Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1938. Bestand UB Ffm
- Issue
- Juli 1938
- Date
- 1938-07-01
- Page
- Seite 66 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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sehen Ursprungs. Die reformierten Rabbiner sind in der geistig bedeutsamen Central Conference of American Rab¬ bis (gegr. 1989) zusammengefaßt, die etwa 370'Mitglieder hat. Ihre Ausbildung erhalten sie in dem seit fö75 bestehenden Hebrew Union College in C'incinnativ In New York besteht in der von Stephen S. Wise geleiteten Free SyAagogue (Freie Synagoge) eine unabhängige ReformbeVegung, deren Gottesdienste in der Carnegie- Hall noch starker von der Tradition abweichen und nicht nach bestimmtem Ritual,, sondern nach einem jeweiligen feierlichen Programm durchgeführt werden. Der Grund hegt in dem Wunsch, auf diese Waise eine größere Zahl von sonst Uninteressierten zur Religion zurückzuführen Das ist gelungen. Die Bewegung hat ihre eigene Hochschule in dem Jewish Institute of Religion in New York. 2. Die Orthodoxie Die Orthodoxie blieb bis ins 20. Jahrhundert ganz in der östlichen Tradition; seither ist sie durch den Kontakt des Lebens in besondere amerikanische Formen geführt worden. Praktisch .sind noch die traditionelle Liturgie und die Kaschnith lebendig. Es besteht eine gemeinsame Organisation, die Union* of Orthodox Jewish Congregations; die Rabbiner sind in der Union" of Orthodox Rabbis of the United States and Canada zusammengefaßt. Die größte Hochschule dieser Richtung ist das Rabbi Isaac Elchanan Seminary and Jeshiva College in New York, welches seinen Studenten weltliche und jüdische Bildung vermittelt. Daneben existiert noch das Hebrew Theulogical Seminary of Chicago mit besonders ausgeprägter amerikanischer Note, das dem konservativen Judentum nahesteht. Der orthodoxen Bewegung gehört schätzungsweise die Hälfte der religiösen Juden Amerikas an. , 3. Die konservative Richtung >Die konservative Richtung entstand als Protest gegen nie nach Meinung ihrer Gründer zu weitgehende Reform. Durch die Persönlichkeit Salomon ScnechTers erhielt sie. ihre positive Grundlage. Von der Reform unterscheidet $k sich durch Legalismus, also Bewahrung und Fortsetzung des rabbinischen Judentums unter stärkerer Hervorhebung des irrationalen Charakters des Religiösen, von der Orthodoxie durch die Ueberzeugung, daß das Gesetz weiterentwickelt werden müsse. Die entscheidend in der Grundeinstellung zum Leben bestehende Abweichung ■ von der Reform tritt in der praktischen Religionsausübung nur in Nuancen in Erscheinung. Auch der konservative Gottesdienst kennt das Beisammensitzen von Männern und Frauen, Orgel, gemischten Chor, Konfirmation. Besonderer Wert wird, auf die Wiederbelebung nicht nur des religiösen Zeremonials, sondern auch des eigentlichen Geroeindelebens gelegt; die unter Mordechai Kaplans Einfluß stehende Gruppe von Reconstructionists („WiederbersteUer") hat hier bereits unter Hervorhebung der volklich-historischen Zusammenhänge theoretisch und praktisch erfolgreich gewirkt Die konservativen Synagogen sind in der United Synagogue of America zusammengefaßt, an Zahl im ganzen gegen 500 mit 75 000 Mitgliedern, zu denen die Women's League (Frauenbund), mit 40000 Mitgliedern, die" Men's China mit 10 000 und die Young People's League (Jugendlichenbund) mit 30000 Mitgliedern treten. Die Rabbiner werden in dem wissenschaftlich bedeutenden Jewish Theological Seminary of America, New York, ausgebildet und sind in der Rabbinical Aasembly (Rabbinische Versammlung) des Seminars seit 1901 zusammengeschlossen. Im ganzen wird die Zahl der aktiv am religiösen Leben teilnehmenden Juden in den Vereinigten Staaten auf 1— lVi Millionen geschätzte ••: v ■ ' ■ -.>. . •■■ ■•■ . ■••,. .v;!>. Das kulturelle Leben 1. Jüdische« Schul- und Unterrichtswesen Die jüdische Bevölkerung läßt ihre Jugend vornehmlich in den öffentlichen Schulen erziehen. Dies gilt «Aich für die Universitäten, an denen ein sehr erheblicher Anteil jüdischer Studenten auffällt.. \ Bei einer Zahl von 1319 Universitäten, Colleges «ad Faebhochschulen wurden unter 1 148 000 Studenten 106000 ' Juden gezählt, das sind Aber 9 der Gesatntzahl gegenüber einem Bevölkerungsanteil von 8Vi °/o. Das Verhältnis schwankt natürlich stark in den einzelnen Staaten; so .beträgt in Hen Plateau- Staaten der indische Anteil nur etwas mehr aU 1 *, während er in New York City rwiachen 49 und M «'o .ausmacht. ' « "X J Das jüdische Schul- und Unterrichtswesen hat im allgemeinen zusätzlichen Charakter' (mit einziger Ausnahme der All day- (AJle-Tage-i oder Parochial- Schulen). Die jüdische Erziehungsarbeit erhält durch die unzureichende und ganz auf private Initiative gestellte Gemeindeorganisation ihre besonderen Schwierigkeiten. Trotzdem ist die. Aufgabe mit viel Aktivität in Angriff genommen worden. Insbesondere ist seit der Gründung des Bureaus for Jewish Education (Amt für jüdische Erziehung) im Jahre 1910 durch J. L. Magnes und andere hervorragende Männer wie Dr. Benderly, Professor Dushkin, Professor M. Kaplan Bedeutendes zur Hebung und Vereinheitlichung des jüdischen Schulwesens geleistet worden. Allgemein wird angenommen, daß 70 •» aller jüdischen Kinder während ihrer Schulzeit eine jüdische Erziehung genießen, freilich in verschiedenen Formen und von verschiedener Dauer. Eine weitere Steigerung darf mit der allgemeinen Verstärkung des gemeindlichen Lebens erwartet werden; nicht zum wenigsten freilich handelt es sich bei diesem ganz auf Freiwilligkeit aufgebauten Werk um die Geldfrage, die mit der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung unausbleiblich verknüpft ist. Da der jüdische Unterricht häufig nicht während der ganzen Dauer des schulpflichtigen Alters genommen wird, egt der ständige'Anteil der auf jüdischen Schulen zu findenden Kinder beträchtlich unter der Gesamtzahl derer, die das jüdische Schulwesen durchlaufen. Von ca. 860000 Kindern im schulpflichtigen Alter besuchten 1935 schätzungsweise 200 000 jüdische Schulen, also 25 ».». In New York City waren die entsprechenden Zahlen 325 000 und 75 000. Von den einzelnen Schultypen sind: a) zahlenmäßig am stärksten die Hebrew Week-. day Schools (Hebräische Wochentags-Schulen), die von 55 °fo der Kinder besucht werden. In New York City, wo es noch ein stärkeres Vorwalten der jiddischen Typen gibt, entfielen auf 300 Hebrew Week-day Schools ea. 50 °o der Kinder. Der Unterricht wird fünfmal wöchentlich zwischen 4 und 8 Uhr nachmittags erteilt und dauert meist alle Tage eine Stunde -und 20 oder 30 Minuten.. Die Umgangssprache ist englisch, nur in einem Teil jiddisch, in allen Schulen wird hebräische Sprache getrieben. Daneben werden biblische und talmudische Texte, Feiertage, jüdische Geschichte. Palästinakunde, Gemeindearbeit behandelt. Die Lehrer haben meist eine volle jüdische und allgemeine Vorbildung genossen. Es gibt verschiedene Typen der Wochentagsschulen, an- R'fangen vom Cnedertyp (ostjüdische orthodoxe Betstube) — in ew York City von 17 <V* der Kinder besucht — Aber den Talmud-Thora-Typ (gemeindliche Einrichtung, ursprünglich für arme Kinder bestimmt), der, früher vorherrschend, jetzt vielfach vom modernsten Synagogue-Typ verdrängt wird. Der Talmud-Thora-Typ vermittelt ein lebendiges jüdisches Wissen, der Synagogen-Typ will zur praktischen Arbeit in Synagoge und Gemeinde auf einem beträchtlichen allgemeinen Bildungsniveau vorbereiten. ' b) Die Sunday School (Sonntags- oder Eintagsschule) ist den protestantischen Sonntagsschulen nachgebildet. Sie ist von der Reformbewegung geschaffen, aber auch in größerem Maß von konservativen Verbänden übernommen worden. Auf diese Schulart entfallen 37,5 in New York City auf 36 Schulen nahezu 18 ° o der Kinder. Der Unterricht wird in zwei Stunden am Sonntag erteilt und vermittelt Bibelgeschichte und manche Kapitel der jüdischen Geschichte und des Brauchtums, aber die Lehreranswahl setzt nicht durchgängig ein volles jüdisch Wissen voraus. Eine immer wachsende Zahl von Sonnt schulen hat auch Hebräisch und Palästinakunde in t Programm aufgenommen. Eine Gruppe von Schulen h noch einen zweiten Schultag eingeführt. Die b wertigeren Sonntagsschulen sehen einen Lehrian achtJahren vor, in dem die Schüler wertvolle re__, und allgemein-jüdische Kenntnisse erwerben können. Nachteil der geringen Stundenzahl findet häufig I •einen Ausgleich, daß infolge der schwächeren*. Belastung die Schüler eine größere Reihe von Jahren; d^)r-9chule verbunden, bleiben. 7\i c) .üie All day oder Parochial Schools spielen eine besondere Rolle. Sie geben nicht zusätzliche Erziehung, sondern ersetzen die öf f entlicheSchule. V ,h \ > i 4;-f * -j , L W";? >/'