Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1938. Bestand UB Ffm
- Issue
- Juli 1938
- Date
- 1938-07-01
- Page
- Seite 95 (sequence 105)
- Language
- German
- Belongs to
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1 unterzubringen. «Was aber Büroangestellte, Vertreter, Schneider, Kürschner und ähnliche Berufe betrifft; so gibt es hier keine Möglichkeiten für sie, Falls Einzelne herkommen können mit genügend Geld und dies in einem Geschäft investieren, ist es möglich, ihnen bei der Niederlassung zu helfen. Die hiesige Gemeinde hat nicht die Mitlei, genügend Geld zu sammeln, um all das zu unternehmen, was wir gern unternehmen mochten. Das beste, was wir tun können, ist gelegentlich eine helfende Hand anzulegen und unglücklichen Glaubensgenossen ein wenig Geld zu geben, um sie für etwa einen Monat Aber Wasser zu halten. Anfang letzten Jahres, wahrend das Krieges in Shanghai, gab es einen riesigen Zustrom von deutschen und anderen Glaubensgenossen, die in Shanghai lebten und es unmöglich fanden, dort zu bleiben. Wir nahmen 29 oder 80 Familien in Obhut, ferner eine Anzahl Einzelpersonen. Eine ganze Anzahl von diesen konnten wir hier unterbringen und wir fanden Arbeit für diejenigen, die beeonderre Begahungen aufwiesen. Für einen Musiker kauften wir ein Concertina-Accordion und brachten ihn so auf den Weg, sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Anderen mußten wir die Passage nach solchen Landern, in denen sie Verwandte hatten, die sich ihrer annehmen konnten, bezahlen. Wir haben auch große Kosten, um für Glaubensgenossen, die dauernd nach den Philippinen strömen, zu sorgen;, zusätzlich zu unseren Ausgaben zur Erhaltung der lokalen Gemeindedienste. Die Last dieser Arbeit ruht auf den Schultern von «ehr wenigen. Die Mehrheit der hiesigen jüdischen Bevölkerung stammt aus den umliegenden Landern. Sie tragen herzlich wenig für charitative Zwecke bei. Der Hauptteil des Geldes stammt aus den Taschen von uns 10 oder 15. amerikanischen Juden, die auf den Inseln wohnen und dort Geschäfte machen." Aus einem Brief des Komitee« in Charbin, welches die Einwanderung nnch den Philippinen tum Teil betreut: Charbin, den 21. April 1938 „Nach allen Mitteilungen, die wir von den Philippinen erhalten, haben sich die angekommenen Juden aus Deutschland, Oberhaupt Europa, und. auch aus China und Mandscbukoo eingeordnet; .sie arbeiten und sind zufrieden. Es ist deshalb sehr wichtig, in Zukunft darauf-zu lochten, daß keine Personen von schlechtem Charakter kommen, weil dann für die zukünftige \ Einwanderung nichts mehr-getan werden wird und diejenigen, die hilfsbereit sind, den Schaden zu tragen haben werden.'" Der folgende Brief eines Einwanderers au» Deutschland, der sich ebenso wie seine Angehörigen sehr rasch und günstig einordnen konnte, sollte nicht zu allzu optimistischen Schlußfolgerungen verleiten. Manila, 6. Januar 1987 „Bis Hongkong hat alles wundervoll geklappt, die Reise war sehr schön, und ich habe viel Schönes gesehen, beispielsweise: Port Said, Coiombo, Singapore, Saigon und Hongkong, alles dies macht auf den Europäer, der niemals zuvor etwa* Derartiges gesehen hat, einen ganz unbeschreiblich schönen Eindruck. — Die Schwierigkeit war meine Fahrkarte III. Kinase, denn es ist unmöglich hier im fernen Osten, daß ein weite Mann mit Chinesen, Japanern und Philippinern zusammen in der HI. Klasse fahrt; ein Hauptgrund ist Ansteckungsgefahr, und deshalb geben die hiesigen Schiffahrtslinien keine Fahrkarten HI. Klasse an Weiße aus. Manila ist eine wunderschöne Stadt, nicht nur modern, sondern auch landschaftlich ausgesprochen schön und sauber. Das Klima allerdings ist sehr, sehr heiß, und es gibt das ganze Jahr hindurch keinen auch nur kühlen Tag. Meine" Eltern haben hier ein sehr schönes, großes Haus, eingerichtet mit all unseren Möbeln aus Deutschland, und haben 0 Pensionäre, die soviel einbringen, daß sie gut davon leben können und sich somit'' die paar Mark, die sie aus Deutschland mitgebracht haben, als Alterspfennig aufheben können. Mein Bruder bat ein eigenes Geschäft, Baumaterialien. Meine Schwestern haben beide sehr gute Stellungen, die jüngste ist die Tüchtigste, sie verdient mit 20 Jahren ungefähr 300 holl. Gulden. — Ich arbeite seit dem 1. Januar in einem großen - spanischen Exporthaus und verdiene ungefähr 226 holl. Gulden im Monat, jedoch habe ich den Vorteil, daß ich gut spanisch spreche, das außer Englisch die Hauptlandessprache ist. Literatur-Verzeichnis L Nordamerika ' 1, Allgemeine Literatur Ober Nordamerika (Vereinigte Staaten and Ca na da) Bruno Dietrich: „Nord- und Mittelamerika". Potsdam 1932. . 678 S. / A. E Johann: „Amerika. Untergang am Ueberfluß". Berlin 1932. 5,50 HM. A. 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