Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1938. Bestand UB Ffm
- Issue
- Juli 1938
- Date
- 1938-07-01
- Page
- Seite 75 (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
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f ■ y ■ ■ ' wahrend der Rest frei arbeitet Auch4lerren, die gut Englische Stenographie Und Schreibmaschine beherrschen, können evtl. untergebracht werden. Hauspersonal kann überall, soweit es nur etwas versteht, placiert werden.*4 Sehr beachtenswerte AeuGerungen (Fragebogen und Brief) zu diesen Fragen liegen uns von dem früheren Direktor einer deutschen chemischen Fabrik vor, der einen weiten Blick hat und bei der Abfassung seines Schreibens vom 25. Mai 1936 schon 2Vf Jahre in New York lebte. j Er bat seitdem eine Stellung als beratender Ingenieur in einem elektrotechnischen Betrieb, war bei seiner Einwanderung (er ist kinderlos verheiratet) 32 Jahre alt, spricht und schreibt ziemlich fließend englisch und ist mit etwas Kapital eingewandert. Sein Einkommen bezeichnet er als für sich und seine dort lebenden Eltern auareichend. Seinem Brief entnehmen wir zur vorliegenden Frage folgendes: „Wirkliche Aussichten, hier .vorwärts zu kommen, haben nur Leute mit Spezialkenntnissen. Dabei ist es gleich, ob der Betreffende Spezialis* für Verschlüsse von Photoapparaten oder als Konditor für eine bestimmte Sorte Kuchen oder besonders sachverständiger Kauf- oder Betriebsmann für seidene Wasche ist. Für .Alleskönner' usw. ist kein Bedarf. Handwerker werden es immer leichter haben als der üblich Typ "Kaufmann. Für Rechtsanwälte bestehen in ihrem Beruf kaum Möglichkeiten. Sie müssen vorher drüben irgendein Handwerk oder dergleichen erlernen. Aerzte sind besser daran und sollten besonders in der Provinz nach Erhalt der Licenee vorwärts kommen können. Es sei dringend davor gewarnt, sich bezüglich V e r w e r - tungvon Patenten, Geschäfts tauschen und Verkäufen usw. mit ungeeigneten Firmen oder Persönlichkeiten einzulassen. Es lauft dies meistens auf Vorschuß- oder Gebührenzahlungen hinaus, die zu keinem Erfolge führen, oder sogar auf glatte Bauernfängerei." Andererseits tut der Neuankömmling oder zunächst schriftlich Rat Suchende gut daran, sich mit hiesigen seriösen Sachkennern zu beraten, was in der Regel Zeit und Geld spart. 1-'- Neuankömmlinge mit Kapital verfallen häufife der Psychose, sich ganz schnell irgendwie etablieren zu wollen. Dies ist in der Regel das sicherste Mittel, das Geld los zu werden und einen seelischen Knacks in bezug auf die neue Heimat zu erhalten; Sie sollten sich vor allen Dingen in derartigen. Sachen nicht von' Leuten beraten, lassen, die selbst erst einige Monate hier sind und vielfach Eigeninteressen haben. In diesem Zusammenhang ist auch Inseraten in Zeitungen oft Vorsicht ■ entgegenzubringen." Zu den gleichen Problemen äußert sich auch' ein Akademiker, der mit der-Ärbeit des Hilfsvereins sehr vertraut ist und drüben reiche Erfahrungen gesammelt hat Ueberdies spricht er nicht von \New York, sondern von Californien, da er in Los Angeles lebt. Sein Brief ist neuen Datums, vom 12. Februar 1938. Es heißt darin:' „Arbeitsmöglichkeiten für Kaufleute jeder Art auch Techniker, kaum vorhanden, nur persönliche Beziehungen können vielleicht hier und da helfen. Und auch dann gibt es geringe Löhne und Gehälter. ■■■ _ Aerzte: In Californien muß unter allen Umstanden vor dem medizinischen Examen ein Praktikantenjahr an einem für diesen Zweck zugelassenen Hospital absolviert werden. Für die Praktikanten, die im Hospital wohnen müssen, besteht ein Numerus clausus, der absolut innegehalten wird. Da die Praktikantenstellen auf lange Zeit hinaus von amerikanischen Studenten belegt sind, besteht keine Chance für einen ausländischen Arzt, d|eae unumgängliche Vorbedingung zu erfüllen. Ich kann also Aerzten nur dringend abraten, nach Californien zu gehen. In manchen anderen Staaten, in denen das Praktikantenjahr nicht verlangt wird, bestehen im übrigen andere Schwierigkeiten für die Zulassung zum Examen, in anderen Staaten wiederum können nur amerikanische Bürger Praxis ausüben. In jedem Falle verlangt das medizinische Examen, das nur schriftlich ist, eingehende Sprach- und Fachkenntnisse und erfordert eine längere Vorbereitung. Eventuelle Hilfsbücher für das Examen sind in Amerika zuhaben." " Aus Los Angeles liegt uns außerdem ein ebenfalls aus dem laufenden Jahre (20. Januar) stammender Bericht eines jüdischen Clubs vor, der sich besonders um Einwanderer aus Deutschland kümmert Seine Angaben sind naturgemäß objektiver als' die dar Auswanderer selbst und können daher manche Fingerzeige geben. Der Club achatzt die- -Zahl der aus Deutschland stammenden Einwanderer in Los Angeles auf etwa 500, von denen sich ihm etwa SM angeschlossen haben. Die große Mehrheit sind Kauflaute, diefrüher in der Textilbranche beschäftigt waren. „Die Keuftaute haben zum größten Teile heute irgendeine Stellung gefun- ^m^m^mmi^mmmß^^^xm^ig/g^gt den. Viele arbeiten in Lager- oder Engros-Hansfern, wo sie meist untergeordnete Arbeiten zu verrichten haben, da ihre Sprachkenntnisse auf Jahr* hinaus (besonders bei den alteren) nicht, ausreichen werden, um Kundschaft zu bedienen. Das gilt besonders für diejenigen, die nicht bei Verwandten oder durch deren Vermittlung zu etwas besseren Stellen kommen. Die Bezahlung ist durchweg ziemlich schlecht, in der Regel zwischen f 18 und 25 wöchentlich. Die Aussichtee auf Mahrbezahlung sind sehr gering, da das Angebot von Amerikanern bei weitem die Nachfrage übersteigt. Gute Fachkenntnisse und kaufmannische Auabildung von Deutschland her apielen eine sehr untergeordnete oder in den meisten Füllen gar keine RoUe, da der Amerikaner meistens auch ein guter Kaufmann ist. Dazu kommt noch, daß es hier keine Lehrlinge gibt und die Absolventen einer Highschool direkt mit jedem anderen konkurrieren. Natürlich hat jeder Highschool boy einen jahrelangen Vorsprung vor jedem Einwanderer. Stellen in Banken kommen hier für Juden schlechttun nicht in Frage. In der Großindustrie als kaufmannische Angestellte ebensowenig, da diese Firmen wie auch die Banken einen Universitätsgrad verlangen und Juden nur in seltenen Fallen annehmen." Die gegenwartige Lage der nach Los Angeles eingewanderten Aer/te, deren Zahl er auf etwa 60 schätzt, schildert der Club übereinstimmend mit dem vorher angeführten Brief. Nur die vor etwa drei Jahren eingewanderten konnten sich noch eine Praxis aufbauen, die sie heute gut ernährt Inzwischen ist aber auch die Staatsprüfung so erschwert worden, daß Aerzte sie nicht selten zweimal machen müssen. So vergehen 2—3 Jahre bis zur Niederlassung. „Nur wenige Aerzte haben bisher versucht, in kleinen Orten anzufangen, wo die Aussicht auf eine Praxis weit besser ist als in der Großstadt, oder in Staaten des Mittelwestens, wo die Bestimmungen noch nicht so hart sind." Von den Eingewanderten sind 40—60 Künstler, Schriftsteller, Musiker usw. „Sie haben ihre Affidavits direkt sus den Filmkreisen und dort wohl auch Beschäftigung gefunden." Eine kleine Zahl eingewanderter Techniker and Handwerker, wie Tischler und Autoschlosser, ferner einige Köche und einige Schneiderinnen haben alle Stellung 'und ernähren sich. Noch schwieriger als für die Aerzte ist in der Regel die Lage für die Rechtsanwälte, die sich meist völlig umstellen müssen. Von der Universität New York sind j- ' -t* : RED STAR LINIE VUwIjMk Jeden Sonnabend ob Antwerpen mit unseren beliebten und komfortablen Schiffen, die mir eine Klasse führen. v Fahrpreis ab ca. RAA. 251.-........Einzelreise ca. RAA, 472.-........ 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