Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1937. Bestand UB Ffm
- Issue
- Herbst 1937
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
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•che Unterschicht^ aufweist. Der soziale Gegensatz deckt sich hier also weitflehend mit einem Rassengegensatz, und die mexikanische Politik der letzten Jahrzehnte besteht zum großen Teil aus dem Kampf der im Grunde, und ziemlich bewußt indianischen Massen um einen größeren Anteil an der Macht Eine besondere Rolle spielt hierbei die Frage der Agrarreform. Gleichzeitig findet ein heftiger (vor allem auch die Außenpolitik auf daa stärkste beeinflussender) Kampf gegen den früher übermächtigen Einfluß des ausländischen Kapitals, d. h. insbesondere der nordamerikanischen Petroleum-Gesellschaften, statt. - III. Die Wirtschaft "~1.'Die Landwirtschaft Trotz der wachsenden Bedeutung der mexikanischen Bodenschätze, d. b, insbesondere des Erdöls und wertvoller Metalle, und trotz der zunehmenden Industrialisierung ist Mexiko luch heute noch vorwiegend Agrarland. Schon lange vor der Ankunft der Europäer hatten die Indianer auf dem Gebiet des-Ackerbaus eine erstaunliche Stufe erreicht, auf der sie allerdings zum großen Teil bis beute stehen geblieben sind. Eine große Anzahl von Kulturpflanzen, die von den Indianern schon lange vor der spanischen Eroberung angebaut wurden, haben von Mexiko aus ihren Weg "nach Europa ■ genommen: so Mais, Banane«, Kakao, Tomaten, Paprika u. a. Obwohl die Bodenarten in dem. riesigen Lande außerordentlich vielgestaltig sind und neben weiten Flächen ausgezeichneten Bodens auch umfangreiche Gegenden vorhanden sind, in denen der Kampf gegen Trockenheit oder allzu starken Salzgehalt oder gegen den Sand den Ackerbau./auf daa äußerste erschweren, leben etwa zwei Drittel der Bevölkerung von der Landwirtschaft. Es sind aber, trotz der erwähnten Schwierigkeiten, noch sehr große Möglichkeiten zur Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzfläche sowie zur 'Steigerung der Hektarerträge vorhanden,. und die Regierung tut -seit Jahren viel, um durch den Bau großer Staudämme, Meliorationen des Bodens, bessere Schulung der Landwirte usw. die Produktion zu fordern. In den lebten Jahren hat sich denn auch 'der Wert der exportierten Produkte der Landwirtschaft und Viehzucht gehoben und auch, die ungebaute Fläche nimmt zu. Von den .Hauptprodükten der mexikanischen Landwirtschaft werden vorwiegend auf künstlich bewässertem Land Weizen, Baumwolle, Zuckerrohr, Tomaten und Gemüse angebaut; dagegen gedeihen Korn, Bohnen, Kaffee, Heimequen hauptsächlich auf Böden, die ausreichend natürliche Bewässerung haben. In der Ernährung des Volkes, das sich an Weizennahrang nicht gewöhnen .will, spielen auch' heute noch Mais.and Bohnen die wichtigste Rolle; Mais wächst hauptsächlich südlich des 21. Breitengrades in den Staaten Yucatan und Jalisco; etwa 3,2 Millionen ha werden mit Mais bestellt. — Die Produktion von Bohnen, Erbsen, L in s e n findet vor allem an der Westküste statt und nimmt zu. * . Mexikanischer Kaffee gedeiht in ausgezeichneter Qualität auf den Berghängen und erzielt hohe Preise. Die Produktion betrug 1936 48,5 Millionen kg> wovon 42 Millionen kg exportiert wurden. Tabak, der zum großen Teil für den heimischen Verbrauch oder für die Verarbeitung in mehr als 200 mexikanischen Zigarren- und Zigarettenfabriken verwendet wird,', ist von ähnlicher Qualität wie der berühmte kubanische. Große Strecken Landes eignen sich für die Erzeugung von Rohrzucker;; dies gilt insbesondere für die heißen Gegenden am Golf von Mexiko. Dieser Produktionszweig, der aas den ersten Jahren der spanischen Eroberung stammt, hat noch erhebliche Ausdehnungsmöglichkeiten. Baumwolle wachst hauptsächlich in Niederkalifornien und in den Staaten Durango und Coahuila, wo die Bedingungen denen des Staates Texas in USA. ähneln. Ein sehr großer Teil der Baumwollernte wird in mexikanischen Baum wollmahlen verarbeitet. Die mit Baumwolle bestellte Fläche beträgt ungefähr 300000 ha. 1936 wurden 52 Millionen kg im Werte von »rfVIillionen Pesos expoftierT' ■ ' i;>,:;.. ' .., ■: •■•;. , / < ■ / \. ■ Weizen gedeiht hauptsachlich in der sogenannten Zentralzone (unweit von Mexiko City) und weiter nach dem Norden in Coahuila, Durango usw.; 1935/36 betrug die Ernte 370 Mill kg. Von den genannten Produkten abgesehen, ist vor allem noch die Erzeugung von Hennequen oder Sisal von Bedeutung. In den südlichen Staaten (Yucatan und Campeche) bildet der Anbau dieses Produkts eine wichtige Quelle des Wohlstandes. 1936 wurden 103 Millionen kg im Werte von 36 Millionen Pesos exportiert. Endlich ist auch der Anbau von Tomaten und Wintergemüsen von wachsender Bedeutung, besonders an der pazifischen Küste. Neben dem Ackerbau spielt auch die Viehzucht eine erhebliche Rolle; allein der Rindvieh bestand beträgt an 10 Millionen Stück; außerdem sind etwa 6 Millionen Ziegen, Je 2 Millionen Pferde und Esel, sowie erhebliche Schaf- und Schweinebestände vorhanden. Aus den nördlichen Staaten wird auch Vieh nach den USA. exportiert. Unter den Waldwirtschafts-Produkten 'steht Chicle an erster Steile, ein Pflanzensaft, aus dem Kaugummi gemacht wird. Edelhölzer (Mahagoni und Zeder) werden ex- Fortiert (1935 im Werte von 1,02 Mill. Pesos), dagegen müssen urnierhölzer eingeführt werden. i ■ i 2. Die Bodenschätze ' Während der größere Teil des mexikanischen Volkes vom Ertrage der Landwirtschaft lebt, beruht die weltwirtschaftliche Stellung Mexikos ganz fiberwiegend auf der Ausbeutung seiner Bodenschätze, d. h. insbesondere seines Reichtums an Petroleum und an Metallen, vor allem Silber. Der außerordentliche Reichtum Mexikos an Metallen war schon zur Zeit der spanischen Konquistadoren bekannt; ja, man kann sagen, daß der Zufluß der Edelmetalle aus Mexiko und anderen amerikanischen Ländern nach Europa hier eine der größten wirtschaftlichen Umwälzungen, insbesondere eine gewaltige Preissteigerung, hervorgerufen hat. Heute ist Mexiko, vor allem als Silberland von Bedeutung, es ist das wichtigste Silberland der Welt and deckt etwa 40<ft des Weltbedarfs. Doch muß v :V't l ,• bemerkt werden) daß die mexikanische Produktion in den letzten ' Jahren weniger zugenommen hat als bei dem scharfen Preisanstieg zu erwarten gewesen wäre. 1935 worden 2,3 Millionen kg Silber produziert, von denen mehr als die Hälfte (1,2 Millionen kg) im Werte von 42 Millionen Pesos exportiert wurde. 1936 betrug die Erzeugung 2,4 Millionen kg. Durch einen Erlaß vom 11. April 1935 machte sich die Regierung die außerordentlichen Preissteigerungen für Silber zunutze, um besondere Steuern auf 'die Extragewinne zu legen. {, , Da in Mexiko das Silber im allgemeinen in Verbindung mit andern Metallen gefunden wird (Gold, Blei, Kupfer, Zink und Arsenik), nahm die ganze Metallproduktion entsprechend zu, und auch die Metallverarbeitung (Schmelzwerke Usw.) war voll beschäftigt. Die Bleiproduktion stieg in den letzten Jahren stark an und betrug im Jahre 1936 216 Millionen kg, wovon 201 Millionen kg im Werte von 74 Millionen Pesos exportiert wurden. 'Das Blei wird meistens in den Staateta Chihuehua und Naevo Leon produziert und fast vollständig in Mexiko verarbeitet; die Verarbeitungsverfahren sind in letzter ZeR wesentlich verbessert worden. Die Zink er zeugung betrug 1936 150 Millionen kg, wovon 146 Millionen kg im Werte von 60 Millionen Pesos exportiert wurden. Von großer Bedeutung ist auch die Produktion folgender Metalle: In der Golderzeugung stand Mexiko an vierter Stelle in der Welt; 1936 wurden über 23000kg erzeugt. An Kupfer wurden 1936 36 Millionen kg im Werth von 26 Millionen Pesos exportiert. Ferner sind zu nennen: Quecksilber (Erzeugung 1935 0.2 Millionen kg). Antimon (Erzeugung 1035 4,6 Millionen kg), Kadmium und Zinn; ferner Arsen (Erzeugung. 1935 9 Millionen kg) und Graphit (Produktion 1935 1 Million kg). Von allen Bergbaubetrieben sind 97 »o in ausländischem' Besitz. Neben dem Silber, ist Petroleum Mexikos wichtigster Ausfuhrartikel. 1938 wurden 40,3 Millionen Barrels gefordert, womit Mexiko an siebenter Stelle unter 69