Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1938. Bestand UB Ffm
- Issue
- Juli 1938
- Date
- 1938-07-01
- Page
- Seite 86 (sequence 94)
- Language
- German
- Belongs to
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f~ > ■ r^—•; ■;. r, .. Das F. rziehungSwesen liest sehr im argen und ist infolge politischer und finanzieller Ursachen zerrüttet. Außerhalb der großen Städte ist das Analphabetentum besonders hoch; in den fand liehen Distrikten dürften mehr als 50 v..H. der Bevölkerung weder lesen noch schreiben können. Kür Kinder besteht zwar Schulpflicht auf Cuba, der aber oft genug nicht folge geleistet wird. 1934 gab es 3816 öffentliche Schulen mit 7573 Lehrern und 396 487 Schalern; außerdem 364 PrivaUchulen mit 1483 Lehrern und 26622 Schülerinnen. Die Regierung fordert seit einigen Jahren die Erwachsenen-Bildung durch Errichtung von Abendschulen für Berufstätige. Auch der noch nicht Schulpflichtigen nimmt sich che. Regierung an; es bestehen eine ganze Anzahl gut geleiteter Kindergarten. Havanna besitzt eine Universität, die auf eine mehr als zweihundertjährige Tradition zurückblicken kann. An ihr sind etwa 9000 Studenten immatrikuliert, von denen etwa die Hälfte Medizin studiert. Die ersten Juden, die sich auf Cuba niederließen, waren Marannen, deren Nachkommen durch die Inquisition das Verbleiben auf der Insel unmöglich gemacht wurde. Nach Aufhebung der Inquisition blieb das Verbot für Jaden, die Insel zu betreten, bis 1881 bestehen. Späterhin waren es Juden aus den Vereinigten Staaten, die. durch ihre Handelsgeschäfte nach Cuba geführt wurden. Jedoch - lebten bis 1922 in Cuba nur ganz wenige sefardische Juden und einige amerikanisch-jüdische Kaufleute. -----■ Ein größerer Zustrom von Juden nach Cuba setzte erst in den 20er Jahren ein, als sich die verschärften Einwanderungsbestimmungen der Vereinigten Staaten auswirkten. F.s gelang vielen von ihnen, sich allmählich dein Wirtschaftsleben einzufügen und verschiedene kleinindustrielle F-rv. erbszweige zu schaffen. Die jüdische Bevölkerung Cubas dürfte jetzt etwa 12 ÖQ0 Seelen umfassen.. -Ungefähr die Hälfte der Juden Cubas lebt in Havanna. Sie sind — soweit sie jüdisch interessiert sind - m fWi Gruppen, zusammengefaßt, und zwar ■ die ■ westeuropäischen -Juden, imd. die aus den Vereinbjten StHHten Laads heute schon Schuhe, Sehl»! decken, Nagel und Eisenwaren, Aluminiumgeschirre usw. Trotz des starken amerikanischen Einflusses in fast allen Zweigen des Lebens hat Cuba seinen spanischen Char.akt er bewahrt. Die Landessprache ist ausschließlich spanisch. In besseren Kreisen wird auch englisch gerochen. Das Leben ist sehr billig in Habana Die Wahrung ist Peso zu 100 Centavos; er lehnt sich sn den amerikanischen Dollar an, ist also RM. 2.50. Eine Devisenbewirtschaftung kennt Cuba nicht. Wesentlich sind die billigen Lebena- 5Ittel und die auch nicht hohen Kosten für Kleidung und iete. Ein E h s p s a r, welches, sich zuerst mit einem Z i mmer begnügen w Qrd e, kOnntemit« 40 und* 50 auskommen. Eine alleinstehende Person braucht allerdings fast genau dasselbe. Sitten'^und Gebrauche sind völlig spanisch und den deutschen nicht vergleichbar. Daher ist eine völlige L i Stellung nötig Die hygienischen Verhaltnisse sind im Inneren des Landes noch sehr weit zurück. Es wird aber versucht, durch dauernd neue Maßnahmen diese zu bessern. In Habana dagegen ist es weitaus fortschrittlicher, so daß man sagen kann, daß die Verhältnisse gut sind. Dss Klima ist tropisch,'aber infolge des Fehlens typischer Erscheinungen .und Krankheiten der Tropen, wird es oft als subtropisch angesprochen. Krankheiten wie Malaria, Typhus usw. treten in Einzelfüllen noch bei der niedrigeren Bevölkerung aal Im allgemeinen sind sie durch Initiative großer Aerzte beseitigt worden. Das Klima ist für gesunde. m zu den „Hebreos Unidos", die osteuropäischen Juden zu der „Addas Israel" und. die Sefardim zu einer eigenen Vereinigung. . Die Hicen hat in Havanna ein „Jüdisches Zentrum" gegründet, das jetzt der Brennpunkt des jüdischen gesellschaftlichen Lebens ist Dort werden Kurse zur Erlernung der spanischen, englischen und hebräischen Sprache für Erwachsene abgehalten und jüdische Kinder in einer Volksschule unterrichtet. Dss „Jüdische Zentrum" gilt aber auch als Repräsentant der Juden gegenüber der Regierung und den ausländischen Konsulaten und nimmt sich der Neueinwanderer an. Neben den genannten Organisationen besteht noch eine besondere Organisation1 der Arbeiter. Es erscheinen in Hsvanna zwei jiddische Wochenzeitschriften. Außer in Hsvanna leben Juden noch in folgenden Provinzen: Sta. Clara, Oriente, Paarte Principe. In der Stadt Camaguey besteht eine Gemeinde sefardischer Juden. Es gibt auch in Cuba eine antisemitische Bewegung, der jedoch die Regierung fernsteht. 3»"' . .. jf i.. . , _ •. VI. Briefe aas Cuba . Einem Briefe ein— Einwanderers, der uns nach einem Aufenthalt in Havanna von etwa einem Jahre berichtete, entnehmen /wir folgende aufschlußreiche Abschnitt«. / Havanna, den 10. September 1937 Cuba ist bekannt als schwierigster Markt ganz Zentralamerikaa. Der Bedarf aa Waren ist sehr stark und steht teilweise in keinem Verhältnis su der doch relativ geringen Einwohnerzahl. Verschiedene Industrien sind im Laufe der letzten Jahre zur Entwicklung gekommen, darunter steht die Seifen- und kosmetische Industrie .an erster Stelle. Hergestellt werden im. Menschen erträglich und bringt keine Schädigungen mit sich. Jedoch hat das Klima eine erhöhte Empfindlichkeit von Nieren und Magen zur Folge. Herzkranken ist dringend abzuraten r*"----» Für akademische Berufe ist Cuba v n g e e i g n e t, da nur che Promovierungen der Universität Habana anerkannt werden. Problematisch ist hier, wie überall, der kaufmännische Angestellte. Die Annahme einer Stellung ist durch das Arbeitaministerium verholen worden. Dieses Verbot wird von vielen, besonders von ausländischen Firmen umgangen, da Angestellte mit Sprachkenatnissen oder sonst guter Auseildung rar sind. •» - Ein Einwanderer, der sehr schnell Arbeit gefunden hat, schreibt unter anderem folgendes über die Lebensn r u ng in Cuba: Habana (Cuba), 25. Dezember 1937 In gesellschaftlicher Hinsicht habe ich nicht allzu große Schwierigkeiten. Ich verkehre allerdings fast ausschließlich in einheimischen und spanischen Kreisen. Immerhin muß gesagt werden, daß Cuba keinesfalls ein geeignetes Land für einen alleinstehenden J un-g-g-ess 1 len ist. Auch in gesellschaftlicher Hinsicht, d. h. der Entwicklung gesellschaftlicher" Beziehungen und damit verbundenen geschäftlichen Möglichkeiten, hat man es viel leichter, wenn man in Familie hier lebt, wobei außerdem noch zu berücksichtigen ist, daß maa alleine verhältnismäßig viel teurer lebt. Cuba ist ein halb tropisches Laad mit einem sehr langen, widerstand«zehrenden Sommer. Es ist daher unbedingt nötig, daß Personen, die sich hier niederlassen wollen, unbedingt gesund sind und sich — soweit es in ihren Kräften steht — gesund erhalten durch Sport und gesunde Lebensführung. Alkohol ist möglichst zu vermeiden (vor allem in den Sommermonaten) und wenn möglich, soll man nicht die eubanisch-spsnische Kost essen. Cuba ist wahrscheinlich eins der wenigen Länder,' in denen die Nation alkflehe keineswegs den Klima angepaßt ist, was zur Folge hat, daß, ich mochte sagen, sogar 70 v. H. der einheimischen .Bevölkerung magen-, leber- oder nierenleidend iat. Man aoU, speziell im eigenen Haushalt, europäische Sommerkost auf Basis von überwiegend Gemüse und Früchten, die es js in großen Menge« zu jeder Jahreszeit gibt, essen. Aus den Antworten, die dieser Auswandert* auf einen vom Hilfsverein ausgearbeiteten Fragebogen erteilt hat, seht hervor, daß der Betreffende als Angestellter eines Im- und Exporthauses 100 9 im Monat verdient. Er wohnt in einem kleinen Zimmer 'und zahlt für Pension 40 * im Monat; er kann" sogar eine Kleinigkeit sparen. U-j- _ || ~ von Haas zu Haut Nach allen Plätzen von Nord- und Südamerika, in Z.U y C Afrika, Australien und anderen Ländern e Sachgemäß und preiswert durch ADOLF IMBACH & Co., Breslau i, striegauer str. 2 i f Telefon 554 41/3 1 Kostenlose Beratung "4jsu. '.*:' '*•—-- t^"-"— »»•