Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1938. Bestand UB Ffm
- Issue
- Juli 1938
- Date
- 1938-07-01
- Page
- Seite 85 (sequence 93)
- Language
- German
- Belongs to
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t sowohl für Personenwie für Warentransportzwecke — großen Auftrieb verlieh.' 1937 waren 26 900 Personenkraftwagen (auf 101 Einwohner eis Wagen) and 13 300 Lastkraftwagen zuge- Da die Insel gute naturliche Häfen aufweist, ist der Küstenschiffahrtsverkehr ebenso gut entwickelt wie der Ueberaeeverkehr. 6. Wirtschaftsentwicklunf? der letzten Jahre Die wirtschaftliche Entwicklung in Cuba hängt ganz und gar von Umfang und erzielten Preisen seiner Ausfuhr von Zucker und — an zweiter Stelle — von Tabak ab. Infolgedessen hatte zwar die Weltkrise von 1931/32 die cubanische Wirtschaft schwer betroffen; im darauf folgenden Aufschwung yiber hat die Ausfuhr einen höheren Wert erreicht als selbst im Jahre 1930. Die natürlichen Gegebenheiten für den Anbau anderer Nutzpflanzen als Zuckerrohr, Tabak und etwas Kaffee sind nicht günstig; auch die Möglichkeiten der Industrialisierung sind mangels größerer Vorkommen mineralischer Rohstoffe fast ganz auf die Verarbeitung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse beschrankt. Daher hingt die weitere Entwicklung im wesentlichen davon ab, in welchem Umfang Cuba in der Ausfuhr seines Zucker« von den Vereinigten Staaten von Amerika begünstigt bleibt. IV. Aussichten iür Einwanderer, Gehaltsverhältnisse und Lebenshaltungskosten Die Aussichten für jüdische Einwanderer ans europaischen Landern werden auf. Cuba einmal durch die Gesetzgebung der Republik, zum anderen durch die wirtschaftlichen Verhältnisse begrenzt. Die Arbeitsgesetzgebung erschwert die Einstellung eines Ausländers in einem eubanischen Betrieb außerordentlich. Wenn auch in der Vergangenheit die Einstellungsbeschränkung für Ausländer häufig umgangen «mvh. mn iar/~rl«wh damit tu r^hnen, daß jederzeit die strengen Bestimmungen des Arbeitsgesetxes auch fh der Praxis durchgeführt werden. Die eubanische Arbeitsgesetzgebung schreibt für alle in Cuba ansässigen Handelsand Industrieunternehmen vor,- daß mindestens SO v. H. der Gesamtbelegschaft Cubaner sein müssen, bis zu 30 v. H. eingebürgerte Cubaner und höchstens 80 y. H. Ausländer sein dürfen. Praktisch also besteht für Handels- und Industriebetriebe ein allgemeines Anstellungsverbot, es sei denn, daß ein durch die Regierungsbehörden vorher genehmigter Arbeits- bzw. Anstellungsvertrag vorliegt Sind also die Aussichten für Angestellte, vor allem für kaufmännische, außerordentlich schlecht, so konnte man das bisher nicht von den Möglichkeiten von zuverlässigen, intelligenten und fleißigen Vertretern sagen. Bisher hatten „Safeemen", die' branchekundig sind und die üblichen Handelsmethoden beherrschen, vor allen Dingen aber vorzügliche englische und spanische Sprachkenntnisse aufweisen, auf Cuba gewisse Aussiebt,' vorwärtszukommen. Kürzlich wurde aber vom Parlament ein* Gesetzesvorachlag angenommen, der jedem Ausländer verbietet, sich in Handel und Industrie für eigene Rechnung zu betätigen oder als Teilhaber einer Handels- oder Industriehrma zu arbeiten, es sei denn, daß er über ein Kapital von mindestens 10000 t verfügt. Ausländer, die bereits eigene Geschäfte haben oder Teilhaber von Geschäftsunternehmen bei Inkrafttreten des Gesetzes waren, werden zwar nicht davon betroffen, kön- S nen aber kein neues Geschäft oder Zweiggeschäft eröffnen oder! als Teilhaber bei einer anderen bestehenden oder neuen Firma nach Inkrafttreten des Gesetzes eintreten, es sei denn, daß sie den finanziellen Bedingungen, die das Gesetz stellt, entsprechen. Ebenso wenig können Aktiengesellschaften im Handel oder in der Industrie von Ausländern gegründet werden, wenn nicht zum mindesten ein Kapital von 10 000 darin angelegt wird. Zur Zeit ist dieses Gesetz nach nicht vom Senat und dem Präsidenten der Republik bestätigt Es zeugt jedoch von der allgejt ■ j* ••,'»_ meinen ■ für den Ausländer, ungünstigen Stimmung im Lände; der Vorschlag dürfte unter den gegenwärtig herrschenden Umständen in kurzer Zeit Gesetzeskraft erhalten. Aber auch wirtschaftlich gesehen, bietet Cuba für Kleinkapitalisten, d. h. für Einwanderer mit einem * Vermögen von 1000 bis 2000 $, keine großen Erfolgsaussichten. Um sich an einem industriellen oder einem lebensfähigen kaufmännischen Unternehmen zu beteiligen, muß man schon mit einem Betrage von 20 000 bis 25000 t rechnen. In der- Landwirtschaf t bieten sich einzelnen gut ausgebildeten /Landwirten Aussichten. Es empfiehlt sich für diese vor allem die Anpflanzung von hochwertigem Obst und Gemüse und eine intensive Molkereiwirtschaft in der Nahe einer Großstadt, wo ihre Produkte einen Absatz finden. Dagegen ist es ausgeschlossen, sich erfolgreich in der Immer noch daniederliegenden Plantagenwirtschaft —- d. h. also im Zucker- und Tabakbau — zu betätigen. An eine landwirtschaftliche Massenansiedlung, von. der eine Zeitlang in der Oeffentlichkeit gesprochen wurde, ist nicht zu denken. Handwerker finden auf Cuba nur in wenigen Berufen, vor allem in den sogenannten modernen Reparatur-Ge^, werben, ihr Brot. In anderen handwerklichen Berufen ist die Konkurrenz der eingeborenen Handwerker und Arbeiter zu groß. Aach für Akademiker sind die Aussichten äußerst gering. 1033 gab es auf der Insel rund 0000 Aerzte; besonder» groß ist die Anzahl der Aerzte in Havanna. Trotz der großen Ueberbesetzung dieses Berufes ist die Anzahl der eubanischen Medizinstudenten noch immer sehr groß. Bezüglich der Gehaltsverhältnisse gibt das Deutsche Auslandsinstitut in Stuttgart an, daß Ingenieure und leitende Kaufleute auf Cuba 70 bis 160 Dollar und Handwerker 60 bis 80 Dollar verdienen. Das. gleiche Institut nennt als den monatlichen. Bedarf bei sparsamer Lebenshaltung 50 bis 70 Dollar für eine Einzelperson. Eine Familie von vier Köpfen dürfte 125 bis 175 Dollar braueben. Fürein möbliertes Zimmer muß man 10 bis 15 Dollar monatlich bezahlen; wenn volle Pension gewünscht wird, «rhöbt sieh der Preis jurf^ 30 bis 40 Dollar..—- raBTOff»^«ffiiv.''. ^■■•Z'äfc-''. ■- —•—''■ .' . '?* iv->S:-. * '.^<rst _ , .;.; *. "/ * i •* ■ r V. Kultur und jüdisches Leben Entsprechend der Herkunft ihrer Einwohner gehört die eubanische Republik dem spanischen Kulturkreise an. Allerdings woselbst die Bevölkerung spanischer Herkunft unter sich ripeins; die Nachkommen der spanischen Eroberer ü»d^Kc}Ionisatoren aus früheren Jahrhunderten („Kreolen") hegten stet» eine feindliche Stimmung gegen die Neueinwanderer aus dem Mutterlande, da sie sich von der spanischen Kolonialverwaltung und Regierung gegenüber diesen zurückgesetzt fühlten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen die Konflikte zum Ausbruch, indem sich die Kreolen mit den farbigen Bevölkerungsteilen — Nachkommen der Sklaven —■ zum Aufstandgegen das Mutterland zusammenfanden. Das damalige Eingreifen der Nordamerikaner zugunsten der Aufständischen verhalf der Revolution zum Stege. Der politischen Intervention der Vereinigten Staaten folgte die wirtschaftliche Invasion, and dieser die kulturelle. 1 Der Einfluß der U. S. A. auf das kulturelle Leben, besonders der Großstädte, istheute sehr stark; vor allem sind die volkstümlichen Vergnügungen wie Kino, Sport usw. völlig „amerikanisiert". Trotzdem ist aber immer noch das Wesen des Cubaners von der spanischen Tradition bestimmt, was sich beispielsweise in der Stellung der Frau in der Oeffentlichkeit äußert. Die katholische Kirche übt einen ungeheuren Einfluß auf das eubanische Leben aus, obgleich eine „Staatskirebe" dem Buchstaben nach nicht existiert. ,• naut. dUSUsucUe* in r»ich«r Auiwahl prtliwtrt Auch nach Zeichnung und für Obersee i i -—m—\ ■ ' , ■ ■-' ' Seit fast 40 Jahren bestens empfohlen ■ "'■ ' :-7'*-- ' "•- V '■ ' '(:' > * ". ,; MORITZ HIRSCHQW1TZ BERLIN SO, SKAUTZER STR. 25 S5