Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1937. Bestand UB Ffm
- Issue
- Herbst 1937
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 64)
- Language
- German
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Ebenen liegen unter einem so milden Klima, daß ea faat nie nötig ist, daa Vieh in die Stille zu treiben, was natdrlieh eineerhebliche Kostenersparnis ermöglicht. Und auf diesen Weiden wachst rasch und dicht ein außerordentlich feines Gras, welches man als die Hauptquelle dea neuseeländischen Reichtums bezeichnen kann. Die beiden Hauptzweige der neuseelandischen Viehzucht sind Schafzucht und Milch Wirtschaft;'die erstem beschäftigt — obwohl es sich hier um einen ausgesprochen arbeitsextensiven Produktionszweig handelt — 26 der gesamten landwirtschaftlichen Bevölkerung; die letztere beschäftigt nicht weniger als 4©»«. 1086 zahlte Neu-Seeland einen Schafbestand von über 30 Millionen Stück; die Zahl der Milchkühe betrag an 2 Millionen, der gesamte Rind Viehbestand Aber 4,2 Millionen Stück. Im Vergleich an diesen beiden Hauptzweigen der neuseelandischen Viehzucht traten die anderen Zweig» zurück; so zahlte man 1936 nur etwa 800 000 Schweine und 275 000 Pferde. Die, Schafzucht, die besondere auf dem hügligen Gelände, das für Ackerbau und selbst für Milchwirtschaft zu steil ist, getrieben wird, weicht auf der Nordinsel allmählich vor der Milchwirtschaft zurück; der weitaus größte Teil des Rinderbestandes gehört der Nordinsel an. Auf der Südinsel dagegen vermag sich die Schafzucht sogar noch auszudehnen, allerdings nicht auf Kosten der Rinderzucht bxwv der Milchwirtschaft, sondern vorwiegend durch Nutzbarmachung bisher landwirtschaftlich ungenutzter Böden. In dieser Hinsicht hegen immer noch außerordentlich große Möglichkeiten vor, da gewaltige Flachen mit Wald oder Busch bestanden sind, die einer intensiveren Nutzung zugeführt werden können. Betrug doch 1898 die gesamte landwirtschaftlich genutzte Flache 7 684 000 ha; davon war der weitaus größte Teil, nämlich 7,06 Millionen' ha, mit Gras bestandenes Weideland; zur gleichen Zeit waren aber fast' 6 Millionen ha (5$ Millionen) mit Wald bestanden. Für die Entwicklung der neuseeländischen Schafzucht sind bestimmte technische Fortschritte, vpn entscheidender Bedeutung gewesen: Bei der ungeheuren Entfernung vom Mutterlande, wie überhaupt von allen in Frage kommenden Märkten, war in der ersten Zeit nur an den Export unverderblicher Produkte, wie vor allem Wolle, daneben aber auch Häute und Talg, zu denken, wahrend mit dem .Fleisch der Tiere eine.maßlose. Verschwendung getrieben wurde. Daher führten die Kolonisten Merino-Schafe ein, die sich in Australien so gut bewährthatten. Doch eignete sich nur ein Teil Neu-Seelands für diese wollreiche Schafrasse. Als aber in den achtziger Jahren die künstliche Kühlung aufkam und es dadurch möglich wurde, Gefrierfleisch auf weiteste Entfernungen zu versenden, wandelten aich die Aussichten der Schafzucht grundlegend, und das Fleisch wurde nun ein ebenso wichtiges Export-Produkt der Schafzucht wie die Wolle. Je nachdem mehr auf das eine oder auf das ander« abgezielt wurde, mußte die Schafsucht von nun an mit verschiedenen Zuchttypen arbeiten. Heute wird auf der Nordinael, auf dea fetten, niederschlagsreichen Niederungsboden, das fette und krallige Romney-Schaf verwendet, daa hier von den Qualittts-Herdeu dea weitaus größten Teil auamacht Auf dea Hochlands- und" Gebirgsweiden der Südinsel dagegen überwiegen Kreuzungen zwischen dem fetten Wollfleisch-Schaftyp der Nordinsel und dem reinen Woil- Typ des Merino-Schafs, das je weiter gegen Süden um so mehr überwiegt Neben der Wollerzeugung, welch« für. das tiefere Binnenland das wichtigst« Ausfuhr-Produkt der Schafzucht darstellt, and neben der Fleisrherzeugung für die Schlachtung kommt es vor allem darauf an, dem Bauern der Küstonebens ein Schaf au liefern, welche« Lämmer wirft, die rasch zu einem bedeutenden Schlachtgewicht aüfgefüttert werden können; gegenüber dieser einen Eigenschaft können all« übrigen Eigenschaften zurücktreten. Aua diesen Züchtungs-Bemühuagen ist ein neuer Zucht-Typ, daa Corriedale-Schaf, hervorgegangen, das jetzt auch in. Südamerika und «Australien großen Anklang findet und dorthin in nicht unerheblichen Mengen au« Neuseeland exportiert "Wird. Die neuseeländische Regierung tut viel, um sowohl die Qualität der Wolle wie die des Fleisches immer mehr zu -verbessern. Hierzu dient u. a. die« Plant Research Station in Palmerstone North, die sich mit der Verbesserung der Weiden befaßt; ferner überwacht der .Auaschuß der neuseeländischen Viehzüchter — der Maat Producers Board - die Fortschritte der Züchtung, veranstaltet Wettbewerb und Ausstellungen usw.; endlich wird auch für die wissen» schaftliche Erforschung der Qualität der Wolle viel getan. Der andere Hauptzweig der neasosläadiichen Viehzucht ist die RinderzuchVieren moderne Entwicklung in engster Verbindung mit dem Aufschwang der Molkereiindustrien steht Es handelt sich also hier um einen jungen, mit allen Mitteln landwirtschaftlicher Technik arbeitenden Produktionszweig, für dessen zahlenmäßige Entwicklung bezeichnend ist, daß im Jahre 1925 im ganzen 3,5 Millionen Rinder gezahlt wurden, von denen nur. 1,3 Millionen Milchkühe waren, im Jahre 1986 aber nicht weniger als 4,2 Millionen Rinder, von denen 2 Millionen Milchkühe waren. ' ~"Wegen der hohen Löhne und der geringen Zahl von Arbeitskräften finden Melkmaschinen und ähnliche technische Mittel (Rahmseparatoren usw.) in großer Zahl Anwendung, und das in der milch wirtschaftlichen Pro-' duktion investierte Kapital ist im Verhältnis zur Bevölkerungszahl außerordentlich hoch. Mit dem Aufstieg der Milchwirtschaft und der Zurückdrängung der Fleisch- und Wollproduktion haben sich im allgemeinen die Betriebsgrößen und Herdengrößen vermindert; überhaupt kann man sagen, daß eich Neu-Seeland weitgehend in einem Uebergang vom raumextensiven und zuchtextensiven Betrieb zum zucht- Und raumintensiven BetTieb befindet. Die Qualitätssteigerung des Vieh« schreitet rasch vorwärts; so nimmt die Zahl der in den Herdbflehern geführten Milchkühe immer mehr zu; ebenso geht man auch mehr und mehr zur Anlage von Kunstwiesen über, um wirklich hochwertiges'Milchvieh züchten zu können. > Die Regierung'unterstützt, diesen Prozeß durch Erhaltung von Muster- und Versuchst armen, auf denen rein gezüchtete Herden gehalten werden. Freilich wäre es trotzdem 'ein Irrtum anzunehmen, 'daß die neuseeländische ■ Milchwirtschaft sehen auf der Stufe der höchstentwickelten, nämlich der dänischen,, stände; vielmehr ist hier noch ein beträchtlicher Abstand. Aber im Vergleich zu früheren Leistungen ist der erzielte Fortschritt ungeheuer. So hat «ich die Gesamtproduktion an Butterfett in der Zelt zwischen 1801/02 und 1934/35 auf da• Si«benfäche erhöht; betrug sie damals 49 Millionen lb (englische Pfunde), . SO 1934 35 410 Millionen lb. In welchem Maße die Milchwirtschaft beute einer der Grundpfeiler der gesamten Volkswirtschaft ist, geht u. a. aus der Tatsache hervor, daß von etwa 86 000 landwirtschaftlichen Betrieben nicht weniger als 70000 ausschließlich oder zum Teil. Milchwirtschaft betreiben. Die Zahl der Herden beträgt rund 25000. Aber durch diese außerordentliche Entwicklung der Produktion mußte das A b s a t z problem immer wichtiger werden. Bis 1032 machte man sich.in Neu-Seeland hierüber keine Sorge in dem Glauben, daß Großbritannien einen unbegrenzten Markt, vor allem für Butter, "darböte.' Nachdem aber in England die Tendenzen, die eigene Ländwirtschaft gegen übermäßige Einfuhr ans den Dominien su schützen, immer stärker wurden, und angesichts der Tatsache, daß die Bevölkerung des Mutterlandes in naher Zukunft nicht mehr an Zahl zunehmen-wird, ist — zumal bei dem hohen Kapital, das in der neuseeländischen Milchwirtschaft nun einmal investiert ist — das Absatzproblem höchst brennend geworden. Als ein besonderes Glück darf ea in dieser Hinsicht angesehen werden, daß Neu-Seeland auf der Südhalbkugel liegt und infolgedessen den englischen Markt gerade in der butterannen Zeit beliefern kann. Welche erstaunliche Stellung sich Neu-Seeland > im ganzen als Lieferant von Molkereiprodukten auf dem großen englischen Markt hat erringen können, geht aus folgenden Angaben hervor: Neu-Seeland ist der größte Käselieferant Großbritanniens; ja zeitweilig hat ea über */s alle* in England importierten Käses überhaupt erzeugt Auch in der Butterversorgung des englischen Marktes nimmt Neu-Seeland — mit 27,4 »o der englischen Gesamteinfuhr — die erste Stellung ein; Neu-Seeland zählt sogar zu den größten Butterexporteuren in der ganten Welt