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Jüdische Auswanderung · 1938-07-01 · Juli 1938 · p. Seite 92

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1938. Bestand UB Ffm
Issue
Juli 1938
Date
1938-07-01
Page
Seite 92 (sequence 100)
Language
German
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-Mft^- ] V. Kultur und jüdisches Leben Philippinen -sind trotz der jahrhundertelangen spanischen Herrschaft niemal« so stark von Weißen besiedelt worden, daß die Zusammensetzung der Bevölkerung dadurch entscheidend beeinflußt worden wäre. Die Philippinos haben dementsprechend auch nie das Bewußtsein verloren, Asiaten zu sein. Auch der amerikanische Einfluß hat hier nichts zu andern vermocht. Die« hat mit dazu beigetragen, daß die USA. dem philippinischen Gemeinwesen (Commonwealth) eine — stark kontrollierte — Selbstverwaltung gegeben haben. Die Herrenscbicht der Eingeborenen ist allerdings weitgehend europäisiert. .-. Die Umgangssprachen sind Englisch und Spanisch; im Geschäftaleben tiberwiegt das Englische, jedoch ist für Verkaufer usw. Spanisch wichtig. Die Bevölkerung ist ganz überwiegend katholische. Ueber 10 Millionen Philippinos bekennen sich zu diesem Glauben. Die Kirche übt einen sehr starken Einfluß aus; bezeichnend ist, daß Manila zum Tagungsort des 33. Eucharistischen Kongresses im Februar 1936 gewählt wurde. Außer Katholiken gibt es die unabhängige philippinische Kirche mit etwa 2 Millionen Anhängern, ferner etwa je eine halbe Million Mohammedaner („Moros") und Heiden, schließlich noch Buddhisten und andere (Ueber die jüdische Bevölkerung s. unten.) , Erziehung r_ Die Philippinen haben weltliche öffentliche Schulen, in denen Knaben und Mädchen gemeinsam erzogen werden. In den Jahren 1935/1936 zählte man 7860 Schulen dieser Art. Die Zahl der Schaler betrug 1,20 Millionen; nur ein Drittel der schulpflichtigen Kinder besuchte die Schulen. 133 amerikanische und 27760 philippinische Lehrer waren an den öffentlichen Schulen angestellt. Der Unterricht auf den öffentlichen Scholen ist unentgeltlich. Es. gibt eine große Anzahl Spezialschulen. Für - die höhere Bildung sorgt die Staatsuniversität der Philippinen, an der 500 Dozenten, lehren und 6206 Studenten immatrikuliert sind. Ferner gibt ea 36 anerkannte Privathoch schulen, — unter ihnen die Universität von Santo Thomas, die älteste Universität unter amerikanischer Hoheit (gegründet 1611; etwa 800 Studierende). | Jüdisches Leben ^4- ' » Auf den Philippinen leben Juden aus . den Vereinigten Staaten, Frankreich, Holland, Deutschland, Großbritannien, auch sephardische (aus Bagdad) and osteuropäische. Juden. Ihre Zahl wird auf 800 bia 1000 geschätzt. Die große Mehrheit lebt in Manila; dort spielen Juden eine bedeutende Rolle im industriellen wie im Geschäftsleben. Eine ganze Anzahl hat ea zu verhältnismäßig hohem Wohlstand gebracht. Bedauerlicherweise sind die Juden Manilas weder zu einer Gemeinde noch zu einer sonstigen. einheitlichen Organisation zusammengefaßt. Die schöne Synagoge Manilas,' die 1924 errichtet wurde, ist nur während der hohen Feiertage geöffnet. — Vpr wenigen Jahren besaß die jüdische Gemeinschaft nicht einmal einen eigenen Friedhof. Zur Zeit wird versucht, auf den Philippinen ein jüdisches Hilfskomitee zu gründen. Einstweilen liegt die Betreuung der eingewanderten Juden fast ausschließlich in den Händen von 10 bis 15 angesessenen amerikanischen Juden, die sehr hilfsbereit sind. * (Im übrigen vergleiche über das jüdische Gemeindeleben den Briefteil.) - - ■ . , .; ' /<■ .; '. :;r VT Brief« aus den Philippinen Aus einem Brief aus Manila vom 25. Januar 1938. „Die Reise habe ich mit einem Schicksalsgenossen zusammen gut aberstanden. Leider war unser SchHf zwei Tue zu spät in Hongkong angekommen, so daß wir das Anschlußachrff verfehlten und uns ö Tage dort aufhalten mußten. Die Sache sah für aas sehr kritisch ans, da dies den Rest unseres Geldes bedeutet bitte, dem Hongkong ist recht k os t s p i eTTg. Zum Glück hatte ich ja nun von Ihnen zwei Adressen mitbekommen, und so waren wir sehr froh, Herrn S. zu treffen, der sich' bereits seit zirka 5 Jahren dort aufhalt. Er nahm aas in . «roßzügiger Gastfreundschaft auf Und half uns, wo er konnte. In Manila hatte mein Reisekollege bereits Bekannte, die vor zirka S Monaten dort angekommen waren und ihn auch vom Schiff abholten. Di« Prüfung der Papiere durch die Behörde fand aa Bord des Schiffes vor der Landung statt und war sehr genau. Sehr wichtig ist, sich unbedingt impfen zu lassen, was wir auf dem Schiff, wo es nichts kostete, bereits erledigt hatten, und zwar gegen Cholera and Pocken. Es kam extra eine Quarantäne-Polizei an Bord, die alles genau prüfte. An Land werden die Koffer dann sehr ausdauernd und gewissenhaft von der Zollbehörde durchgesehen. Leider war, was wir ja auch schon in Deutschland wußten, die Zeit zur Reise nach Manila nicht gerade die beste. Und zwar herrscht unter den Geschäftsleuten keine gute Stimmung. Das rührt daher, daß im vorigen Jahre eine ungeheure Hausse infolge der Entdeckung und Ausbeute von Goldminen entstand, wodurch alles sehr belebt wurde. Bis dann eines Tages ein großer Krach kam, and die meisten Leute viel Geld verloren haben, und, die Geschäfte überhaupt sehr zurückgingen. Dazu kam dann, daß ans Shanghai usw. ein ganzer Teil Leute hierhergeschickt wurde, die ja schließlich auch alle irgendwo unterkommen mußten. Wir hörten, daß die hiesigen Juden seinerzeit sehr viel für diese Flüchtlinge getan haben und auch teilweise heute noch ton müssen. Denn es sind immer noch einige tonne Stellung. Wie man aber allgemein höft,'ist die kritische Zeit wohl überwanden, und es beginnt wieder «lies in normalen Bahnen zu laufen. Ich Habe mich nun zirka 14 Tage lang sehr, inteusit nach irgendeiner Arbeit umgesehen. Die Art der Arbeit, ist etwas beschränkt, da' man als Weißer für diverse Sacbnn gar nicht engagiert wird, and auch selbst wenn man angestellt würde, diese Arbeiten wahrscheinlich gar nicht machen konnte. Die Eingeborenen bekommen nämlich eine . so geringe Bezahlung dafür, daß davon ein Europäer nicht leben könnte, — ganz abgesehen vom Klima, das einem die Arbeit nicht gestatten würde. Ich hatte einen großen Teil Adressen schon ans Deutschland mitgebracht, aber bei allen diesen Firmen bzw. Leuten konnte ich nichts finden. Immerhin aber konnte man mir wenigstens überall Ratschläge geben, damit man zuerst nicht zuviel Lehrgeld bezahlen brauchte. Nach ungefähr 14 Tagen bin ich dann, allerdings erst probeweise, bei der Firma angekommen, die hier die Generalvertretung für dieselben Artikel hat, die ■ ich in Deutschland vertreten habe. Ea läßt sich zwar jetzt noch nicht sagen, wie dieser Versuch auslaufen wird, aber ich bis sehr froh, nun bereits auf eigenen Beinen stehen zu können and mich durch meine Arbeit als Verkäufer hoffentlich recht bald in die etwas eigentümlichen Verhältnisse und vor allem die Sprache eingewöhnen zu können. Dies ist eins der wichtigsten Kapitel. Wenn man so 'als Einwanderer hierher kommt und nichts weiter hat, dann ist das einzige Werkzeug, was manmit sich bringt, die Sprache. Ohne Sprache ist jede Möglichkeit unterzukommen, vollkommen ausgeschlossen. Im allgemeinen kommt man zwar mit Englisch ziemlich durch, aber Verkäufer' z. B. m Ii a e n meiat Spanisch können, ds ein'großer Teil der Eingeborenen und besonders die älteren Leute, nur Spanisch bzw. die Landessprache Tagalok, die dem Spanischen ähnelt, spricht. Auch ich bin jetzt dahinter, Spanisch zu lernen, denn das wurde mir zur Bedingung bei meiner Stellung gemacht, und ich muß ea in drei Monaten etwa geschafft haben. War also die beiden Sprachen kann, ist schon immer etwas besser dran. Trotzdem kann man nicht dazu raten, so ohne weiteres hierher auszuwandern. Denn, wie bereits gesagt, zur Zeit ist noch alles etwas unsicher, und dann gibt es noch eine ~ J- —— § v..;„ i -j ■ ■ * <si- •..... '* . . KÖLN, DOMKLOSTER 1 GEGENÜBER DEM DOM '. 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