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Jüdische Auswanderung · 1938-07-01 · Juli 1938 · p. Seite 64

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1938. Bestand UB Ffm
Issue
Juli 1938
Date
1938-07-01
Page
Seite 64 (sequence 72)
Language
German
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Es existieren auch Kreditgenossenschaften und Bau-Cooperativen. Eine eisenartige Organisation, die der gegenseitigen Hilfe dient und eine.erhebliche Bedeutung "erlangt hat, int der 1901 gegründete „Jewish Workmen'a Cercle"' mit 706 Ortsgruppen und 85000 Mitgliedern. Erziehungsaufgaben widmet sich besonders >die der Poale Zion nahestehende „Jewish National Worker's AUiance of America". Schließlich ist auch eine besondere Arbeiterpresse entstanden, so vor allem die größte jadische Tageszeitung „The Forward" (New York) und die Monatsschrift „Die Zukunft". Die jüdische Unternehmerschaft ist mit Ausnahme der Konfektion kaum in einem Zweig der Industrie führend. Im großen und ganzen findet man die jüdischen Unternehmer in den Zweigen, in denen wenig Kapital zum Aufbau des Betriebes gehört, was vermutlich damit zusammenhängt, daß ein großer Teil der Industriellen sich aus kleinen Verhältnissen, erst langsam heraufarbeiten mußte. Nach ihrer absoluten Große betrachtet gibt es zwar sehr bedeutende jüdische Unternehmungen; im Rahmen der amerikanischen Verhälthisse aber bleiben sie meist erheblich hinter der niehtjütlischen- Unternehmerschaft zurück. Unbedeutend ist der Anteil der Juden im Bergbau und in der Schwerindustrie; eine Ausnahme ist die ■ Kupferproduktion mit den großen jadischen Häusern Guggenheimer und Lewisohn. Gering ist ihre Bedeutung auch in der Auto-, Gummi-, Oel- und chemischen Industrie und in der Licht- und Krafterzeugung. Dagegen ist der Anteil der jadischen Unternehmungen in der Verbrauchsgater-Industrie großer, wenngleich er nur in der Konfektion wirklich bedeutend ist In der Textilindustrie sind zwischen 5 und 15 v. H. der Unternehmungen in jüdischem Besitz. Aehnlich ist der Anteil an der Fleischindustrie und Oberhaupt an der Nahrungsmittelindustrie, größer wieder in der Möbel- und auch in der Schuhherstellung. Ein bedeutender Teil der Tabakindustrie ist in jadischer Hand. Durchgängig größer ist die Bedeutung der jüdischen Unternehmerschaft im Handel. In größerem Maße sitzen Juden vor allem in folgenden Zweigen: Lebensmittelhandel, Textilienhandel, Rohproduktenhandel und Grundstückshandel. Dagegen ist der Getreidehandel" fast ganz ohne jüdischen Anteil aufgebaut und dasselbe gilt vom Handel mit Petroleum, Kohle, Eisen und' Maschinen. Wie in der Industrie sind die Juden .im großen und ganzen auch vor allem in denjenigen Zweigen des Handels stärker vertreten, in denen wehiger Kapital zum Aufbau eines Betriebes gehört. Von -den bedeutenderen Warenhäusern ist ein großer Teil in jadischer Hand. Im F i 1 i a 1 geschart schwankt der Anteil nach den Branchen; Nahrungsmittel- und -drug-store- Filialbetriebe sind fast durchgängig nichtjüdisch. Sehr häufig rindet man Juden als Eigentümer von Ladengeschäften, insbesondere im Schnitt- und Webwaren-Einzelhandel, ferner im Handel mit fertiger Kleidung, Apothekerwaren, Zigarren, Pelzen, Schuhen, Möbeln u. a. - Von den großen Versand häusern war Sears, Roebuck A Comp, lange Zeit unter jadischer Leitung. Im selbstfindigen Handwerk finden sich Juden vor allem in dem mit dem Einzelhandel verbundenen Gewerbe, wie z.B. Uhrmacher, Goldschmiede, Schuhmacher, Bäcker, Fleischer, Klempner, Radiotechniker, Glaser usw. Neuerdings wenden sie sich vielfach dem Autoreparatur-Gewerbe und der Installation zu. i Ith Finanzwesen ist der jüdische Einfluß ziemlich §ering; die bekannten Bankhäuser wie 'Kuhn,' Loeb [ Comp., Seligmann und andere sind gegenüber den amerikanischen Häusern nicht sehr bedeutend. An der New Yorker Börse ist der jüdische Anteil größer, bleibt aber mit 16 v. H. der Besucher hinter dem Anteil der Juden in der .Bevölkerung New Yorks ganz bedeutend zurück. Ganz gering ist der jüdische Einfluß in den Versicherungsgesellschaften und im Verkehr. Die Zahl der jüdischen Landwirts- Familien beträgt etwa 10000; im ganzen sollen etwa 80—100000 Juden in der Landwirtschaft tätig sein. Die jüdischen ' Landwirte rekrutieren sich z. T. aus Juden, die sich bereits in ihren früheren Heimatländern in der Landwirtschaft betätigt haben, z.T. auch aus Händlern und Arbeitern, die sich in Amerika auf diese Weise eine neue Lebensbasis schaffen wollten. Die jüdischen Farmen liegen meist in der Nähe der Großstädte der atlantischen Kaste und in Californien (besonders um San Francisco herum), wo sie intensive Wirtschaft für den Konsum der Städte betreiben, nämlich Gemüsebau, Geflügelzucht, Milchwirtschaft und dergt. Es gibt jedoch auch eine Anzahl Dörfer mit nie.hr oder weniger großem Anteil der Juden unter den Farmern. Das größte Dorf mit rein jadischer Bevölkerung ist Woodbine bei Philadelphia, das 1891 aus dem Baron-Hirach-Fonds gegründet wurde. In neuerer Zeit wird die sogenannte Stadtrandsiedlung und Heimstättensiedlung mit recht gutem Erfolg betrieben, bei der die Siedler (Arbeiter oder Arbeitslose) in der Stadt sich Nebenverdienst b«+ffrfWen gönnen.___ Zur Betreuung der jüdischen Landwirte ist schon im Jahre 1900 die „Jewish Agricultural Society" begründet worden, die den Farmer mit Darlehen unterstützt und sich mit Ausbildung und Stellenvermittlung in der Landwirtschaft befaßt. Es gibt eine in jiddisch erscheinende Fachzeitschrift „The Jewish Farmer". In den freien Berufen ist der jüdische Anteil auf den Gebieten der Medizin und des Rechts sehr beträchtlich und übersteigt bei weitem die Bevölkerungsquote. Dies gilt vor allem für New York und andere Großstädte, während im übrigen, zumal im Mittleren Westen, auch in diesen Berufszweigen eine jüdische Uebersetzung \Wohl nicht vorliegt. In der Ausbildung junger Aerzte stellen sich häufig schon Schwierigkeiten ein, da der Zugang zum praktischen Jahr und zu Asslstenteostellen an allgemeinen Krankenhäusern für Juden häufig nicht offensteht. Aehnlicbe Widerstände sind auch im Rechtsleben, wenn auch weniger offen, fühlbar.' Die bedeutendsten Law Schools haben praktisch einen Numerus clausus, und die -Stellung der Legal and Bar Associations, welche über die Examina' zur Erwerbung der Lizenzen zu entscheiden haben, ist gegenüber den jüdischen Anwälten häufig nicht günstig. Der Beruf des Account ant, welcher ungefähr unserem Geschäftssyndikus und Rechnungsprüfer entspricht, hat natürlich unter diesen Strömungen nicht zu leiden, da er fast durchgängig mit jüdischen Unternehmungen als Auftraggebern in Verbindung steht. Die hauptsächlichsten Schwierigkeiten der Einschaltung der Einwanderer in diese Berufe liegen darin, daß der im Ausland geschulte Jurist im Anfang gänzlich umlernen muß und daß die Ausübung der juristischen Berufe in vielen Staaten die amerikanische Staatsbürgerschaft voraussetzt. Die Aufnahmefähigkeit wenigstens für jüdische Einwanderer gilt allgemein als erschöpft. Im Pressewesen gibt es vier große Verlage, die in jüdischer Hand sind; sie erreichen zusammen 15 v. H. der Auflagenziffern der drei größten nichtjüdischen Konzerne. Die kleineren Verlage sind meist nicht in jüdischem Besitz. Im Zeitschriften- und Buchverlag ist der jüdische Anteil nicht unbedeutend; noch größer ist er im Druckerei- und Buchdruck-Gewerbe. Von den zwei führenden New Yorker Rundfunk-Gesellschaften steht eine unter jüdischer Leitung. Im New Yorker Theaterwesen sind etwa 60 v. H. der Leiter Juden; ebenso in der Filmbranche. Im Unterrichtswesen tritt der jüdische Einfluß allgemein zurück. An den öffentlichen, aus dem Steueraufkommen unterhaltenen Schulen finden sich nur in den großen Städten Juden. Ihr "Kapital zur Auswanderung Psydiotedinisdies Laboratorium Kuhn Berka» s Anabadker Straße 1 / Telephon ,3417 33 ' _._' _,_ besteht in Ihren Anlagen, Berufseignung und Fähigkeiten i t Die psychotechnische Eignungsuntersuchung gibt Klarheit über Umschichtbarkeit, Durchhaltekraft, Anpassungsfähigkeit u* a. m. V '

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