Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1938. Bestand UB Ffm
- Issue
- Juli 1938
- Date
- 1938-07-01
- Page
- Seite 63 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
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£5g£ ■V:.f •' - ' \ "' . ■'■ f •' } Die vorstehende Tabelle enthalt die Bevölkerungsziffern dar einzelnen Staaten' aas dem Jahre 1990, wahrend die Angaben Ober die jüdischen Bevölkerungsanteile aus dem Jahr» 1927 stammen. Sie sind daher nicht voll vergleichbar; man muß im allgemeinen eine Erhöbung der jüdischen Ziffern nm 5 o/o ansetzen. Jedoch ist hierbei zu bedenken, daß dies nicht sebematisch für alle Staaten gilt, sondern daß die neuere Verteilungstendenz berücksichtigt werden muß, die den Westen begünstigt. b) Die wichtigsten Wohnorte Die jüdischen Bewohner der Vereinigten Staaten verteilen sich auf ungefähr 10000 Wohnorte. Juden finden sich in sämtlichen Städten Ober 25 000 Einwohner, in 90 o 0 aller Städte mit geringerer Einwohnerzahl, in 30 •/<> aller Dorf er und in 7».o aller Landdistrikte. In 151 Städten gibt es jüdische Gemeinschaften von Ober 2000 Seelen, also nach europaischen Verhältnissen bedeutende Gemeinden. Weitere "500 Gemeinden weisen zwischen 100 hk 2000 Angehörige auf. Auch die Zahlen der Juden in den kleinen Ortschaften sind absolut beachtlich: in Kleinstädten von 2500—1000 Einwohnern leben 74000 Juden, in Dorfern 43500 und in Landdistrikten ohne Gemeindeverfassung 66 000. Einzigartig 'ist der Anteil der Juden in der Stadt New York. Mehr als ein Viertel der Einwohner dieser Riesenstadt sind Juden, die insgesamt eine Zahl von 18250001) erreichen, also mehr als die Glaubensjuden in Deutschland (mit Oesterreich), England, Frankreich, Italien, Belgien, Holland'und Skandinavien zusammen. Es gibt gev «ltige Stadtbezirke von betont jüdischer Zusammensetzung; 45 »o der jüdischen Einwohner leben in Brooklyn, je ein Viertel in Bronx und Manhattan, wobei sie in Bronx : mit 45 *io den stärksten Anteil an der Gesamtbevölkerung erreichen, in Brooklyn 35 Vi, in Manhattan 25 "o. Noch einige Großstädte überragen durch ihre judische Bevölkerung europaische Verhaltnisse. Chicago ist neben Warschau das größte Judenzentrum nach New York. Es leben dort 325000 Juden,, fast 10 «« der GesamtbevOlkerung von 3,4 Millionen. Auch Philadelphia mit 265 000 Juden 14 o/o der Bevölkerung von 2 Millionen Obertrifft noch weit London und Budapest. Es folgen dann Boaton mit 90000 Joden - 11 o/o, Cleveland mit 85000 9 »,», Detroit mit 75 000 4Vi **» Baltimore mit 70 000 — 9 «o, Loa Angeles -mit 70 000 — 5 "», Newark mit' 68000 — 15 o/o, Pittaburah mit 55000 - 8 «S St Louis mit 52000 - 6 «/o, ferner San Francisco mit 40000, Rochester mit 35000. Noch zehn weitere Städte weisen Gemeinden von über 20 000 Juden auf, also Zahlen, deren untere Grenze Frankfurt am Main und Breslau früher erreichten, Ea sind dies Hartford mit 30000, Milwaukee und New Häven mit je 27 000, unter 25 000: Paterson, Minneapolis, Kansas City (Missouri), Buffalo, Providence, Cincinnati, Chelsea und Jersey City.- ' >*" Weitere 82 Städte liegen in der Größenordnung jüdischer Gemeinden von über 8000 Seelen. Es sind dies: Albany, Atlanta, Atlantic City, Bayonne, Bridgeport, Brookline (Mass.), Camden, Cleveland Heighu, Columbus, Dallas, Elizabeth, Indianapolis, Louisville, Lynn, Maiden, Memphis, Mount Vernon, New Orleans, Omaha, Passate, Revere, St. Paul, Sc ranton, Syracuke, Toledo, T renton, Washington, Worceeter, Yonkers und Youngstown. Bewohnerschaften von über- 5000 Angehörigen haben noch: Acron, Birmingham, Brockton, Cambridge, Dayton/Des Mo ine«, Fall River, Harris bürg Mc Keeeport, New Brunswick, Norfolk, Portland, Perba Amboy, Richmond, San Antonio, Stamford, Utka, Waterbury, WUkes Barre. 1 Die berufliche and soziale Gliederung Die berufliche und soziale Gliederung der Juden ki den Vereinigten Staaten ist heute noch im wesentlichen dadurch bestimmt, daß in den letzten fünfzig Jahren der weitaus größte Teil der jüdischen Einwanderung von ostjüdischen Proletariern gestellt wurde. Die große Masse dieser Einwanderer bestand aus Handwerkern, Arbeitern und Kleinhändlern; Landwirte, kapitalkräftige Kaufleute, und Angehörige der freien Berufe waren verhältnismäßig wenige darunter. - ' Von den jüdischen Einwanderern der Jahre 1926 -28 übten in ihrem froheren Heimatland 38 v. H. einen gelernten Arbeiterberuf oder Handwerkerberuf aus, 23 v.M. waren im *) Di* in diesem Beitrag angegebenen SUdte-Zahlen sind reu Datum» und stimmen daher im allgemeinen nicht mit Zahlen der Tabelle auf S. 20 überein, die aus froheren Jah- 7;• f t ■ v m ' ' -•>,'<.■' i- ■ ■ - ' - 1 ' . '• Handel tatig gewesen, 13, v.H. waren Hauepersonal, 9 v. H. hatten freie Berufe ausgeübt, 8 v. H. Wasen ungelernte Arbeiter und 5 v. H. 'kamen aas der Landwirtschaft. Gegenüber der Vorkriegszeit hat sich das Bild wesentlich geändert: damals machten die gelernten .Arbeiter 80 v. H. der Einwanderer ans, 10 v. H. kamen auf den Handel und nur 2 v. H. hatten freie Berufe betrieben; 'die übrigen Zahlenverhältnisae hatten sich nicht wesentlich geändert. . . Da ein großer Teil der Einwanderer bereits von Hause aus Handwerker und Industrie-Arbeiter waren und nur ein geringer Teil von ihnen sieb der Landwirtschaft zu- . wandte, und da ferner auch aus der Kleinhändlerschaft viele sich derartigen Berufen zuwenden mußten, gibt ea heute in den Vereinigten Staaten eine beträchtliche jüdische In du s t ri e-Ar b ei t er a c h'ich t. Entsprechend der allgemeinen Verteilung der Juden, insbesondere der Zuaammenballung von etwa zwei Fünfteln der Juden in New York, ist diese Industrie-Arbeiterschicht in wenigen Großstädten konzentriert. Für New York schätzt man ' an Hand von Gewerkschafts- Statistiken den Anteil 'der Juden an- -der Arbeiterschaft' auf ein Drittel. Jüdische Arbeiter findet man in allen Industriezweigen; jedoch ist ein besonders großer Teil in der Konfektion tätig, wo sie heute etwa die Hälfte der Arbeiter ausmachen. Einen sehr großen Anteil haben sie auch an der Arbeiterschaft der Tabakindüstrie. Aus den Gewerkschaftsstatistiken geht weiterhin hervor, daB jüdische Arbeiter in der Hutindustrie, in der Lederindustrie, im - Baugewerbe, im Druckgewerbe und in der Nahrungsmittelindustrie be-, sonders stark vertreten sind. Auch in der Angestelltenschaft dieser Zweige werden Juden besonders häufig angetroffen. Ueberhaupt hängt die Beschäftigung jüdischer Arbeiter und Angesteilten weitgehend davon ab, ob der Chef de« Betriebes Jude ist (s. unten). Der Anteil der Juden an der Arbeiterschaft ist im Sinken begriffen, da erstens die Einwanderung nachgelassen hat und zweitens die im Lande geborene Generation sich nach Möglichkeit anderen Berufen widmet, wie z. B. der Büroarbeit, dem Handel und den freien Berufen. '■ ». Die große Mehrzahl der jüdischen Arbeiter, insgesamt ungefähr eine halbe Million, ist organisiert. Viele Arbeiter gehören den allgemeinen politischen and gewerkschaftlichen Organisationen an, doch gibt es auch eine rein jüdische Gewerkschaftsbewegung. Die wichtigsten jüdischen Gewerkschaftsgruppen haben sich 1888 zu den „United Hebrew Trade»" zusammengeschlossen. Auch innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung spielt der Zionismus eine beträchtliche Rolle: so wurde die „Jewish National Worker's AUiance" 1910 von den „Poale Zion" begründet. Die größten Gewerkschaften (rein 'jüdisch oder out stark jüdischer Mitgliederschaft) sind die „Amalgameted Qothing W orkers of America'* mit 180 000 Mitgliedern (darin auch Nkhtjuden) und die „Föderation of Jewish Laboiir of New York'1 mit 128000 Mitgliedern (darin 60 v.H. hjonfektionsarbeiter). Sehr hoch ist der Anteil der jüdischen Mitgliederschaft an der Gewerkschaft der Damenkonfektionsarbeiter (über 80 v. II.), der Hutmacher (88 v. II.), der Kürschner und anderen - mehr. Auch ein jüdisches Genossenschaftswesen ist von der 'Arbeiterschaft entwickelt -worden. So gibt es 16 cooperative Bäckereien mit etwa 10000 Mitgliedern. Altersversorgung Feste Rente bis Lebensende, garantiert d erste Vers. 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