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Jüdische Auswanderung · 1938-07-01 · Juli 1938 · p. Seite 94

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1938. Bestand UB Ffm
Issue
Juli 1938
Date
1938-07-01
Page
Seite 94 (sequence 104)
Language
German
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lisch und spanisch sprechen können und auch leicht Anschluß In»! n—nSil Wenn sie die Sprache beherrschen und mehr, verdienen, tun sie «ich gewöhnlich zu einer „Messe" uissinniaii; 'kl. h. drei oder vier Junggesellen mieten sich ein Hluschea und bilden einen gemeinsamen Haushalt. Ehepaare wohnen billiger im boarding-houee oder in Familien und mieten sich spater bei besserem Einkommen ein kleines Häuschen. Der elektrische Strom ist in Manila Wechselstrom von 240 Volt. Das gilt auch für die nähere Umgebung. In den Provinzen ist ea verschieden, und ich kann Ihnen darüber keine genaue Auskunft geben. Die Kleidung ist, dem Klima entsprechend, so leicht als möglich. Herren tragen weiße Waschanzüge, und Damen Kleider, die jederzeit gewaschen werden können. Hauptbedingung ist, daß alles leicht und gut waschbar ist, da man durchschnittlich täglich die gesamte Kleidung wechselt. Die H a u s h a 1 - tungsfflhrung ist ähnlich wie in Deutachland, nur daß man hier sehr viel Obst ißt und viel Flüssigkeit wegen der Hitze zu sich nimmt. Die Preise sind durchschnittlich niedriger als die Lebensmittelpreise in Deutschland. Allerdings gibt ea hier nicht so gutes Fleisch, was man _abex durch das viele * Geflügel und Fische.vollkommen ausgleichen kann. Ich möchte nun noch einmal kurz zusammenfassen; wer für die Auswanderung nach hier in Frage kommt. Gesunde, junge Leute, sprachkundige Kaufleute und kaufmännische Angestellte, Ingenieure und Metallmechaniker, die TJtfld haben, um einige Monate hier durchzuhalten. » ^7 Ein^sehr eingehende Schilderung der Lebe natu i eT>rinjjt ein Brief eines Auswanderers aus Deutochland an Freunde, die auch nach deh~Phllippteen~ auswandern wollen. Manila, den 10. Juni 1837 Ich bitte euch, nicht zu große Hoffnungen zu haben, denn aller Anfang ist schwer und es dauert eine' ganze Weile, bis man sich durchkämpft und man muß auch hart arbeiten. Hier ,ist auch nicht das Land, wo Milch und Honig fließt Ich will nun euren Brief, klar und ausführlich beantworten. "1. Wohnverhältnisse. Man wohnt in Bungalows von zwei, drei und vier Zimmern mit Garten und Garagen. Ea kommt nun darauf an, wo man wohnt. Wohnt man im amerikanischen Viertel, muß man für solch Häuschen, 75 Pesos bezahlen: Aber ein bißchen mehr draußen, wo mehr Eingeborene wohnen und es naturlich nicht so sehr sauber ist wie in dem anderen Viertel, kriegt man sehr hübsche, zum Teil neugebaute- Bungalow» für 35—40 Pesos. Augenblicklich ist es schwer,' ein Haus zu kriegen, obwohl artdauernd gebaut wird, z. T, entzückende kleine Schlößchen, wie man 'sie noch nicht mal im Villenviertel im Grunewald findet. Das sind natürlich die reichen Filipinos, die sich das leisten. Ihr werdet staunen, wenn ihr das seht. s." . 2. Die Lebensmittel sind sehr billig. Ein lebendes Huhn kann man von 50—90 Centavos kaufen. Auf dem Markt, wo es wirklich kein Vergnügen ist hinzugehen und an dessen Gestank man sich erst langsam gewöhnen muß, muß man den Leuten immer die Hälfte bieten. Wir kaufen ia fast alles im Coldstore („Kühlhaus"), wo alles unter Eis'gehalten wird mit riesigen FrigiHaires. 1 Kilo Rindfleisch zum Kochen — 60 Cts., zum Schmoren 1,20 Pesos, 1 Kilo Kalbsbrust — 55 Cts., 1 Kilo Gehacktes — 00 Cts., Eier Stück 3 Cts., »/, Pfund Butter — 3t Cts., Brötchen, 6 Stück — 5 Cts. Und dann daa billige Obst. Eine große Ananas — 25 Cts. Ihr saht, es ist alles sehr 'billig und trotzdem geht daa Geld doch weg. .3. Klima- und Gesundheitsverhältnisse. Es ist hier ausgesprochenes T r o p e n k 11 m a. Im Marz beginnt die heiße Zeit und dauert bis Juni resp. Juli, dann regnet es andauernd bis September resp. Oktober, und danach ist die schönste Zeit, wo, man es schon aushalten kann. Es ist dann ungefähr wie das Frühjahr in Deutschland. In den Nächten ist es dann kühl und man braucht warme Schlafdecken zum Zudecken. Inzwischen haben wir dann die Taifune, die aber meistens nur aus sehr starkem Regen bestehen. Man muß hier mit der Lebensweise sehr vorsichtig sein, da viele Weiße an den Organen erkranken. Mein Magen ist auch sehr empfindlich geworden, jedoch lebe ich dementsprechend. Aber es gibt hier sehr viele Doktoren und unendlich viele Apotheken in ganz großem StlL Wenn man einigermaßen in der Lage ist, fahrt man nach zirka dreijährigem Hiersein ins Gebirge, was mit dem Auto ia 7 Stunden zu erreichen ist, oder nach China (zirka 3 Tage von hier mit dem Schiff nach Hongkong oder Shanghai), um das Blut aufzufrischen 4. Elektrische Artikel würde ich mitnehmen, auch j sogar einen Staubsauger. Die reichem- Leute benutzen auch einen, aber wohl nur die Amerikaner und Deutschen. Derv Strom ist 220 Volt; Wechselstrom. ö\ Kochen kann man wie man will. Gas oder-elektrisch. Wir kochen auf Gas \ V > u: l v. ' i ■ , ig t 9. Viel Geschwirr mitbringen, lohnt sich nicht, da man - hier die japanischen Artikel sehr billig kauft! .Die Töpfe sind aus Aluminium, die tri an aber auch hier aenöa sehr billig kaufen kann. Quirle und solche Artikel kann man auch mitbringen, aber im amerikanischen Hsrdwsrestore (Eisenwarenladen) bekommt man das alles, wemf auch vielleicht etwas teuer. Es gibt auch verschiedene Artikel aus Deutschlaad hier. 7. Waschgefäße mitzubringen ist vollständig Oberflüssig. Wische wird hier gar nicht gekocht, sondern zweimal kalt gewaschen und in die brütende Sonne zum Bleichen gelegt, sieht aber trotzdem ganz sauber aus. Dazu benutzt man ein flaches, einheimisches Gefäß aus Zink, das etwa 1 Peso kostet. 8. Photoapparate, Feldstecher, Grammophone, Toiletteartikel empfehle ich mitzubringen. Nähmaschinen „Singer" gibt es für zirka 28 Peso» gebraucht zu kaufen. Man kann sehen für 50 Pesos einen Radioapparat auf Abzahlung kaufen. 9. Ein Fahrrad (gebraucht) mitzubringen, halte ich für angebracht. Maa sieht zwar wenig weiße Männer auf dem Fahrrad, aber das hat nichts zu sagen. Meist fahren junge Burschen damit herum. 10. 'J*<lt**hes Gemeindeleben. Wie ich gehört habe, sotten zirka 400—500 Juden hier sein. Fast alle sind stark niliert, und es ist sehr schwer, Freitagabend ein Minjan lenzukriegen. Wir haben einen sehr schönen Tempel, der va 3 Jahren erbaut wurde. Es ist nur klein, aber sehr7 Leider ist er meist uns geschlossen, da kein Chanen und kein Rebbe da ist. Es wird nach östlichem Ritus gebetet, da die meisten Juden von Rußland oder Polen hergekommen sind. . 44. LajidkauL Land kann man schon kaufen. In der City ist der Boden natürlich sehr teuer, 20—50 Pesos uad mehr pro Quadratmeter. Weiter draußen kann man für 5 Pesos, ja sogar schon für 2 Pesos etwas kaufen. Natürlich ist es billiger, je weiter man hinauskommt. Man kann hier vollständig eingerichtete Häuser mit Linnen und Geschirr und allem leichter mieten als unmöblierte. Euren Plan, mit einigen Bauhandwerkern aus Berlin eine Fabrikation von Baumaterialien auf eigenem Grundstock hier zu gründen, halte ich für sehr gut, da hier im letzten Jahr so stark gebaut wurde, daß ich mitunter infolge der steten Bau Veränderungen eine Stadtgegend innerhalb einer kurzen Zeit nicht wiedererkannte. Die Häuser hier sind von Holz, Beton und Mauersteinen. Sogar Hochhäuser kann man schon vereinzelt sehen. 12. ' B e k 1 e Td u n g. Bringt nur Sommerkleidung mit, auch eine leichte Wollweste und" leichte Pullover, wie man nie im Sommer trägt. Strümpfe trägt man hier wenig, aber braucht sie' doch. Es gibt große Geschäfte, wo man seidene Unterwäsche und alle Sachen kaufen kann. Seidenmantel oder Jacke genügen vollständig für die kalte Jahreszeit. Für die Reise sind Hosen . für die Damen sehr angebracht, lange' und kurze. Hemdhosen halte ich für zu warm. Man trägt bloß ein kleines kurzes Höschen, Unterkleid und nur dünne Kleider. Hier ist Material sehr billig und man kriegt schon bei einer philippinischen Schneiderin ein Kleid für 1—2 Pesos gemacht. Aber man braucht viel auf dem Schiff zum Wechseln. Die Mode ist ähnlich der Mode in Deutschland. Ich würde keine Möbel mehr mitnehmen; es gibt sehr nette Möbel auch hier zu kaufen: Gute Metallbettstellen für zirka 35 Pesos mit Matratze, Schränke für 35—30 Pesos, auch sehr hübsche Frisiertoiletten für 35 Pesos. 13. Handwerkszeug. Es gibt Hier sehr billig das japanische Handwerkszeug zu kaufen, das aber bekanntlich nicht viel taugt. Das gute Werkzeug, das wohl aus Amerika oder Deutschland kommt, ist teuer. 14. Gründungen. Ob sich ein Modellputzgeschäft lohnt, weiß ich nicht genau, glaube aber ja, da sehr viele deutsche Frauen hier sind. Ala ich einmal zu einem Ausverkauf war, hörte ich alles um mich deutsch sprechen. Für gute Maß schneiderinnen (eleganten Genrea) gibt es eine aussichtsreiche Zukunft 15. Geselligkeit. Mit der Geselligkeit ist hier nicht viel los; das ist wohl auch der Grund, warum' man viel in Familien, ist Ein ständiges Theater gibt es nicht dafür aber, viele und sehr schone Kinos, i*o man hingebt, wenn maa sich erfrischen und abkühlen will, da es dort sehr kühl ist Auch viele Schwimmbäder gibt es, und alle Sonntagnachmittag auf freiem Platz von 0—7 Uhr öffentliche Konzerte. Ein großes Stadion Ist auch hier. Ich hoffe, daß ihr nun zufrieden seid mit Brief." . ■ Aue—der — neueste» Zeit stammt folgender Bericht Ober1 die Hilfstätigkeit einer kleinen einflußreichen Gruppe ansässiger Juden. * Manila, den 11 März 1938 „In Beantwortung Ihres Schreibetts möchte ich Danen mitteilen,, daß der Absender dieses Briefes versucht hat Einzelne, deren Begabung und Beruf Ihnen die Arbeit hier ermögHaht. >,•*.'.*( \ ■yj '■• :'«?• . 1 : . ■; \. ■ \ . . . „ '' V. : ' .. -J-^h

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