Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand UB Ffm
- Issue
- Januar 1939
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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der Überproduktion. Die Regierung mußte deshalb - zeitweilig vom protektionistischen Weg abweiche»; sie wendete zwar nicht das Mittel dm InvestUionsverbotes . an, aber verbot die Einfuhr von Maschinen für gewisse gefährdete Industriezweige (so für Baumwollspinnerei und •Weberei, Jute-, Woll- und Seidenweberei, ferner fflr Zweige der Schuh-, Hut-, Papier- und Streijchholzindustrie^ und für die Zuckerindustrie). Dieses.Maschinen-Einfuhrverbot ist «war a m 31. Marz 1937 abcelauf e-n, * wird jedoch im Verwaltungswege zum Teil weiter angewandt. Daneben hat sich die Regierung vorbehalten, die Zölle herabzusetzen, wenn eine Tendenz zur Kartellierung oder Vertrustung besteht oder wenn die Preise der Waren, den Zoll eingerechnet, hoher sind als die entsprechender ausländischer Waren. * Bevor wir cur Besprechung der wichtigsten Zweige der Fertigwarenindustrie übergehen, müssen einige Worte zum Verständnis der dort wiedargegebenen Zahlen gesagt werden. , Die Industrieschätzungea des Bundesstaate« Brasilien be-f ruhen zumeist auf Statistiken des Staates Säo Paulo, die nach einem bestimmten Schlüssel multipliziert werden. Der Begriff des Industriebetriebe«' ist in diesen Statistiken welter gefaßt als in Deutschland. Er umfaßt sowohl Fabriken wie größere Handwerksand Reparaturbetriebe, auch Gewerbe, die auf der Landwirtschaft beruhen, unabhängig von der Große des Betriebes, desinvestierten Kapitals und der Zahl der beschäftigten Personen. Betriebe, die wir ihrer Kapitalsanlage und ihrer Kapazität nach durchaus als Kleinbetriebe auffassen würden, gelten in Brasilien schon »1* Mittelbetriebe, and entsprechend Mittelbetriebe als Großbetriebe. Bezeichnend ist, dsß etwa die Hälfte der paulistaner (d.h. der la Slo Paulo gelegenen) Industriebetriebe mit weniger als 6 Arbeitern arbeitet; sie umtsßt auch aar einen geringen Teil der geasjattn Arbeiterschaft. Großbetriebe mit 1006 und mehr Arbeitern sind nur in der Teztil- und pl der Montanindustrie vorhanden. Es ist jedoch unter den Neugründungen die Tendenz mm Großbetrieb festzustellen. Nach dar letzten Betriebszählung im Jahre 1834 gab es in Brasilien 65 928i n d u s trieb e t r i e b e (1920waren es nur 13305!), darunter folgende Branchen: Industriezweige Tabak Verarbeitung ■>' Getränke Alkohol Streichhölzer Salz Schuhwaren Parfümerien Pharmazeutika Konserven Essig und Oel Kerzen Fell- und Stoffartikel Papier u. Papierwaren Spielkarten Hüte und Stocke Glas und Steingut Wandplatten Kinoapparate asw. Eisenwaren (Nach einem Blickt 4m Deui ach-Brasilianischen HandrÜberhandes «. V. vom Mai 1936.J Der Produktionswert dieser Betriebe, deren Zahl sich inzwischen auf etwa 80000 erhobt hat, dürfte jetzt 8MU1. Conto« betragen. Die Industrie des Staates Säo Paulo umfaßte 1086 7840 Fabeiken mit einem Kapital von_ 3,2 Millionen Contos, 214 000 .Arbeitern und'einer Erzeu-: gung im Warte, von 2,9 Millionen Contos. lieber die Verteilung dos gesamten Produktionswertes der brasilianischen Industrie auf die einzelnen Produktionszweige gibt ,eine Zusammmatellmtg "des Berliner Tageblatt« vom August 1938 Auskunft: Wert d«r jndustr-re-llea .Produktion Gewehe aller Art Schuherzeugung Textilien TabeRwaren :h Gewerbezweigen Conto. Kacheln und Fl Herde Farben Industrie' Glaswaren ^_ Kämm«, Barsten Sanitäre Apparate Waffen Leder . - Handschuhe 1 Spielwaren Rasierklingen 17 018 13 99« 12 698 12884 Z*U*r Industrie zw e i g e fcM*. Botrfab« 902 ' Kaffee und Tee 3404 18487 Butter und Ersatzstoffe 2263 178 Möbel ' 4 791 18 Waffen usw. 94 1012 Käse 8348 7 98» Farben und Lacke 498 1101 Fächer 32 1 266 Gununiwaren ■ 65 1686 Rasiermesser und -ptnsei 27 —184 Spielwaren Kämme, Bürsten usw.' 114 310 187 3138 Lederwaren 3 347 2S1 Schmuckwaren 120 11 Mineralöl Verarbeitimg 4 1 288 Sanitäre Apparate 43 89 Musikinstrumente «2 549 Oefen usw. 234 ~18 Nähgarne 28 847 Pharmaz. Industrie Hüte Möbel Konserven Papier, Papierwaren Parfümerien Lederwaren Elsen, Aluminium 184886 171 213 184 278 97884 88 384 61691 58 782 48113 TTW 8 160 3 821 3082 1593 1095 868 Dazu kommen noch folgende Industriezweige, für die aber keine Zahlen vorlagen: Fetterzeugung, Seifenfabrikation, Zuckerraffinerien, Kunstdüngerindustrie, Wagenbau, Baustofferzeugung, Gerbereiindustrie, Steinkohlenbergbau, Msnganerzeugung, Zementindustrie. Derjenige Wirtschaftszweig, der sieb gegenwärtig am auffalligsten entwickelt, ist die Textilindustrie Von den 8 Mill. Contos, die den Wert der gesamten brasilianischen Produktion ausmachen, entfallen mindestens 1,1 Mill. auf Gewebe und etwa 500000 auf andere Textilerzeugnisse. Brasilien ist praktisch unabhängig von der Einfuhr von Textilprodukten und fuhrt bereits kleine Mengen aus. . _ , Unter den brasilianischen Textilbetrieben nehmen die dar Baumwpllverarbeitung einen besonderen Platz ein. Sie genießen alle Vorteile', die eine gute heimische Rohstoffbasis zu bieten vermag. Es bestehen gegenwärtig etwa 360 Baumwollspinnereien und -Webereien mit 125000 Beschäftigten, 2,7 Millionen Spindeln und 81000 Webstühlen. Der Jahresverbrauch an Baumwolle beläuft sieb auf etwa 150 000 tr-Die vielseitigen Erzeugnisse der Baumwollindustrie halten auch höheren' Ansprächen stand. " Wie die Kunstseidenindustrie, so beut auch teilweise die- Papierindustrie Ihre -Erzeugung auf brasilianischer Zellulose Auf. Die Regieruhgen der Einzelstaaten regen den Verbrauch heimischer Pflanzenfasern an Stelle ausländischer Robstoffe in jeder Weise an. Gegenwärtig bestehen in Brasilien 30 größere Papierfabriken mit 20 000 Arbeitern, die,13*000 t Papier und Papier- 1 waren, vor allem Pack-, Druckpapier "And Kartonagen, jährlich produzieren. v Die brasilianische Schuhindustrie, die 7903 Betriebe zählt (worunter - freiHch auch größere Reparaturwerkstätten einbegriffen sind), produziert jahrlieh etwa 35 Mill. Paar Schuhe. Da LedersckunTfas* ausschließlich von der Stadtbevölkerung (nur «twa 12 Millionen Menschen) getragen werden, befindet sich die brasilianische Schuhindustrie gegenwärtig in einer Uebererzeugungskrias. Die Vertreter der Schuhindustrie haben sieh mit einer Eingabe um Steuerermäßigung an die Regierung gewandt. Sehr unterschiedlich sind die einzelnen Zweige der chemisch-pharmazeutischen Industrie entwickelt. In Seifen und Parfümeries versorgt sich Brasilien salbet; die F a r b e n Herstellung dagegen soll noch nicht einmal ein Viertel des jährlichen Bedarfs« decken. Auch die Herstellung von Chemikalien ist noch gering entwickelt. — Die 44 Gummifabriken, deren Erzeugung auf 35000 Contos jährlich, geschätzt wird, könne» aach aar einen Bruchteil de*- Bedarfs befriedigen. Durch die gegenwärtige Baubausse befindet sich die Zementindastriein großem Aufschwung. Die Zementerzeugung der 4 bestehenden Fabrikenbetrug laoB 488000 t (gegen 88000 t kn Jahre 1980); die Zemeateinfuhr ging in dieser Zeit um vier Fünftel zurück. Faat einfuhrunabhängig ist Brasilien auch auf dem Gebiet der industriell verarbeiteten Nahrung«- und Genußmittel. WILHELM GRÄSSOW M ZÜisgedekHte tätgerkänser BE RUN-REINICKENDORF MARKSTR:10-11 RUF:49091?| »55