Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1937. Bestand UB Ffm
- Issue
- Herbst 1937
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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•.{ -sf - ■ < v t). Nachdem der Goldrausch zahllose Menschen ins bd gelocfet hatte, bliebeil viele, denen das Glück bei der Goldsuche nicht .hold gewesen war, im Lande und wandten sich der Landwirtschält zu. So wurden frühere Bergwerksstädte, wie Bendigo und Ballarat im Staate Victoria, zu blühenden landwirtschaftlichen Zentren. Der Südosten bildet aber auch das Hauptweideland für Rinder und Schafe. Auf den weiten Ebenen des Murray Darling weiden mehr als die Hälfte aller australischen Schafe. Die feuchten Küstenlander sind der Milchwirtschaft günstig, und im Anschluß hieran hat sich die Molkerei-Industrie mit Butterfabriken und Käsereien entwickelt. In der Gegend zwischen Newcastle und Brisbane, der Hauptstadt von,Queensland, wird an der Küste viel Mais gebaut Im Innern reicht die Getreidezone bis su den fruchtbaren Darling-Downa, westlich von Brisbane. Weiter nach Norden zu ermöglichen die Küstenlandschaften von Queensland tropischen Ackerbau. Hier ist vor allem der Anbau des Zuckerrohrs bedeutend, der im allgemeinen keiner künstlichen Bewässerung bedarf. Zuckerrohr wird such noch im nördlichen Teil der Kfistenlandst-haft von Neu-Sadwalea, so besonder* um Lismore, angebaut,-wahrend in der Gegend um Grafton die Weidewirtschaft das Zuckerrohr wegen der dort auftretenden Nachtfroste verdrängt. Auf die wirtschaftliche Problematik des australischen Anbaus von Zuckerrohr wird spater einzugehen sein. Vom Zuckerrohr abgesehen, werden im tropisch heißen Queensland Früchte wie Ananas und Bananen angebaut; die letzteren können allerdings, ebenso wie das Zuckerrohr, nur bei hohem Zollschute die Konkurrenz auslandischer Erzeugnisse aushalten. Auch-Fruchte' der subtropischen und gemäßigten Zonen, Wie Apfelsinen, Zitronen, Pfirsiche, Aprikosen usw. konnten in Queensland vielfach gut .angebaut werden, und es fehlt auch . nicht an Ansitzeta hierzu, doch bilden die Schwierigkeiten de» Absatzes vorläufig (solange die Bevölkerung des Landes selbst so gering ist) eine Schranke gegen die Ausdehnung des Obstbau*. . Wenn Queensland bis heute nur sehr dünn bevölkert ist, so liegt dies vor allem an den klimatischen - Schwierigkeiten, die das tropische Land den weißen Siedlern bietet. Gewiß wird immer wieder darauf hingewiesen, daß sich in Queensland eine rein weiße Bevölkerung — ohne eine farbige Unterschicht, wie sie in andern Tropenländern meist vorhanden ist — bisher ohne ernstliche gesundheitliche Störungen mehrere Generationen hindurch erhaben habe. Aber es handelt sich hier eben bisher um eine dünne Bevölkerungsschicht, die vorwiegend an den Rändern der Ostküste sitzt und zum großen Teil auf luftigen Bergeshöhen wohnt, wo die frischen Meereswinde abkühlend wirken und die Berglandschaften der Cordillere Erholungsmöglichkeiten bieten. Diese klimatischen Probleme tauchen in viel ernsterer Form im Savannenlande dea Nordens auf, d. h. also in dem gesamten Gebiet nördlich des 20. Grades südlicher Breite mit Ausnahme der Küstenlandschaft um Caans. Hier herrscht dauernd eine gleichmäßige Hitze, die für den Europäer unerträglich ist; sinkt doch das Monatsmittel nie unter .20° und bleibt mit Ausnahme der Wintermonate über. 26*. Da .außerdem eine lange Regenperiode vorhanden ist, so ist diese* feuchttropische Küstengebiet als Siedlungsland für Weiße ungeeignet. Da man aber farbige Einwanderer durchaus nicht ins lassen will, so ist der gesamte Norden Australiens bis heute noch so gilt wie menschenleer. Es gibt nur wenige Städte, die wenigstens ein paar hundert Einwohner haben, wie Browne, Derby und Wyndham in Westaustralien, Darwin in Nordaustralien und Norman ton in Queensland , Früher hatten chinesische Einwanderer im Savannenlande blühende Obstplantagen ins Leben gerufen; heute aber, nachdem man die Chinesen zur Abwanderung gezwungen hat, findet man höchstens noch verwahrloste Gärten, und es fehlt an Obst und Gemüse. Da das feucht-heiße \Kljma besonders der Gesundheit der Frauen unzuträglich ist,T»errscht in Nordaustralien ein krasses Mißverhältnis zwischen der Zahl der Männer und der der Frauen; auf etwa 10 Männer kommt nur eine Frau. Infolgedeesen fehlt es überhaupt an einer bodenstän- # t digen Bevölkerung. Alle Versuche, weiße Siedler in größerem Maße, nach dem Norden zu ziehen, sind bisher trotz weitgehender Versprechungen gescheitert. Unter diesen Umständen bleibt nichts übrig, als das Savannen-Land als Weideland für Schlachtvieh auszunutzen, wofür es sich, gut eignet . Die besten Weidegebiete liegen südlich der Halbinseln, etwa auf der Breite von Habs Crock, südlich de* Kjmberley-Distrikte und von Newcastle Waters, während der Kimberley-Becirk selbst und der Osten des Arnhem-Lande« sowie fast die ganze Kap-York-Halbinsel noch ' heute nur Jagdgebiete dar wilden Eingeborenen sind. Die Täler der Flüsse sind für tropischen Ackerbau geeignnt. aber noch ist fast nichts zu ihrer wirtschaftlichen Erschließung getan. So bilden heute versumpfte Talniederungen schwierige Verkehrshindernisse. Die Ergebnisse einiger Versuchsfarmen zeigen jedoch, daß der Norden zum großen Teil ein reiches Ackerbaugebiet sein könnte, das Reis, alle Arten von tropischen Früchten, Kakao, Kaffee, Zuckerrohr und Baumwolle erzeugen würde — wann es nur gelänge, weiße Siedler dort seßhaft zu machen, oder aber, wenn man «ich entechlösse, farbige Einwanderer in größerer Zahl einzulassen. Vielleicht könnten auch schon Sudeuropäer sich leichter akklimatisieren als Menschen britischer Herkunft Der vorstehende Ueberblick zeigt, daß Australien trotz seiner ungeheuren wüstenhatten Flächen große Gebiete aufweist, die entweder noch völlig unerschlossen oder nur sehr unzureichend genutzt sind, aber eine sehr' viel zahlreichere Bevölkerung ernähren könnten. Die Hindernisse, die sich einer stärkeren Besiedlung und Nutzung dieser Gebiete entgegenstellen, sind teils klimatischer Art, teils hangen sie mit der später zu erörternden Politik des „Weißen Australien" und der sehr zurückhaltenden Einwanderungspolitik überhaupt zusammen. B. Siedlungsformen und wichtigst» Städte Wahrend ungeheuere Flächen des australischen Kontinents noch heute menschenleer sind, drängt steh in .einem verhältnismäßig schmalen Streifen im Osten und besonders im Südosten der größte Teil der Bevölkerung zusammen, und dieser Teil weist ■ wiederum einen Grad der Verstädterung, auf, wie wir ihn sonst kaum irgendwo in der Welt.finden. So kommt es, daß nicht weniger als ein Drittel der Gesamtbevölkerung des riesigen Kontinents in den«beiden Städten Sydney und Melbourne wohnt, ,die beide Millionenstädte geworden sind. Nehmen wir noch die Hauptstädte der andern Einzel-Staaten hinzu, so finden wir fast die Hälfte aller Einwohner Australien* in 6 Städten: Anteil der Hauptstädte an dar Gesamtbevölkerung Staat Hauptstadt Einwohner la % dar Fbwaaair 4m faataa Staate« Neusudwales....... Kfelbourne Brisbane Adelaide Parth ~ HoWt 1039 390 912 130 263 711 303614 179 388 38740 45,22 54,16 30,62 55,04 «,20 --27,07 6 Städte 2 756 973 46.07 Au* der vorstehenden Tabelle ergibt sich, daß der Anteil der Hauptstädte an der Gesamtbevölkerung de* Landes nur durch Hobart und Brisbane etwas gedrückt wird. Diese außerordentliche Vorherrschaft der Hauptstädte hat zum Gegenstück die außerordentlich geringe Zahl von Städten mit Ober 5000 Einwohnern. Während zwei Städte, nämlich Sydney una Melbourne, über eine Million Einwohner zählen, hat keine einzige Stadt zwischen 600000 und 1 Million Einwohner; zwischen 250000 und 500 000 haben nur zwei Städte, nämlich Brisbane und Adelaide. Zwischen 50 000 and 100 000 Einwohnern zählen in ganz Australien wiederum nur zwei Städte, und zwischen 25000 und 50000 liegen die Einwohnerzahlen von 6 Städten Außerdem gibt es noch 18 Städte mit Einwohnerzahlen zwischen 10000 und 25000, und 81 Städte, die zwischen 5000 und 10000 Einwohner haben. Alle* in aUem ergibt sich also ein* Zahl von 57 StNlen mit über 6000 Einwohnern; in diesen lebten 3,47 Millionen Menschen, also weit über die