Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1938. Bestand UB Ffm
- Issue
- Juli 1938
- Date
- 1938-07-01
- Page
- Seite 79 (sequence 87)
- Language
- German
- Belongs to
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deren Verständnis <tu gelangen. Die« fuhrt dann nun Ablehnen von mühsam gefundene» Arbeitsgelegenheiten, ans einem unbegreiflichen Hochmut. Weiter »teilt man immer wieder eine unbegreifliche Un- —Selbständigkeit fest bei Menschen, die drüben ganz selbständig handeln mußten, aber hier ihre eigene Initiative anscheinend -vollkommen eingebüßt haben. Im Gegensatz zu den Vitien früheren Immigrattmswellen, die dieses Land gesehen und verturat hat, ist diese furchtbar schwerfällig..... Es ist zu. hoffen, daß man in Zukunft auf Aus-.' wandenmaalnetige drüben erzieherisch derart einwirkt, daß •ich die Einstellung zu dem Einwanderungaland ganz entschieden ändert." In dem Schreiben des Fabrikdirektors — wie übrigens auch in anderen Berichten — wjrfl djIFr noch davor gewarnt, alle Empfehlungsbrief e gTelch nach der Ankunft abzugeben. Das bleibe meist erfolglos. Man solle warten, bis man von dem Adressaten etwas ganz Bestimmtes wolle, ihm konkrete Vorschlage zu machen habe. Wer sich vor der Auswanderung an jadische Hilfsorganisationen in U.S.A. wendet, soll deutlich lesbar und präzis anfragen und internationalen Rückantwortschein beilegen. Sonst treten Verzögerungen und Verargerungen ein. Zu vermeiden ist, solche Stellen mit der Einholung v o n Auskünften über Verpflanzung von Unternehmungen o. i. zu befassen, weil sie dafür nicht zuständig sind. Die Ansicht, daß trotz großer Schwierigkeiten die Einwanderer sich schließlich doch durchschlagen, wird oft ausgesprochen. > „Soweit wir hörten, werden sie alle mit dem Leben fertig. Emigrantenelend wie in Holland oder Paris usw. gibt es nach unseren Kenntnissen nicht. Viele kleine Gewerbetreibende aus kleineren deutschen Städten fanden etwas, kommen damit aus, genießen ihre doch immer schönere, weil Modernere Wohnung und machen einen wesentlich froheren Eindruck, denn es fällt ja allmählich so viel Beechwertheit von jedem ab" . so heißt es in dem Brief aus Chicago. Unser Freund aus Scheoectady schreibt: „Immerhin sollte sich keiner entmutigen lassen, hierher zu kommen. Es gibt hier noch Existenzmöglichkeiten für viele Juden. Es ist nicht so, daß landwirtschaftlich ausgebildete Leute nur nach Palästina oder Argentinien gehen können; daß Handwerker nur nach Südamerika gehen können und daß Intellektuelle und Kaufleute gewissermaßen zum Hungertod verurteilt sind. Amerika kann und will noch Landwirte aufnehmen. Diese Klasse Einwanderer wird ja von den Einwaaderungsgesetzen. bevorzugt. Handwerker, besonders solche, die mit Autos umzugehen verstehen, können hier auch gut unterkommen. Viele Juden besitzen Garagen oder Tankstellen und wären sicher nicht abgeneigt, es mit einem jüdischen Jungen aus Deutschland zu versuchen. Auch für Büro- und Buchhaltungspersonal gibt es hier noch Chancen, denn es gibt eine große Zahl mittlerer und größerer jüdischer Geschäfte." N- ■ . - < . .:.• ' i v ., ■.- .-, Sehr verschieden beantwortet ist die Frage nach den bisherigen gesellschaftlichen Beziehungen. Mehrere Briefschreiber erklären, zum Teil auf Ansichten von Amerikanern gestützt, daß die jüdischen Kreise sich selbst gesellschaftlich absperrten. Wir glauben aber kaum,, daß das allgemein zutrifft. Einer verhältnismäßig großen Zahl unserer Freunde ist es schon gelungen, Beziehungen aufzunehmen. Am häufigsten gelang das zu Juden aus Deutschland, andere fanden aber auch den Weg zu eingesessenen Juden und zu nichtjüdischen Amerikanern. Ein einheitliches Bild läßt sich hier nicht gewinnen. Das gilt auch für die Beurteilung d,er dortigen jüdischen Organisationen und Persönlichkeiten. Allerdings sind unter den uns vorliegenden Berichten die Klagen über Gleichgültigkeit in der Minderzahl. Häufiger wird Ober Interesse und Hilfeleistung berichtet. Ein früherer Sc h i f f a h r t s ve r t r e t er und Lotterieeinnehmer, 1888 geboren, kinderlos verheiratet, seit August 1936 in New York, hat nach/nur dreitägigem Warten eine Stelle als Hilfsarbeiter in einer jüdischen Damenpelzmantelfabrik (Lohn wöchentlich 17 S, von denen 12 I für Wohnung und Verpflegung drauf gehen) bekommen', und zwar. durch persönliche Vermittlung. Er bemerkt dazu in seinem Fragebogen: „Sentimentalität ist hier ganz unbekannt Die jüdischen Kreise kümmern sich aber in ihrer amerikanischen Art in jeder erdenklichen Weise, dem Neueinwanderer auf die Beine zu helfen; der jüdische Großkaufmann X. verbrachte Stunden damit, mir durch telephonische Anfragen und Diktieren von Briefen an seine Sekretärin eine Stelle zu besorgen. Allerdings verdanke ich diese Liebenswürdigkeit wieder der Fürsprache meiner persönlichen Freunde... Herr X. brachte mich luch in dem American Jewish Congreas Houee, 50 West 68 Street, unter, Wo jüdische Familien aus Deutschland kostenlos einige Zeit unterkommen können." " In einigen Städten wird besonders der Jewish Center (vgl. hierzu Seite 70) als sehr hilfreich erwähnt. Der jüdische Club in Los Angeles hilft bei der Arbeitsbeschaffung durch Berufsberatung und Unterstützung, in Gemeinschaft mit den jüdischen Wohlfahrtsorganisationen. Abschließend sei noch erwähnt, daß die auf unse Bogen enthaltene" Frage Ttt«ch~Tlen— 8«huiverhültniasen durchgehend mit größter Anerkennung beantwortet worden ist. „Ideal" heißt kurz und schlagend die Antwort in einem der Bogen. . , Der HilfsVerein war in der Lage, die Berufsschicksale von 25 Akademikern besonders zu verfolgen. Von diesen waren 16 Aerzte. Diesen gelang es durchweg, in ihrem Beruf zu bleiben; sie hatten-nur ein Sprachexamen und ein medizinisches Staatsexamen abzulegen. Sie, {[eben durchweg an, daß ihr Einkommen zur Bestreitung ihrer Lebensbedürfnisse ausreicht; sie haben sogar, soweit sie nicht Dienstwohnung im Krankenhaus usw. haben, meist verhältnismäßig größere Wohnungen. Die Aussicht für etwa noch einwandernde Aerzte bezeichnen sie übereinstimmend als schlecht, soweit es die Großstadt angeht, — als recht günstig jedoch für kleine Städte und das Land. * Auch drei Chemikern gelang es, in ihrem Beruf zu ■ bleiben. .Sie sind in der Industrie angestellt und bezeichnen ' , ihr Einkommen als ausreichend. Die Berufsaussichten sind für Spezialisten verhältnismäßig gut. Alle fünf Juristen mußten sich im Beruf umstellen. Drei gingen in den Handel über, wo sie auch einfachste Arbeit verrichten müssen;' einer mußte. Arbeiter werden. Ihr Verdienst reicht durchweg nicht für ihre Bedürfnisse aus, ' soweit nicht die Frau mitarbeitet. Aussichten, in seinem Beruf weiter zu arbeiten, hat nach ihrer Ansicht kein Jurist. Ein wissenschaftlicher Techniker*dagegen konnte wieder in seinem Beruf bleiben. Er. glaubt, daß hochwertige Spezialisten gute Aussichten drüben haben. Aus den Begleitbriefen zu den von dieser Gruppe beantworteten Fragebogen geht weiter noch folgendes hervor: Fast jeder der Gruppe warnt davor, in den Großstädten zu bleiben, und rät dazu, die Sprache vorher in Deutschland ' ganz gründlich zu erlernen und sich nichts auf die in Deutschland erworbenen Kenntnisse einzubilden. Seit der Depression mehren sich die Schwierigkeiten für' alle Berufe; auch Aerzte werden in manchen Staaten nicht mehr zum Praktikantenjahr oder zum Staatsexamen zugelassen. Kaufleute, die in Deutschland große Leute waren, mußten Packer, Verkäufer, Nachtwächter und ähnliches werden. Frauen sind — immer nach diesen Briefen zu urteilen — leicht unterzubringen, besonders wennsie Kleider entwerfen und nähen, Hüte machen können usw. - Fast alle haben Anschluß an die Landesbevölkerung gefunden; über Antisemitismus klagt nur einer der Einwanderer. ( Möbel aus eigener Werkstatt Tropeniest« S p e « I s 1 s n l.e r t I g u n t e n.; Zerlege ar Coacteee. Umarbeitungen bl«. Iniahlungnahme alter Möbel. J. PBYSBR, Tischlermeister t Berlin. Brunpensir. 53, Tel. 44 77 09 / Um Berhn-Wilmersdorf, Kali.ther Str. 26, Tel 87 76 7» . ■■■ :.) r v r t i..'. *> v. i.