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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 14

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand UB Ffm
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 14 (sequence 20)
Language
German
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Dar Bedarf an Arbeitskräften für die Industrie j ist im die Aach* di* TJevisenknanpallgemeinen ziemlich w heit and di« damit Verbundenen Importschwierigkeitsn hervorgerufene Gründung vieler Filialen »roßer ausländischer Unternehmungen stark beigetragen hat;- diese Zweiguntarnahmnr»- gen beechäfti«en, heute viele Tansende argentiniscber Arbeiter. ' Ais Landarbeiter sich «1 Vertilgen, kann bei dem •ehr niedrigen Lebensniveau der argentinischen Peons nicht gut winein aas Deutschland stammenden Joden an- Katen werden; der soziale Abstieg wäre außerordentgroß, der Wiederaufstieg wahrscheinlich sehr schwer. b) Gelernte Arbeiter und Handwerker In fast allen aas zugehenden Briefen und sonstigen Informationen wird immer wieder geschildert, daß jeder handwerklich ausgebildete Einwanderer in ziemlich kurzer Zeit auf eine Anstellung rechnen kann; die sofort com Lebensunterhalt ausreicht, d.h. noch bevor der Betreffende die Landessprache beherrscht, deren Kenntnis für Handwerker und gelernte Arbeiter nicht von so aberragender Bedeutung ist wie für Kaufleute und Intellektuelle, aber auch einen sehr großen Vorteil darstellt. Ueber den Wert, dar „Umschichtungs"-Ausbildung für Argentinien sind die Ansichten getaut. Die einzigen ans bekannten Handwerker, deren Aussichten nicht als gut haasiohaet werden können, sind Sehl achter, ferner bestehen keine Möglichkeiten für „Schochtira". Starke Nachfrage herrscht nach folgenden Berufszweigen: alle Arten von Bauhandwerkern und Industriearbeitern, also Maler (Anstreicher), Bauschlosser, Maschinenschlosser, Eisenbinder, Elektroschweißer, Autogenschweißer, Dreher, Former, Klempner, Installateure, Monteure, Elektriker, Feinmechaniker, Schmiede, Stellmacher, Bautischler, Oberhaupt Zimmerleute, Möbeltischler, Möbelpolierer und Polsterer. Nicht schlecht sind auch die Auasichten für Schriftsetzer, wenn-sie das Spanische beherrschen, ferner für Stein- und Offset-Drucker, Buchbinder, Fachleute für ftagsarboitaa and Sehr gesucht sind Weber, doch ist die Bezahlung gering, aar Spulmeister für Seidenwebstühle? und überhaupt Arbeiter, die Textilmaschinen richtig sa bsdfcaaan wissen. Zuschneider für1 Lederwaren, Kürschner, Wachstuchfachleute waren ebenfalls gesucht; ebenso Automechaniker, Chauffeure, Friseure, sowie Backer und Koche. Schaufensterdekorateur« sind in erheblicher Anzahl in den letzten Jahren ans Deutschland „gekommen und haben auch Stellung gefunden, soweit es sich um wirklich tüchtige Kräfte handelte. Wie weit jetzt noch üytarhunftsniosjkhka^ aa beurteilen. Kaufleute and kaufmännische Angec) K stallte Wie schon oben erwähnt, sind die Aussichten für Kaufleute, soweit sie ohne Sprachkenntnisse and ohne Kapital ins Laad kommen, sehr ungünstig. Doch bezieht sich dies in erster Reihe auf die Möglichkeit, eine feste Anstellung im Büro zu erhalten. Dies wird immer schwieriger, und nach die gezahlten Gehälter sind niedrig. Die Anfangsgehälter liegen zwischen 40 and 00 Pesos, spater, bei Beherrschung der Landessprache, steigen sie, bleiben aber in dar Regel ziemlich niedrig. Gehälter von 80, 100 und ISO Pesos, vielleicht auch von 150 Pesos, sind im Büro häufig, die höheren dieser Gehälter aber aar, wenn man wenigstens auch das Englische recht gut beherrscht Ein Gehalt von 200 Pesos für eine Bürostellung ist schon eine große Ausnahme. Wer allerdings als Verkäufer in einem, guten Hause tätig ist, verdient durch Prozente vom Verkauf noch mehr. Doch sind solche Anstellungen nur nach längerem Aufenthalt im Lande und bei vollkommener Beherrschung dar Landessprache sa erreichen. Als Vertreter oder Reisende sollen für Einwanderer, die einigermaßen gute Verbindungen haben, unter Umstanden noch Möglichkeiten vorhanden sein. Doch wird hier selten ein Fixum gezahlt; im allgemeinen ist der Betreffende auf Provision angewiesen. Um sich hierbei durchzusetzen, ist nicht nur eine ziemlich große Aasdauer, sondern vor allem, Geld notwendig, am durchzuhalten, bis die Früchts dar Arbeit sich einstellen: dies soll etwa ein Jahr dauern. Farner liegt es auf dar Hand, daß gerade für einen ^Vertreter oder Reisenden perfekte spanische Sprachkeaatnisse Voraussetzung des i* ■»'' . '' ,' :, i .. ' •jt1 . ■ t ,- ■ \ "r Erfolges sind. Wer diese hat, kann auch in verwandten Beruf «zweigen, «,B. als Versicherungsagent, unter Um-' \ ständen gut verdienen. - Für Hausierer sind die Aussichten sehr schlecht Diese Tätigkeit ist nächstens als vorübergehender Notbehelf für Neu- _eingewanderte anzusehen. Verschiedene Em Wanderer habe» «ich mit dem Verkauf von Limonaden, Eis usw. beschäftigt, döST kommt etwas derartiges nur wahrend de? heißesten Jahreszeit in Frage, und außerdem ist die Tätigkeit ungemein anstrengend und mühsam, b—onset« wegen der langen Arbeitszeit d) Frauenberufe Für Frauen sind die ünterkunftamöglichkeiten in Argentinien verhältnismäßig rscht gat Sie können als Kindermädchen, ebenso als Mädchen für alles leicht Stellung erhalten aad erzielen Oft Gehälter von 60 bis 70 Pesos bei freier Station, wahrend kaufmännische Anfangsgehälter ohne freie Station häufig nur auf 40 bis 90 Pesos kommen! Sehr gesucht sind auch Köchinnen. Dooh ist in diesen Berufen die Arbeitszeit lang, der Dienst schwer, und nicht jeder ist derartigen körperlichen Anforderungen gewachsen. In gewerblicher Hinsicht sind die Chancen für Frauen nicht so gut, s. B ist Frauenarbeit in der Dekoration nicht so üblich wie in Deutschland. Für einzelne Handweberinnen sollen Aussichten bestehen, aber aar, wann sie etwas Kapital haben, am sich selbständig zu machen, d.h. am einen eigenen Handwebstahl sa kaufen. Aach für Chemotechnikerinnen und tüchtige! Phetographinnen bestehen gewisse Aussichten. e) Frais Barafe - Die Aussichten für Angehörige der freien Berufe sind m Argentinien im allgemeinen schlecht. Für Architekten aad Baumeister sind die Aussichten ungünstig; es ist eins . große Zahl argentinischer Kräfte auf diesem Gebiet tätig, der Konkurrenzkampf ist entsprechend scharf, und die großen Bauunternehmungen sind meistens' in den Händen englischer, . nordamerikanischer und deutscher Firmen. Eine Anstellung bei englischen oder amerika- Fh-men kommt praktisch nicht in Frage, weiL diese salwsiha ihre Landsleute oder einheimische Kräfte, nehmen; deutsche Häuser wiederum stellen meUtoa« halse Nichtarier ein. Um als selbständiger Architekt einen Kundenkreis zu bekommen, ist eins mehrjährige Anlaufszeit erforderlich, bevor man seinen Lebensunterhalt verdient. — Ein gswiatai Bedarf sali an Statikern vorhanden sein, vor allem an HolzsUtikern. Es wird darauf hingewiesen, daß in Argentinien Hochbauten im allgemeinen nicht als Eisenhochbauten, aonoern als Eisenbetonbauten auageführt werden, woruwsas^Deutschland waissMiSlh) Baumeister kerne Uebung,haben durften. Ausgesprochen sehlecht sind die Aussichten für Aerzte, Zahnärzte, Dentisten, Zahntechniker, ferner für Orthopäden, Krankenpfleger, Masseur« and Operationsgehilfen. Die' Anarichten für Chemiker sind beute nicht mehr so günstig wie früher. Die grosse Fabriken sind meist von nordamerikaaischen oder europäischen Häusern begründet und holen die leitenden Chsmflter ans ihrem Mutterlande, während die untergeordneten Arbeiten von einheimischen Chemikern durchgeführt werden. f) Kapitalisten Im ganzen dürfte die Eröffnung eines selbständigen Fabrikationsbetriebes heute ha Argentinien ungleich schwieriger sein als etwa in Brasilien. Der Hilfsverein deutschsprechender Juden in Buenos Aires sehreibt uns am 12. August 1986 — und daran hat sich such nach «eueren Berichten nichts geändert —: „Allgemein ist sa sagen, daß auf jedem Gebiet alles, was hier produziert werden kann, auch hier produziert wird, und daß erhebliche Konkurrenz besteht. Ob sich ein neues Unternehmen gegen die Konkurrenz durchsetzen kann, hingt ausschließlich von der persönlichen Tüchtigkeit des einzelnen ab." g) Landwirte Für indische Landwirte hat ArgenÜnien''«ine gaas besondere Biilianisg «nfelfce dss großen S i« d lun gs werk es der schon mehrfach erwähnten ICA (Jewiabj Colonization Association). Der Siedlungabereich der ICA umfaßt in Argentinien eine Fläch« von mehr als 006 0Ö0 ha, davon waren (nach einer Aufstellung der ICA von , 1957) 390 088 ha kolonisiert 1619 Kolonisten' waren schon Beeitaer 'ihrer Grundstück«, während 1596 Kolonisten ihre Landereien noch * Pacht (mit Vorkauf«-

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