Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1937. Bestand UB Ffm
- Issue
- Herbst 1937
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
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■ ' ' 1 ' Meri d a ist die Hauptstadt des Staates Yuoatan und liest unweit der Nordküste aut der Halbinsel gleichen Namens. In ihrer Umgebung werden landwirtschaftliche Produkte angebaut, hauptsächlich Heonequen bzw. SisaL Die Fasern dieser Pflanzen werden in Mexiko industriell verwertet, teilweise exportiert. Tan pico ist der bedeutendste Hafen des Landes; es vet dankt seine Entwicklung der Entdeckung von Petroleumgebieten. Die Stadt liegt an zwei wichtigen Entenbahnen, von -denen die eine nach Westen in die Bergbaugebiete von San Lais Potosi fahrt, die andere nordwestlich nach Monterrey. Das Stadtbild ist ganz den Verhaltnissen der Vereinigten Staaten angeglichen. 'Vera Cruz, ehemals der wichtigste Hafen des Landes, ist der Umschlagsplatz für das mittelmexikanische Hochland, insbesondere für Mexiko-City. Der Hafen ist vor einiger Zeit modernisiert, und die Stadt selbst mit modernen sanitären Anlagen versehen worden. Nachstehend geben wir die Einwohnerzahlen der wichtigsten Städte: Mexiko-City 960 906 (mit Vororten) 1029068 Guadalajara 179 539 Monterrey 132 577 Poebla 114 793 , Merida 91031 San Luis Potosi 74003 _ Leon' 69 403 Tampioo 6312« Vera Cruz 67,494 2. Klima und Gesundheitsverhältnisse Mexiko weist infolge seiner Ausdehnung Aber viele Breitengrade und seiner zum Teil sehr gebirgigen Natur die größte Vielfalt an klimatischen Bedingungen auf; int allgemeinen richtet sich das Klima seiner einzelnen Landesteile weniger nach dem Breitengrad als nach der Hohe Ober dem Meeresspiegel. . Es sind drei Zonen zu unterscheiden: 1. Die heiße Zone ist das Küstenvorland und das Küstenflachland, der Halbinsel Yucatan bis zur Höhe von ungefähr 1000 m, mit Niederschlagen von etwa 770 bis 850 mm. Klima und Vegetation sind hier tropisch. Es gedeihen Palmen, Zuckerrohr, Reis, Kakao, Sisalhanf, tropische Nutz- und Farbbölzer and in den Höhenlagen Kaffee. Die Jahresdurehschnittstemperatur von Vera C r u z ist 25,2° C. Kaltester Monat ist der Dezember (21,6° C>, wärmster der August (27,6° C). 2. Die gem 1 ßigte Zone bilden die Gebiete in Höhe von etwa 1000—2000 m über dem Meere mit durchschnittlichen Niederschlagen von 860—770 mm. Hier ist das Klima subtropisch mit entsprechender Vegetation (Kaffee, Vanille, Zuckerrohr, Mais, Weizen, Eichen, Kiefern). In manchen Gegenden kommen Nachtfröste vor. Jahresdurchschnittstemperatur von Saltille (1004 m) ist 17,5" C. Kaltester Monat: Dezember (11,3° C), wärmster: Juli (22,9 C). 3. Die kalte Zone liegt in einer Meereshöhe von ca. 2000 m und darüber und hat durchschnittlich 'Niederschlage von 480—660 mm. In den Wintermonaten treten zum Teil sogar starke Froste auf. .< In diesen Gebieten finden wir europäischen Getreidehau, Kartoffel- und Obstanbau. Kakteen und Agaven sind typisch für das Landschaftsbild. Die unbebauten Strecken sind teils subtropische Steppenlandschaft, teils Walder von Eichen, Kiefern, Weiden und Eschen usw. Die Jahresdurchschnittstemperatur von Mexiko-City (2278 m) betragt 15,3° C. Kaltester Monat: Dezember (11,9° C), wärmster: Mai (18,3° C). ~ Die Temperaturen in der gemäßigten und kalten Zone zeigen große Schwankungen; da die Wärmeunterschiede zwischen Tag und Nacht, und zwischen'sonniger und schattiger Lage sehr bedeutend sind. . Die N i e d er s oh 1 ags m e n ge n sind in allen drei Zonen sehr verschieden verteilt. Die Hauptregenzeit für das ganze Land liegt in den Monaten Mai bis Oktober. Die regenreichsten Gebiete liegen am Atlantischen Ozean. Der gesamte Nordwesten ist sehr trocken, nach Süden zu wird das Laad regenreicher und das Klima jnilder. ' *■ f Die Gesundheits Verhältnisse sind in der kalten und gemäßigten Zone im allgemeinen günstig zu nennen. In den hochgelegenen Gebieten, auch in der Hauptstadt, sind Jedoch Krankheiten der Atmungsorgane 6t ' :' , ," ' ' , : l . ,\ < 1 * ,; und Luftwege infolge des jähen Temperaturwechsels zwischen Tag und Nacht, der bis tu 20° C beträgt, und infolge häufiger kalter Winde and großen Staubes sehr häufig. Auen rheumatische Erkrankungen sind in Mexiko nicht selten- Die große Höhe vieler Gebiete Mexikos ist für Herzkranke gefährlich. In den Gebieten des heißen Klimas treten Malaria, Dysenterie und Wechselfieber auf. ,3. Bevölkerung - .Die Gesamtbevölkerung Mexikos werde Ende 1935 — wohl etwas hoch — auf 18 526 358 Seelen geschätzt Der größte Teil ist rein indianischer oder überwiegend indianischer Herkunft. Eine Schätzung nennt folgende Zahlen: Reine Weiße 10 * Reine Indianer 30 0 o Mischlinge (Mestizen) 60«,% Die'Kreolen, rein weifte Nachkommen der spanischen Eroberer, bilden die einheimische Oberschicht und sind die Besitzer der großen -Guter. Die Millionen van Mestizen üben zumeist untergeordnete Berufe in den Städten aus, während sich in den ländlichen Gebieten 'die Indianer vielfach rein erhalten haben. Neben diesen Bevölkerungsgruppen gibt es noch eine geringe Anzahl von Negern, Mulatten und Chinesen. Von außerordentlicher wirtschaftlicher und politischer Bedeutung sind die in Mexiko lebenden Ausländer. Während zahlenmäßig die eingewanderten Spanier an der Spitze stehen, denen die Guatemalteken und die US. - Amerikaner folgen, ist der Einfluß dieser letztgenannten weitaus der stärkste. Infolge dieser Machtstellung der Yankees einerseits, der großen Verschiedenheit zwischen angelsächsischem und lateinamerikanischem Wesen andererseits herrscht eine tiefgehende Spannung zwischen dem Volk und den meist im Dienst großer Kapitalinteressen stehenden Amerikanern. Die Zahl der Reichsdeutschen wird gegenwartig auf 6300 Köpfe, die der Stammesdeutschen auf 17000 . geschätzt. . . . ' ~ 4. Regierung und Innenpolitik Die Republik Mexiko ist ein Bundesstaat, der'aus 27 Einzelstaaten, 2 Territorien und einem Bundesdistrikt (Mexiko-City) besteht. Die Einzelstaaten haben weitgehende Hoheitsrechte und Selbstverwaltung. Die Verfassung von 1917, die 1929. und' 1933 zum Teil geändert wurde, zeigt den starken Einfluß des nordamerikanischen Vorbildes. Während die Exekutive dem Bundespräsidenten untersteht, der auf" sechs Jahre auf Grund einer allgemeinen direkten Wahl bestellt wird, liegt die Legislative bei dem Kongreß, der ans zwei Häusern besteht: die Abgeordnetenkammer wird nach allgemeinem Wahlrecht, das seit 1936 auch die Frauen einschließt, auf drei Jahre gewählt (je 1 Abgeordneter für 100 000 Wähler); der Senat besteht aus 58 Mitgliedern, d. h. es kommen je zwei Senatoren auf jeden Einzelstaat and den Bundesdistrikt. Die Legislaturperiode des Senats beträgt 6 Jahre. Mexikos Geschichte ist durch häufige Revolutionen charakterisiert; auch die augenblicklichen politischen Verhältnisse sind nicht stabil. Zwar halt der Präsident Lazaro Cardenas die Zügel fest in der Hand, aber er hat mit starken Widerständen zu kämpfen; erstens aus Arbeiterkreisen (wofür die häufigen Streiks und Unruhen bezeichnend sind) und zweitens von seiten der katholischen Kirche, mit der es nach jahrelangem Kulturkampf noch nicht möglich war, in «in befriedigendes Verhältnis zu kommen. Augenblicklich werden die innenpolitischen Spannungen in Mexiko noch durch die sehr geteilten Sympathien der Parteien gegenüber dem' spanischen Bürgerkrieg verschärft Im Grunde ist die mexikanische Innenpolitik nicht zu verstehen .ohne Kenntnis der sozialen Schichtung, die durch das Fehlen eines einheimischen Mittelstandes charakterisiert ist und auf der einen,£eite eine dünne Oligarchie von Großgrundbesitzern reis oder Ober wiegend weißer Abstammung, auf der anderen Seite aber eine überaus arme vorwiegend indianj-