Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1937. Bestand UB Ffm
- Issue
- Herbst 1937
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 86)
- Language
- German
- Belongs to
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günstigste Grfiße hat sich bisher 200 bis 300 Acres bewahrt. Diese Betriebe sind hauptsächlich auf Milchwirtschaft and Nebenprodukten aufgebaut, 1n Verbindung mit Schweinen, Hühnerzucht, Obst, Gern ose und Ackerbau. Das. für «ine solche Farm bestgeeignete Gebiet ist in einer Zone auszuwählen, die einen Regenfall von 85—90" hat und in einer . Hobe von 2000 bis 2800 m liegt. Die Betrieb« fuhrung wir« dadurch erleichtert, daß Landwirte und Fanaar in zahlreichen Berufsverb In den und landwirtschaftlichen Genossenschaften insammWgearhlossen sind, die dem einzelnen zur Seite stehen. c) Arbeiterfragen Ein gewöhnlicher "ungelernter Arbeiter verdient 12 bis 14 Schilling pro Monat zuzüglich Verpflegung« Ueber che Leistungsfähigkeit der Eingeborenen hat einer der letzten Labour Reports eine Art Standard aufgestellt, der insofern von Bedeutung ist, als er mehr oder weniger auch für das übrige Ostafrika gilt Danach schneidet ein eingeborener Arbeiter am Tag 1250 bis 3500 Siealblatter. Je nach Größe soll er SO—180 Kaffeebaume ausschneiden. In der Maisernte muß er 10 Siehe zu je 200 lb Kolben sammeln und entblättern. Mit dem Dreischarpflug und Ochsengespann soll der Arbeiter 8 Acres am Tag pflügen. III. Brief ans Kenya Nachstehend geben wir einen besonders instruktiven Brief eines aus Deutschland stammenden Auswanderers wieder, der sich zur Zeit auf einer Farm in Kenya befindet: ', „Rongai (Kenya-Colony), den SO. Juli 1937 Ich bin natürlich nur in der Lage, die Dinge von meinem Gesichtsfeld aas za beurteilen. Ich hin nun genau 4 Monate hier auf dieser Farm und war ein emrigea Mal in der 17 Meilen entfernten Kreisstadt Nakuru zu einer Chinininjektion wahrend meiner achttägigen Malaria, die aber Gott sei Dank keine weiteren Folgen zu haben scheint. Sonst gibU che ganze Woche Aber nichts als Arbeit, und an den Sonntagen zur Abwechslung meistens noch mehr. Von den ca. 16 Sonntagen, die ich nun hier verbracht habe, dürfte ich bestimmt an ca. 12 gearbeitet ruhen Mein Einkommen betragt bisher £ 3 im Monat, es ist mir noch nicht gelungen, dieses zu steigern. Dabei bemerke ich, daß ich s. B. im letzten Monat über 3 Wochen die Farm mit ca. 8500 allein führte, d. h. die Zeit, in der mein Chef for wedding and honeymoon (Hochzeit und Flitterwochen) abwesend war. Ich ' fflhre dieses Moment quasi als Basis an, daß ich wohl nicht der schlechteste Mann bin, dem man nach 2i/t Monaten einen solchen Betrieb allein fiberlaßt. Dabei ist noch au bemerken, daß ich natürlich in keinerlei Kranken- oder Krankenhaus! er «stau rung bin, d. h. also, daß ich das ganze gesundheitliche Risiko allein zu tragen habe. Sie können daraus wiederum ersehen, daß der Kampf um die Existenz hier, d. h in den Kolonien, vielleicht noch harter ist als sonstwo. Andererseits besteben für Monteure, Mechaniker, Drechsler «sonstig, Handwerker und für Ingenieure gute Möglichkeiten, lese in der führenden Zeitung, im „East African Standard", Nairobi, advertisement* (Anzeigen) von Gold-Minen. Diese suchen Handwerker verschiedener Art zu einem Pfund und mehr taglich. < Nun., weiter. Diejenigen Leute, die nach hier kommen und auf eine Farm gehen, sollen alles mitnehmen, was sie haben Alle alte* Hüte, Anzüge, Kleider, Schuhe, Gürtel, Feldflaschen, Fahrtenmesser, Radio - Apparate mit Batterien, Werkzeuge usw. Erwähnenswert ist vielleicht, daß möglichst Philipps-Radioapparate mitgenommen werden. Diese Firma hat ja auch in Deutschland einen Verkaufsapparat oder eine Fabrik, und sie ist nach meiner Erfahrung die einzige Firma, die sowohl in Deutschland wie auch hier auf dem Markt ist. Es ist dies wichtig wegen der Ersatzteilbeschaffung, van anderen deutschen'Marken habe ich nichts gesehen oder gekört. An Motorrädern sind in der Hauptsache die großen englischen Marken bekannt, Norton, B. S. A., dann hat aber auch Zündapp eine „Vertretung in Nairobi, außerdem sind die Leichtmotorradet wie Wanderer, Flehtet und Sechs^cfci. unbekannt hier. Dec-deutaohe Diesel-Lastkraftwagen ist gut eingeführt. Mercedes-Benz und NAG-Büssing machen ein großes Geschäft fn Mesei-Lastkraftin. PsreonsaJcfaftwaaen ist Opel etwas eingeführt, auch it vertreten, doch machen hauptsachlich die Ameriwegen^ in \ kaner darin das Geschäft. Der meistgekaufte Personen- und Lastkraftwagen durfte aber wohl Ford sein, aber nur die kräftigen Typen. Die, Leute sollen js genügend (Werkzeug mitnehmen, es ist dies wohl mit das wichtigste. Voraussetzung ist für alles natürlich: nur englische Maße. Dabei ist *ü betonen, daß hier am Spezialmarkt Ist Die Handwerker — Fundi genannt — sind zum grüßten Teil Inder, die eben wieder ihre Typen an Werkzeug haben. Damit sich die Leute das Richtige kaufen, ist es wohl am basten, Sie lassen sich einmal durch Ihre Freunde einen Katalog der beiden maßgebenden Firmen in Kenya schicken. Das ist GaSey and Roberts Ltd., Nairobi, und North and Soo Ltd., Nairobi. Beide Firmen haben in allen bsueuUmthwsn StlsUu, so auch in Nakuru, Niederlassungen. Dabei ist zu Ii ernst km, daß auf die Katalogpreise bei Kassesahlung ein Nachlaß von 20 ». in Betracht kommt / Die in Deutschlaad bekannten Hand- und Brustbohrmaschinen werden auch hier gebraucht, ferner sind die au Hause gangbaren Feilen auch hier eingeführt Ich betone nochmals, daß jeder, der nach Kenya geht, nicht schlecht fahrt, wenn er sich einen zweckmäßigen und guten Werkseugschraak mitnimmt mit allem, was benötigt wird. Ich bin in uns wer Farm schon mehr als hundertmal froh an meinem eigenen Werkzeug gewesen. Auch andere Dinge sind notwendig, so z. R. Taschenram p e n mit zwei und drei Batterien, dann* vor allem gutes Schuhwerk, Gummischahe. Ich hin seit vier Monate« nun hier und habe allerhand an Regen erlebt. Einmal in etwa Vt Stunde annähernd 2 inchee (— 8 cm) Regen. Die Leute sollen all ihr altes Zeugs mitnehmen, alte Hute, dicke und dünne Mantel usw., alte Schuhe, Hemden, Hosen, alles, was sie sich nur denken können, d h. alles, was sie evtl. au Hause herumliegen haben. Die Neger lieben europäische Sachen, und man - kann immer ein'paar Schilling erhalten. Vor allen Dingen liegt aber der Grund darin, daß die hier in den iridsschen Dekas verkauften Sachen mehr oder weniger schlecht, aber auch sehr billig sind. Ein Hemd, das auf ca. 2 Schilling kommt, hilt ungefähr acht Monate. Dann soll jeder möglichst viele kurze Kniehosen — möglichst in Khaki oder feldgrau — mitbringen, man kann nicht genug davon haben. Ich habe leider viel zu wenig, d. h. nur vier weiße, kurze Hosen, die nicht praktisch sind. Die in Deutschland gebrauchten WeißpuUerancflge sind auch hier ohne weiteres zu gebraueben. Sie haben lange Hosen und sind daher besonders such als Sonnenschutz sehr praktisch. Der Schutz der Haut, bis eis an die Aequstorsonne gewöhnt ist, ist sehr wichtig. Ich saß vom zweiten Tag an auf dem Traktor und hatte nun immer mit meiner nicht sehr zweckmäßigen Kleidung zu tun, d. h. zu ergänzen, da meine dritte Box noch in Nairobi zwei Monate lag. Kam Regen, so mußte ich schnell sehen, daß ich einen Sägk; über meinen Trapsnhslm stülpte, der*«ich - sonst in nichts aufgelöst hatte; brannte aber wieder für einige Zeit die Sonne, wurde derselbe Sack" als Sonnenschutz über-die Knie gelegt. Mr. G., der ebenfalls mit mir nach Kenya fuhr, war nicht so vbrsichtig; er besuchte mich eines Tages und erzahlte mir, daß er schwere Verbrennungen davongetragen habe. Als Kopfbedeckung ist das einzig richtige ein Doppelhut, d. s. zwei Filzhüte übereinandergestülpt. Ich denke, daß diese Hüte wohl^in haben sind. An Medikamentea ist zu bisherigen Erfahrung — Chinin in Pille Atebrin. (Fabrikat Bayer-Leverkusen- Moskitonetz; ich habe Angst vor Mali ich meine Ruhe und kann schlafen. Zu bemerken ist, daß alles, was hier gekauft wird, u"n vor - hältnismäßig teuer ist; wenn man in eine Apotheke geht, kommt man unter 6 bis 8 sh kaum heraus. Auen viele andere Dinge sind unverhältnismäßig teeer. So'kostet z. B ein ganz normaler Schnellhefter — nicht etwa ein großer Ordner in der. bekannten Leite-Art — in der Kreisstadt Nakuru 75 cts. Ein Artikel, den man zu Hause um 10 oder 16 Pfg. kauft Schreibmaschinen sind immer sehr nützlich, mit englischen Zeichen natürlich. Zum Schluß: der Kampf hier ist nicht leicht, einen sozialen Schutz gibt es nicht und jeder wird gezwungen sein, oft zu schweigen, bis er sich einigermaßen emporgearbeitet hat. Schicken Sie ja nur Lentej"*die anpassungsfähig sind und etwas aushalten können. Ich gebe Ihnen noch ein kleines BiM zur Illustration. Die Arbeit besinnt um 6 Uhr, etwa um 10 Uhr komme ich zum Frühstück, vorher ist nichts, d h. ist gar keine Zeit für Tee oder sonstetwas, um 2, 8 aalen 4 f Tin nsJhmlrtsfn wie man gerade Zeit hat, ist ein kurzer Lunch und um 8 UV abends Dinner. Das ist alles. Von zu Hause sind die meisten eine andere Einteilung gewöhnt." LI ' .' tipfehlen — nach msiner i und flüssiger Form und . G. Farben). 'Ferner ein (ia, unter dem Netz habe «a 76