Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand UB Ffm
- Issue
- Januar 1939
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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r •"• " Besonders stieg ü» den letzten Jahren die Erzeugung von Zement, was durch die verstärkte Bautätigkeit dieser Zeit tu erklären tat. Vonanderen Industrien haben vor allem die Herstellung von Strickwolle, Papier, Kartonnagen-, Glas- und Emaillewaren, Glühbirnen, Wollstoffen und Baum wollwaren einen sehr starken Aufschwung genommen. Wahrend in Textilien, insbesondere in solchen besserer Qualität, noch eine starke Abhängigkeit vom Ausland besteht (1887 wurden Textilien im Werte von 73,6 Millionen Pesos importiert), war es möglich, den Bedarf an Schuhen, Genußmitteln und Massenwaren durch Eigenfabrikation zu decken. Die verhältnismäßig günstige Entwicklung der chilenischen Industrie wird durch niedrige Arbeitslöhne gefördert, die die hohen Kosten der Rohstoff• Beschaffung und die Devisenschwierigkeiten wettmachen. Ee besteht freilich auch die Gefahr der Ueberproduktion. So warnte die Presse vor allem vor einer überstarken Expansion in der Fußbekleidungs-, Seiden- und Wollwarenindustrie, sowie in der Erzeugung von Knöpfen und Artikeln, die aus Knochen und Ersatzmitteln für diese hergestellt werden. Abschließend kann gesagt werden, daß die chilenische Industrie bereits imstande ist den Bedarf der breiten Massen an Fertigwaren au decken, nicht aber Güter höherer Qualität, die europäischen Ansprüchen genügen, und maschinelle und ehemische Produktionsmittel in größerem Ausmaße herzustellen. »In n'euoeter Zeit wird unter Hinweis auf die Gefahren eines Krieges der weitere Ausbau der Industrie, vor allem der Schwerindustrie, gefordert. vi. W^-Ä'uBenhandel Der Gesamtwert der Einfuhr Chiles betrug 1937 429 Millionen Goldpesos') (1936: 347): die Ausfuhr belief sich auf 946 Millionen (1936 : 549) Goldpesos, der Ausfuhrüberschuß 503 Millionen (1936: 202) Goldpesos. Die starke Steigerung der Ausfuhr wird fast ganz von der Bergheuproduktion (Salpeter, Kupfer usw.) beatritten, die Oberhaupt den weitaus größeren Teil der Auafuhr Chiles auamachen. Doch besitzen auch der - Wollexport sowie die Ausfuhr verschiedener Agrarprodukte eine gewisse Bedeutung, y In der Einfuhr Chiles spielen naturgemäß Maschisen und die Fertigwaren der Industriestaaten die Hauptrolle. den Besondere sind difNaadelsbeziehungen Chiles au taaten, fBeptschland und England ' tschlands mit Chile zeigt fol- V Der Außenhandel gende Zahlen (Werte in'lOOO RM.) Ausfuhr Chiles nach Deutschland: - Insgesamt 81 1*6 Darin: Kupfer 14 325 ' .St ick stoffdOngem ittel < V 9 854 Wolle 24 649 . Hülsenfrüchte - 9040 Ausfuhr Deutachlands nach Chile: Insgesamt 56 444 Darin: Gespinste aller Art 1778 Gewebe aller Art \ 6993 Papier, Pappe, Papierwaren . 1 306 Farbe« aaw. . 2 608 Sprengstoffe usw. / 1044 Eisenguß und Warzeraeuguisse 7442 Werkzeuge und Eisenwaren 8091 Maschinen aller Art -• 6712 Fahrzeuge aller Art 2922 F.lektrotechnisohe Erzeugnisse 4 876 Pharmazeutische u. kosmetische Erzeugnisse 2808 In den . letzten Jahren ist der Handel Chiles mit Deutschland sehr stark gewachsen. Die Konkurrenzfähig' keit Deutschlaads und seine führende Rolle in allen Warengruppen, die nicht mit Nahrungsmitteln, Mineralien und Textilien zusammenhängen, beruht z. T. auf dem niedrigen Stand der. VsrrechnuugsmarkyNach Angebe der deutsch ') Die Werfeinheit der ehUeeiachea AußeahandelssUtUtik ist der GoMpeso, dar gl «ich 6 .engl d in Geld yngenaoanen wird. ' |^ifH»f' ' .< I südamerikanischen Bank besteht Interesse für folgen dt deutsche Erzeugnisse: Maschinen, inabesondere Textilmaschinen; Baubedarfsartikel; chemische und pharmazeutische Produkte; sanitäre Einrichtungen, Radiatoren, Krankenhausbedarf, Garne, bessere Textilwaren, Farben. . y ' _ 4. Währung , Währungseinheit ist der chilenische Peso (a $ 1 - 100 Centavos). Einer in Peso ausgedrückten Geldsumme folgt Abkürzung m/c (d. h. moaeda corriente) oder auch (in gleicher Bedeutung) m/1 (d. h. moneda legal). Die Summe von 1000 Pesos beispielsweise wird also geschrieben: 9 1000 m/c oder 9 1000m/1. 10 Pesos wer Jeu auch „Condor" genannt. Der Peso, dessen Parität -» 6 engl pence Gold (d) oder 0,51 RM. beträgt, ist in den letzten Jahren mehrfach abgewertet worden. Der Peso notierte im Dezember 1938 rund 0,13 RM. ' In Chile herrscht eine zwar nicht lückenlose, aber, im allgemeinen strenge und sehr komplizierte Devisenwirtschaft. . Zur, Einfuhr von Waren ist sowohl Einfuhrgenehmigung wie Ausfuhrbewilligung für Devisen nötig. Die Exporteure müssen einen (je nach der ausgeführten Ware verschieden hohen) Teil des Devisenerlöses an die Regierung, den Rest an die Importeure verkaufen. Auch alle Devisengeschäfte, die nicht mit dem Warenhandel zusammenhängen, müssen genehmigt werden. Zwischen Deutschland und Chile besteht ein Handels- und Zahlungsabkommen; der Warenverkehr wird Ober Reichsmark-Sonderkonten verrechnet. Zeitweilig haben in den lotsten Jahren besondere Möglichkeiten des Kapitaltransfers für Auswanderer aus Deutschland bestanden. Laut Auskunft der deutschsüdamerikanischen Bank.ist ein Kapitaltransfer zur Zeit nicht möglich. ' >■■■ , 5 Wirt seh. a ft se nt wick I u n g der letzten * ~ Jahre 1 " Infolge der überragenden Bedeutung der Auafuhr der bergbaulichen Erzeugnisse, , vor ' allem des 'Salpeters und des Kupfers, für die chilenische Wirtschaft ist die Wirtschaftsentwicklung .Chiles vollständig mit dem Wechsel der Weltkonjuhktdrlage verbunden. Daher war die große Krise von' 1930/31 auch in Chile sehr spürbar, und daher nahm dieses Land am allgemeinen Aufstieg nach der Wende von 1932/33 teil Dabei kam ihm* besonders zugute, daß Kupfer und Salpeter wichtige Rohstoffe für die Rüstungsindustrie sind, (he gerade in diesen Jab-. ran einen, bedeutenden Teil, des Wirtschaftsaufschwungs trugen. Der Aufschwung wurde noch durch ein großzügiges Wirtschaftsprogramm unterstützt, das der Präsident Alcssandri bei seinem Amtsantritt (1932) heraus- ■ brachte und das sich' auf die Förderung der Industrie, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Auabau der Verkehrewege erstreckte. Inzwischen hat sich etwa seit Mitte 1937' die Weltwirtschaftslage und damit auch die Wirtschaftslage Chiles verschlechtert. Es bleibt abzuwarten, ob der derzeitige neue Aufschwung in den Vereinigten Staaten, die für die chilenischen Erzeugnisse die wichtigsten Abnehmer und handelspolitisch besondere begünstigt sind auf Chile übergreifen wird. Von diesen konjunkturellen Schwankungen der Entwicklung jedoch abgesehen, ist festzustellen, daß Chile auf lange Sicht ein entwicklungsfähiges und auch wirklich in günstiger Entwicklung begriffene« Land ist. Freilich muß Der ichtigt werden, daß die Umwandlung Chiles aua einem vor allem Rohstoffe für andere Staaten heut auf ^v-f^Nmorgen vor sich' gehen kann. •v IV. Aussichten für Einwanderer Seit 1933 sind mehrere Hundert Juden aus Deut in Chile eingewandert und wohl auch restlos in der Wirtschaft untergekommen. Bei. der Besserung der Wirtschaftslage in den letzten Jahren ist auch die künftige Aufnahmefähigkeit dea Landes für Einwanderer im ganzen positiv zu beurteilen. Freilich bestehen für reine Kaufle'ute, besonder» Wenn sie ohne genügende h r±-,