „Fachleute auf jedem Gebiet", d. h. vor allem Unternehmer, die ihre Branche gründlich verstehen and zur Industrialisierung Chiles beitragen können. Die'Ansiedlung von Landwirten erfreut sich amtlicher Unterstützung. V. Lebenshaltungskosten «ad Löhne Ueber die Lebens- und Lohnverhältnisse in Mittel- Santiago und Valparaiso') liegen folgende Angaben Tebruar 1838 vor: ~ - Bei bescheidenen Ansprüchen hat eine Person im Gasthaus ohne Verpflegung 12—15 Pesos, mit Verpflegung 20—30 Pesos pro Tag zu zahlen; sin möbliertes Zimmer ohne Verpflegung kostet 150 Pesos, mit Verpflegung 400 Pesos im Monat Nach Mitteilungen von Auswanderern stellt sich der monatliche Mindestbedarf bei „europäischem" Lebensstandard für die Einzelperson aaf wenigstens 800 Pesos' für eine Familie auf 1500—2000 Pesos. Im einzelnen werden folgende P r eise für die wichtigsten Lebensmittel genannt (Pesos Je kg): Weizenbrot 2,10; Butter 18-25; Rindfleisch 7-10; Reis 3,60; 1 Liter Milch 1,20 bis 1,60; 1 Ei 0,50—1. Ein Manneranzug aus Tuch (Konfektion) kostet 400 Pesos, ein einfaches Frauenkleid 200—300 Pesos. Aaswanderer, die eis Angestellte untergekommen sind, nennen uns ihr Gehalt mit zwischen 1200 und 4000 Pesos im Monat. Die Wochenlöhne für'Facharbeiter und Handwerker liegen etwa um 800 Pesos; nach Berichten von Auswanderern werden auch 400 Pesos leicht erreicht Die Lohne der einheimischen Arbeiter sind sehr niedrig; nach der chilenischen Statistik lagen sie im Dezember 1937 zwischen 8,00 und 21 Pesos k Tag. ~ Der Angestellte hat 5 <y« für die Altersversicherung abzugeben (der Arbeitgeher zahlt den gleichen Betrag and 8,33 «o für eine Art Arbeitslosenversicherung). Die Einkommensteuer betragt I»; für Selbständige sind etwa lOv.H. des Einkommen» als Umsatz- und Vermögenssteuer zu YL Kultur und Jüdisches Leben Chiles Bevölkerung gehört zu den kulturell weitest entwickelten Südamerikas.^ Der Prozentsatz der Analphabeten ist verhältnismäßig "gering. Oer Schulbesuchist kostenfrei und Pflicht für alle Kinder zwischen 7 und 16 Jahren. 1938 bestanden 4060 Gemeindeschulen mit 467 751 Schülern und 12 434 Lehrern. fsi\Y? ') Im Süden . sind Lebenshaltungskosten und 10—18* niedriger, im Norden etwa 20<yo hoher. ■ ' ■ -«■'■-' ■ ■-----' •■■ ■ imih y •'' •»•• ,;. .. y ■■■ , An Hochschulen sind zu nennen: die chilenische Staatsuniversität, an der 4441 Studenten im, Jahre 1933 immatrikuliert waren, und die katholische Universität mit 958 Studenten im gleichen Jahre, beide in SanHigcV und die technische Hochschule in Valparaiso. Es bestehen außerdem eine Reihe von Fachschulen,' insbesondere für Landwirtschaft und Bergbau. 980 Zeitungen «ad Zeitschriften erscheinen in Chile, darunter 93 Tageszeitungen und 218 Wochenblätter. Die Bevölkerung Chiles war 1930 zu 97,7. ty> katholisch, doch gibt es seit 1925 keine Staatskirche mehr. Der Einfluß der Kirche St 'sehr groß; die chilenische Kirche hat unter Führung eines liberalen Erzbischofs im Erziehungswerk und in der sozialen Fürsorge Außerordentliches geleistet 1 Die offizielle Religionsstatistik des Jahres 1930 gab ' für «die einzelnen Bekenntnisse folgende Ziffern an: Katholiken 4189000, Evangelische 82 000. Juden '3700. Seitdem .hatvaich die Zahl der Juden bedeutend vermehrt r es dürften etwa 1000 Einwanderer aus Deutschland nach Chile gekommen sein, die sich zumeist in der Hauptstadt und dem Hafen Valparaiso niedergelassen und dort auch" eine Existenz gefunden haben. Trotzdem ist diese Zusammenballung in den beiden großen Städten zu bedauern, da die kleineren Orte, vor allem im fruchtbaren Soden des Landes, einer großen Zahl neuer Einwanderer sichere Existenz und gutes Auskommen bieten dürften. Die Zahl' dar Juden dürfte heute, unter Einberechnung der Einwanderung seit 1930, nach vorsichtigen Schätzungen um 6000 liegen; die in der jüdischen Presse genannten Schätzungen von 12000 und mehr dürften ganz bedeutend zu hoch gegriffen sein1). Die wichtigsten Gemeinden bestehen in Santiago,—Valparaiso, - Temuro und Osorno (hauptsächlich Seiardim); doch verteilen sich die Juden tatsächlich über das ganze Land. Der Zensus von 1930 gab an, daß in 48 Von den 83 Departements Juden leben. Kleinere jüdische Gemeinden existieren z. B. in Iquique, Antofsgaste und La Serena. „Die zionistische Bewegung hat in Chile eine beträchtliche Gefolgschaft Es bestehen m e h r e r e hebräische Schulen mit Lehrern, die aus Palästina geholt wurden. In Santiago erscheinen die Wochenblätter „Jiddische Presse" Und „Unser' Fraind", sine Halbmonatsschrift „Neie Zeit", ebenfalls jiddisch, und die Monatsschrift „Dawar", Organ der zionistischen Arbeiter. Die jüdische Jugendorganisation in Chile gibt zwei spanische Monatsschriften heraus: „Judea" in Santiago und „Alma Hebree" Ja Temueo." (Aus Mark W ischnitzer: . „Die Juden hl der Wtlf) In, Santiago besteht neben dem Circulo Israelita (hauptsächlich ostjüdisch) and der sephardischen Gemeinde ein „Gemeindebund deutschsprechender Juden" dem sich ein Teil dar nach 1033 zugewanderten Juden aus Deutschland angeschlossen hat Auch orthodoxe Juden haben die Möglichkeit, vollkommen das überlieferte Leben zu fuhren. Ueberall, wo jüdische Gemeinden existieren, gibt es koscheres Fleisch usw., auch ist uberall Gelegenheit zum Gottesdienst vorhanden. VTL Stiele aas Chile . Wir bringen nachstehend eine kleine Auswahl ans Briefen von Auswanderern nach Chile, die eine Fülle von Angaben über Lebensverhältnisse, Berufsaussichten ü. dgl. enthalten. So schreibt ein Auswanderer, der recht lange im Lande ist, aua Santiago im Dezember 1937: „Das Klima, in Chile ist des beste voa ganz Südamerika (weil der Vhe Humboldts trom die Küste streift). In ....... ■ . ■ >) Auculdie Angabe des HICEM-Komitees von 20—28060 für 193» dürfte zu hoch sein) WILHELM GRÄSSOW Orflusvort-ßemtiing BE R LIN-REINICKE NDORF AAARKSTR10-l 1 - RUF: 4905 V „■■.♦*". '■' \ ' ■'- i t. . t:M säfe •sj: . i . *.» ißgg i ■ '.f J.: ■& . : ft i M I M i v,' - -l ■ >; ,y„

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