Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand UB Ffm
- Issue
- Januar 1939
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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etwa», wenn «09b nicht immer, gleich, man kann jedem raten, hierher iy kommen, wenn er die Sprache kenn, mindeaten* aber eagiUch, and wenn er die M i t.tel hat, es wenigsten« ein halben Jahr mit anzusehen. Man lebt hier sehr billig; Wohnungen gibt es in jeder Preislage. Für ca. 190 Pesos kann man schon Zentralheizung bekommen. Wir haben eine bekannte Familie hier, die mit ans kam. Sie hat eise SVi-Zimmer-Wohnung mit Heizung für 16t Pesos, gs sind vier Personen, die gut aber einfach leben. Sie haben 300 Heeks VerbraBcB IBMftMl, Mlbslvwsläudlich ohne -Neuanschaffungen. Man rechnet fttr eine Person ca. 1 Peso Verpflegung pro Tag. E. meint, man kann es billiger machen; aber alle Leute die ich fragte, sagten, man muß mit 1 Peso rechnen. Wenn man eine billigere Wohnung nimmt, sind die Kosten für Warmwasser and Petroleumofen so hoch, daß dann auch 800 Pesos herauskommen. Vergnügen, wie auswärts essen, Theater und Fahrgeld 'sind temer, man muß sich natürlich umstellen und in einem ganz anderen Stil leben. An das Klima habe ich mich natürlich noch nicht gewohnt; Im Winter' habe ich schrecklich gefroren, obgleich wir nie unter 0 Grad hatten, aber der Feuchtigkeitsgehalt der Luft ist so groß, daß wir ihn anangenehm empfinden. Wir hatten einen Petroleumofen, der aber nicht daa ganze Zimmer erwärmte. Bis jetzt war die Wärme nicht übermäßig groß, hie 84 Grad, also erträglich Wir wohnen in einer ganz guten Pension, In sehr guter Lage, und bezahlen zusammen 180 Pesos mit Nachmittagstee,' für 10 Centavos extra gibt es Kaffee. Mit Trinkgeld, kleinen Einkäufen, Fahrgeld, Wäsche, Obst gebrauchen wir zwei durchschnittlich 275 Pesos — mal etwas mehr oder weniger. Mein Mann fängt jetzt an zu arbeiten, er macht sich selbständig, da hier daa angeschriebene Gesetz gilt, niemand Ober 40 snausrsDia, Die chamlsnhs Industrie ist übersättigt; die Engländer and Amerikaner sind darin sehr groß «ad stellen für größere Stellen nur ihre Leute ein. — Ich wurde gern mal. wieder gute Bücher lesen. los Kino linmmsa wir Öfter, aber es ist für ans noch eine Anstrengung; man gibt amerikanische Filme, and wir hören englisch und sprechen spanisch. . Bringt, *iea das Ihr kommt, auf alle Fälle Möbel mit; wir heben versäumt, und man wohnt in einer eigens« Wohnung lillllasi als m Pension." Etwa« aber das indische Leben in Buenos Aires berichtet der folgende Brief: ^sr^B^a^B^aaB Buenos Aires, den 15. Mai 1938 , . T ' ■ ** ■ * „refe habe Gelegenheit gehabt, die hiesigen Synagogen Da ee keine offizielle jüdische Gemeinde gibt, so werden diese prunkvoll gebauten Synagogen nur aus Mit gliedabeitrigaa und Spende» erhalten. Der Besuch der Synagogen ist gut, und aa den Feiertagen sind sie völlig uberfüllt Ich besuche regelmäßig eine Synagoge, die der in der Rykestraße 'satsiirli.hl. Ein schöner Chor und ein hervorragender Chanen machen den Besuch zu einem Genuß. Es gibt hier eine große Anzahl deutsch sprechender Juden, und vor kurzer Zeit wurde tob diesen eine „Jüdische K u 11 u r v e r e i n i g u n g" gegründet, die durch interessante Vorträge und musikalische Darbietungen diese Maischen zusammenhält. Auch die Zionisten sind sehr rOhr';; d.» deutseh sprechenden bilden eine Gruppe für sich. Beide jüdischen Vereinigungen tssjdsn aig«>a» Sportgelände." ' Daß tatsächlich in der argentinischen „Provinz" Lebensmöglichkeiten fttr Einwanderer — auch in nichtlandwirtschaftlichen Berufen — existieren, zeigt folgender Brief «tarn 17. Mai 1896 an« Saenz Pena im argentinischen Chaco: „Ende März fuhr ich 4ft Tage lang den ParaUa-Fluß hinauf, nach Resistencia, Hauptort des Chaco, und von dort 8 Stunden per Eisenbahn westlich mitten in den Chaco hinein. "Nachdem ich einige Wochen in Seena Pena, einem Städtchen von 11000 Einwohnern, verlebt hebe, maß ich sagen, das Leben ist zwar primitiv (keine gepflasterten Straßen, keine Kanalisation usw.), aber daa Klima ist gesund, trocken, für Europäer erträglich; im Hochsommer — den ich nicht miterlebt habe — gibt es bis ,4Ä Grad im Schatten, aber auch Buenos Aires ist im Hochsommer« sehr heiß. Der argentinische Chaco lebt seit etwa «ahn Jahren von dem Anbau der Baumwolle, und dieser Geschäftszweig scheint gerade hier, in llmtllehan Nordprovinzen Argentiniens, wie Chaco, Corrientes, Santa Fi usw,, eine greis Zukunft vor sich zu haben. — Einstweilen liegt daa ganze Geschäft in den Händen .einiger weniger großer Firmen, mit dem Sitz in Buenos Aires,' und durah diese Firmen können, bei gutem Willen, noch zahlreiche deutsche Flüchtlinge Arbeit Zorn Schluß mochte ich noch auf die Ausrüstung (Anzüge inahaaaarfsra) h1 "weisen, die man für Argentinien braucht — Im Sommer (November—März) ist es, wie gesagt, sehr bettt, und in Buenos .Aires ist die Hitze durch die ständig etwas feuchte Luft noch stärker zu sparen. Man braucht dabei unbedingt mindestens zwei dünne Anzüge — Leinen oder Palm- Beech-Anzfige — die hier bereits für 25—80 Pesos in durchaus brauchbarer Qualität zu haben sind; sog. Knickerbocker- Hosen sind in Südamerika nicht bekannt und nicht zu t-aiean, da man sich damit lächerlich macht Man darf nicht ohne Jackett auf die Straße gehen, braucht, daher unbedingt die erwähnten dünnen Ansage. In der kahleren Jahreszeit — Froste «ht es kaum — sind die europäischen Anzüge angebrecht. Wintermäntel sollen ebenfalls angebracht sein, da die geringe Kälte durch die Luftfeuchtigkeit viel stärker zu sparen sein solL" Aach des? Schreiber des folgenden Briefes ist in die Provinz gegangen, und man sieht aus seinem Bericht, daß unternehmungslustige, entschlossene, gesund« Menschen sich dort sehr wohl fühlen können: Frlaa. den 25. Dez. 1837 „Wie ich Ihnen schrieb, hatte ich eine Stelle als Elektroschweißer in einer großen Fabrik fttr Stahlkonstruktionen I in Buenos Aires durch Empfehlung bekommen. Dort verdiente ich 0,70 Centavos die Stunde, was etwa einest Monatslohn von 140 Pesos entsprach. Knapp vier Monate hatte ich diese Stellung Inne, in welcher ich mich gut in mein Fach einarbeiten konnte. Daren eine Zeitungsannonce konnte ich eine Stellung als Elektro-Schweißer in der Reparaturwerkstatt einer großen Zementfabrik, 400 km von Buenos Aires entfernt, im Süden des Landes bekommen. — Ich erhielt einen Stundenlohn von 0,85 Pesos und wurde später auf 0,90 Pesos heraufgesetzt, se daß ich hier bereits auf 180—200 Pesos ihn Monat kam. » Mit der Stellung wechselte ich auch vollkommen das Milieu, in dem ich mich bisher befand, Buenos Aires, die Internationale europäisch nordamerik'anieche Weltstadt und Lome Negra (so hieß der Ort), das Argentinische PuebUr mit 2000 Seelen, nämlich die Arbeiterschaft der Fabrik mit ihren Familien. Wer die argentinische Provinz nicht kenn«, kann sich die Primitivität des dortig— Lehens einfach nicht vorstellen. Ich will versuchen, ee Ihnen zu beschreihen. Eine riesige hochmoderne Fabrik; drumherum gruppiert in einem gepflegten Park die Wohnungen der Direktoren, Ingenieare and höheren Angestellten. Außerhalb dieses Stuckchens Kultur das eigentliche Pueblo, primitive Steinhäuser und Oberwiegend Wellblechhäuser. Jedes Wellblechhaas besteht aas einem Zimmer, in dem die Peones mit ihrer Familie wohnen. -In den Steinhäusern, die zwei oder drei Zimmer beben, wohnen die gelernten Arbeiter mit Irren Familien Die unverheirateten Arbeiter wohnen im sogenannten Campamento, einem ganz primitiven Steinhaus: Zement-Fußboden, Zement-Wände, Wellblechdach. In jedem Zimmer drei Mann. Das Mobiliar der Zimmer besteht , aus schlechtem Bett. mit schlechter Matratze — und weiter nichts. Daa Essen nimmt man im sogenannten Comedor ein, einer großen Kantine, wie gewöhnlich die Arbeiterkantinen sind, nicht teuer and nicht schlecht — Da ich gerade in den Wintermonaten dort war, habe Ich schändlich «froren, denn Oefeo kennt man nicht, den Winter laßt man hier nur als häßlichen Zufall der Natur auf, obwohl wir wochenlang nachts Temperaturen von 2, 3, 4 Grad unter Null hatten, and die Wasserkranen, an denen man sieb wusch, draußen vor dem Haus, regelmäßig eingefroren waren. Nachts gingen wir gestiefelt und gespornt, feldmarschmäßig auagerastet, bekleidet mit Pullover, Schal, Mütze, wollene Socken Isis Bett, und gegen Morgen tropfte das Wasser dann lieblich vom Wellblechdach runter ine Bett — Daa sind die schlechten Seiten dee Lebens auf dem Camp, aber es gibt auch sehr viel Schönes. Man lernt hier den wirklichen Argentinier kennen mit seinen Sitten, die noch aus der. Gaucho- Tradition herstammen. Hier draußen akklimatisiert man sich viel, viel rascher als in Buenos Aires, die Sprachkenntniaee Herbert Israel Liebenthal Spedition ■ItatUe« «er jaeleekea CUsaaluai Berlin W 8 Kronenstraße 33 1 mKafp*tran8port4* nach allen Erdteilen