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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 37

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand UB Ffm
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 37 (sequence 43)
Language
German
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Am 6. Juni 1938 wurde in Rio de Janeiro ein vorbereitendes Handelsabkommen'iu einem dcutsch-brasilianischen Handelsvertrage geschlossen, in dem sieh beide Linder in Zukunft die unbedingte und uneingeschränkte Meist: Begünstigung gewahren wollen. Daneben worden Vsrein- Umm^gem «LT— Vim tufc »rV nnttngati»» gm+rr^tf, 1W gmmnp Wortlaut de« Abkanunens ist nicht veröffentlicht worden. •Ein Handelsvertrag ist bisher (Ende 1988) nicht abgeschlossen worden, Es scheint, daß die Beziehungen sich trotz einiger-Schwierigkeiten, die im Laufe des Sommers 1938 auftraten, weiter im Rehmen dee vorbereitenden Abkommens halten. Die Deutsch-Südamerikanische Bank weist darauf hin, daß insbesondere folgende Waren für Brasilien bei intensiver Bearbeitung des Gebietes gute Verkaufsmöglichkei- - ten böten.: Rohstoffe und Halbfabrikate für die Landesindustrie, Maschinen und Motoren, gewisse Baumaterialien, sanitäre Artikel, Elektro-Artikel, Automobile' und Fahrräder, kosmetische und pharmazeutische Produkte, Hospitalbedarf, Uhren, Papier,, Bijouterie und Kurzwaren, photographische und optische Artikel. (Die Tabellen diese* Abschnittes sind teilweise dem Jahresbericht der Deutschen Ueberseeiscken Bank für 1937 entnommen.) 8. Wirtschaftsentwicklung Wie oben geschildert, wird eine bewußte Politik der Industrialisierung getrieben. Der Weltkonjunkturaufschwung, der gegen Ende 1932 einsetzte, kam dieser Tendenz entgegen. Im Verlauf der Entwicklung aber blieb das Wachstum der zur Beschaffung von notwendigen Rohstoffen usw. erforderlichen Ausfuhr hinter dem Wachstum der Einfuhr zarflek: wahrend von 1985 auf 1937 die Einfuhr um nahezu 50 v. H. von 27 auf 41 Millionen Gold-£ stieg, wuchs die Ausfuhr nur, um knapp 30 v. H. von 88 auf 45,0 Millionen Gold-£ au, so daß der zur Verfugung stehende Ausfuhr- Oberschuß sich stark verminderte. Utes* Entwicklung hat in Verbindung mit der Unsicherheit Aber die Auswirkung der oben besprochenen innerpolitischen Ereignisse dazu geführt, daß die Geschäftstätigkeit vor allem des Großhandels, aber auch der Industrie seit dem zweiten Halbjahr 1987 ins Stocken geraten ist. .Für die Lage der Landwirtschaft sind die Verhältnisse auf dem Kaffeemarkt noch' immer ausseht nggebeod. Im Jahre 1937 wurde zwar das Sinken des Wertes der Kaffeeausfuhr durch eine starke Verbesserung der Preise aufgehalten; zur Zeit aber ist der Prem wieder um etwa 30 v. H. gefallen. Die Kaffee„verteiäigung" ist, wie erwähnt, aufgegeben worden und der Kamm mit den anderen I-ändern, die unter dem Schutze der brasilianischen Preispolitik ihre Erzeugung erweitern konnten und vielleicht auch wirtschaftlicher produzieren, steht nochbevor. Die Lage der Kaffeepflanzer ist durch ein Moratorium (für die ganze Landwirtschaft) und durch die Herabsetzung der Ausfuhrsteuer usw. erleichtert worden; die Wirksamkeit dieser Erleichterungen für den bevorstehenden Konkurrenzkampf bleibt zur Zeit noch abzuwarten. Die Brasilianische Regierung setzt ihre Anstrengungen fort, die Umstellung der landwirtschaftlichen Erzeugung vom Kaffee aal Baumwolle, Weizen u.a.m. durch Kreditgewährung,. Gründung von Forschungsinstituten, Erlaß von - Standardisierung»Vorschriften usw. zu 'fordern. -Insbesondere ist die künftige Entwicklung de» Absatzes der Baumwolle günstig zu beurteilen, da Brasilien sich bereit erklärte, Baumwolle im Kompensation»verkehr mit Deutschland, Polen Und Italien zuzulassen, und auch «Japan »einen Baum wollbedarf zum großen Teile in Brasilien deckt. _ Di» Industrie Brasiliens erlebte in den Jahren 1936 und 1937 ihren großen Aufschwung. Sek 1988 hat sich die .Zahl der industriellen Unternehmen in Säo Paulo um die Hallte vermehrt, und doch fanden m letzter Zeit die meisten industriellen Neugründungen in den Nordstaaten statt, die bisher wenig industrialisiert waren. Die Industrialisieret Fast in zu schnellem Tempo fort: Sie erfordert eine Einfahr von Masehmen, gewissen Rohstoffen und Halbwaren, die doch am Ende nur durch Exporte oder Kreditaufnahme im Ausland bestritten werden kann. Da der Weg der Kreditaufnahme durch die aufgehäufte Schuldenlast der Vorkrisenjahre versperrt ist, bleibt nur die Steigerung der Exporte mit allen; Mitteln übrig.' Der Export leidet aber zur Zeit, wie oben dangestellt, und daher ist der industrielle Aufschwung nunmehr abgebremst. Wann die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Regierung — wie die Suspendierung des Staataachuldendienstee, die ge- Elauten Straßen- und Eisenbahnbauten, Rüstung»- und Schirlsauten usw. — wieder zur Belebung führen mögen, ist um so weniger vorauszusagen, als die Durchführung dieser Maßnahmen von der Entwicklung der Staatseinnahme» abhängt. Die Preisbewegung für industrielle Erzeugnisse tendiert allgemein aufwart». Dies ist zunächst auf die Entwertung des Milreis zurückzuführen, welche die Einfuhr wichtiger Waren erschwerte und auch die Inlandspreise m die Höhe trieb. Zudem wirkte die starke Erhöhung de» Zahlungsmittelumlaufs und die retehUche Gewährung von Regierungskrediten auf eine Erhobung der Warenpreise hin. Die Regierung sucht Wenigstens eine wertere Steigerung der Preise "inländischer Lebensmittel zu verhindern. Die Löhne in öffentlichen Unternehmungen sind erhöht worden, und man nimmt an, daß die Privatbetriebe dem Beispiel folgen werden. Soweit eine Lohnerhöhung schon erfolgt ist, entspricht sie nicht der Preissteigerung. IV. Lebenshaltung und Lebenshaltungskosten 1. Allgemeine» Di» Lebenshaltung des Einwanderer» in Brasilien richtet sich naturgemäß vor allem danach, ob er in die Stadt oder auf» Land geht' Bisher ist die Übergröße Mehrzahl der Juden aus Deuteehland in den Städten, and zwar vor allem in den größten Städten Rio de Janeiro - and Säo Paulo, geblieben. Hier in der Großstadt richtet sich die Lebenshaltung natürlich in erster Reihe nach den zur Verfügung stehenden Mitteln. Man kann in den Großstädten Brasilien» in den luxuriösesten wie in den bescheidensten Verhältnissen leben. Di» Lebenshaltungskosten für den notwendigsten Bedarf stehen zu den Verdienstmöglichkeiten in einem nicht ungünstigen Verhältnis. Immer wieder heißt es in Auswandererbriefen: „Verhungert ist in Brasilien noch niemand." Aber europäische Lebensbedürfnisse zu bestreiten, ist keineswegs leicht; jeder „Komfort", jeder Luxus muß, zumal es sich .hier zum großen Teil um Importwaren handelt, teuer bezahlt werden oder ist sogar unerschwinglich. Di» Lebensmittelpreise, (he im allgemeinen in Brasilien niedrig sind, haben »ich im letzten Jahr.se.hr stark-- ■verteuert; ansiindische Lebensmittel »ad infolge der Devisenknappheit -zum Teil fast unerschwinglich geworden. - Die Preise der einheimischen Lebensmittel versucht die Regierung durch Absiedlung landwirtschaftlicher Kleinbetriebe u\ der Nähe der Großstadt und andere Maßnahmen zu verbilligen. Aus Sie Paulo wird berichtet, daß »in Lediger mit 250 bis 270 Milreis (abgekürzt f) bescheiden auskommt; davon kommen etwa 209 9 auf die Pension, für eine Familie'mit Eltern und Kindern emd ebenfalls bei beaeheidensten Ansprüchen — etwa 500 t bis Ititkiotilge EmpfoHJonQ^n Verwaltung und Betreuung von' Auswanderervermögen \. Hausverwaltungen, Liquidationen, Geschäftsverkäufe , Tel.« 864646 Sanierungen, wirtsch. Beratung durcfTerfahr. Fachmann Dr. jur. ERNST ISRAEL ROSENTHAL, BERLIN, WESTFÄUStCH^ STR. 85

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