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Jüdische Auswanderung · 1936-09-01 · September 1936 · p. Seite 113

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1936. Bestand UB Ffm
Issue
September 1936
Date
1936-09-01
Page
Seite 113 (sequence 119)
Language
German
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kkft.frM^ WoUgUad de« Lande«. Es wird h»..pu sachlich in der Lagnnengegend von Maracaibo gewonnen, aber auch im Orinokogebiet hat man wichtige Petroleumvorkommen festgestellt. Venezuela war in den letzten Jahren der drittgrößte Petroleumproduzentder Welt, und vermehrt noch fortgesetzt seinen. Anteil ju» der Weltproduktion. 1934 wurden 137,7 Millionen barreis (1 barrel 150 Liter) produziert. Diese« wichtigste Ausfuhrprodukt des Landes — das allein ungefihr 77 o;0 des Gesamtexportes ausmacht! — bringt Venezuela jahrlich eine halbe Milliarde Bolivares ein. Es wird hauptsachlich in rohem Zustande mit flachen Tankdampfern nach den, nahen hollandischen Kolonien exportiert, wo es raffiniert und weiter verkauft wird. Nach einer amtlichen Statistik wurde das in Venezuela bis Ende 1936 investierte ausländische Kapital auf 400 Millionen Dollar geschätzt, wovon auf britisches Kapital annähernd 125 Millionen, auf nordamerikanisches 247 Millionen entfielen. Diese Summen stecken hauptsächlich in der ErdAl-Industrie; die vorwiegend englisch« Shell und die amerikanische Standard Oil Cjy. sind beide in Venezuela stark vertreten. Hinter dem Petroleum treten alle anderen Bodenschätze an Bedeutung weit zurück. Es gibt eine ganze Reihe von Asphalt\orkom«nen, von denen aber nu> eins, bei Guanoco, durch eine amerikanische Gesellschaft ausgebeutet wird. G ol d,. das hauptsächlich in der Gegend von ( iudad Bolivar gewonnen wird, bildet schon seit längerer Zeit einen erheblichen Esportartikel Venezuelas. Allmählich verschiebt sich das Zentrum der Produktion ostwärts an die Grenze von Britisch Guayana. An der' Goldgewinnung sind vor allem drei frone ausländische Gesellschaften beteiligt. Das Gold wird per lugzeug aus der Minengegend nach Maracay gebracht. Die Produktion betrug 1834: 3 392000 Gramm. ' Kohle von guter Qualität wird bei Naricual in .staatlichen Bergwerken gewonnen und w Briketts verarbeitet. Es gibt auch einige Vorkommen an anderen, für die Verschiffung günstig gelegenen Orten. :; »Kupfer wird bei „_Axoa von der Südamerikanischen KupfergeaeUschaft gewonnen.. Früher wurden noch andere Vor- . kommen ausgebeutet, doch hat dort •die'. Produktion aufgehört Industrie. Gegenüber der Ausbeutung der reichen Bodenschätze, die auch einen, großen Teil der verfügbaren Arbeitskräfte tles Landes beansprucht, tritt die verarbeitende Industrie des Landes an Bedeutung zurück. Am wichtigsten ist hier, wie in den meisten neu* industriali- sierten Landern, die Textil-Industrie, die bezeichnenderweise ' mit der' Herstellung billiger, für die Kauf- . kraft der armen Masse erreichbarer Artikel begann. 1932; besaß Venezuela zehn Baumwoll-Textilfabriken,. Ferner bestehen im Lande Schah- und Lederfabriken, deren Produktion von guter Qualität ist. Die größten Gerbereien befinden sich in Caracas, Valencia und La Guaira Eine Papierfabrik deckt fast den ganzen Inlandsbedarf. 5 Bierbrauereien arbeiten größtenteils für den einheimischen Markt. Nicht unerheblich ist ferner die I>ebensmittelindustrie, die Schokolade, Nudeln, Mineralwasser usw. produziert. Verhältnismäßig bedeutend ist die Fabrikation von Strohhüten. Endlich betreibt Venezuela seit 1930 auch die Seidenraupenzucht; che Zahl der angepflanzten Maulbeerbäume wird auf 150000 an- 1*; \■ : "■■. cV- : ■■ s 4. Verkehr Venezuela besitzt das beste und größte Straßennatz Südamerikas. Dieses. Land des billigen Petroleums wird von vielen guten Autostraßen durchzogen, so daß es möglich ist, in weitem Maße den früher üblichen Transport mittels tierischer Kraft jetzt durch Lastkraftwagenverkehr zu ersetzen; doch werden auch heute noch Esel- und Maultierkarren viel benutzt. Von Caracas auagehend führt je eine Hauptstraße nach dem Westen, Osten und Süden des Landes. Man unterscheidet Susnmlmdstraßen and solche, die im wesentlichen die i Verbindung zwischen sintai Hafen und dem Innern darstellen Des Nets dieser zweiten Art ist natürlich von besonderer Wichtigkeit für den Außenhandel; seine 1-änge beträgt etwa 4300 lern, die der Staromlandstraßen etwa 9090 km Das Eisenbahnnetz wird von zwölf Hauptlinien gebildet; von diesen sind sechs venezolanisch, sechs ausländisch (fünf britisch und eine spanisch). Außerdem ' .fl V I'., m *. ■ $ * I< * . •. \ . ■ ~ ~ ' : . ■< * •' \ k ' 1 k V'v ijS *S; „.- ■ ' , s - ' besitzen aber die ÖUesalfachaftcn noch eigene Eisenbahnen in einer Länge von ungefähr 100 km. Die „große " Eisenbahn von Venezuela1', zwischen Caracas und Valencia ist mit rund 180 km eine der längsten Liniender Republik. Insgesamt beträgt die Länge des venezolanischen Eisenbahnnetzes (die Linien der Oelgesellschaften ausgenommen) annähernd 1000 km. Die Seeschiffahrt liegt in den Händen ausländischer Gesellschaften; dagegen ist die Fluß- und Küstenschiffahrt durch Gesetz den venezolanischen Schiffen vorbehalten. Auf dem gewaltigen Flußsystem des Orinoko hat—die-Venesolanieohe Schiffahrtsgesellschaft tatsächlich ein Monopol. 5. Außenhandel Venezuela hat eine stark aktive Handels: bilanz; die Ausfuhr ist um ein Mehrfaches größer als-'' die Einfuhr. 1934 betrug die Ausfuhr rund' 671,9 Millionen Bolivares; die Einfuhr 132 Millionen; im Jahre 1933 betrug die Ausfuhr 617,5 Millionen, dp, Einfuhr 143,6 Millionen Bolivares. Mehr als drei ViertejpBer Ausfuhrwerte lieferte das Petroleum. Danach bildeten die wichtigsten Posten der Ausfuhr: Kaffee, Kakao, Balata (eine Gummiart), Häute und Felle; auch Zucker, Asphalt, Kern, Perlen, Kupfererze und Tabak spielten eine Rolle. Dagegen waren die Haupteinfuhrwaren Venezuelas Maschinen und Apparate (1934: 6,8 Millionen Bolivares), Automobile (4,2 Millionen), Eisenwaren, Zement und Weizenmehl. 6. Konjunktur Die wirtschaftliche und politische Zukunft Venezuelas ist zur Zeit in hohem Maße ungewiß. Seit dem Tode des Diktators Gomez hat das Land sein neues Gleichgewicht noch nicht gefunden. So fanden eine große Reihe von Streiks statt,- die im Mai und Juni 1996-mit schweren Unruhen in Caracas, Maracaibo und im Petroleumgebiet ihren Höhepunkt erreichten undauch durch Einsatz des Militärs nicht gedämpft werden konnten. Die Aussicht auf wirtschaftliche Konsolidierung wurde da- . durch in weite Ferne gerückt " Andererseits macht sich aber der Einfluß dreier günstiger M o m e n t e geltend. Zunächst hat die Regierung durch Einsatz öffentlicher Arbeitsbeschaffungsmittel nicht nur die Arbeitslosigkeit stark verringert, sondern auch das Lohnniveau Kräftig gehoben. Die ehedem (unter einseitiger Bevorzugung der Petroleumindustrie) stiefmütterlich behandelte.Landwirtschaft ist durch die Gewährung von Exportprämien, Lohnbeihilfen usw. wettbewerbsfähig geworden. Vor allem aber bemühen sich der neue Präsident und seine Regierung, das Prinzip der Gewerbefreiheit und der Wirtschaftsgleichheit zu Ehren zu bringen,' wo früher in Handel, Verkehr und Industrie zahlreiche, zum Teil mit öffentlichen Mitteln gegründete Privatmonopole oder privilegierte F.inzelunternehmer geherrscht hatten. Überhaupt versucht man die Wirtschaft von den zahllosen Nachwirkungen der unter dem Präsidenten Gomez weit verbreiteten politischen Korruption zu befreien. -r Von den weiteren Wirkungen dieser politischen Faktoren sind vor allem folgende hervorzuheben: Die Einfuhr dürfte durch die im Regierungsprogramm angekündigten großen öffentlichen Aufträge einen Auftrieb erfahren. Dagegen machen sich in der Verbrauchsgüter-Industrie die Spuren dar politischen Ereignisse, insbesondere der Streiks und der erzwungenen Lohnerhöhungen, nachteilig bemerkbar. Auch ist-, die Kreditsituation durch die monatelange Ungewißheit über die politische Entwicklung naturgemäß ungünstig beeinflußt In «ein wirtschaftlicher Hinsicht machen sich überwiegend günstige Tendenzen fühlbar. Zwar wies der Kaifeepreis auf den Auslandsmärkten noch keine Besserung auf, aber mengenmäßig lag die Kaffeeausfuhr 1935 weit über der des Vorjahres. Der Kakaopreis hatte sich an dea Auslandsmärkten erheblich gehoben. Vor allem aber erreichte* .die Petroleum-Produktion 1936 eine Rekordhöhe und weist seitdem noch weiter steigende Tendenz auf. \ Insgesamt kann kein Zweifel darüber bestehen, daß das Land wirtschaftlich große Entwkhlungsmöglichkeiten bietet, sofern nur eine politische Konsolidierung eintritt -y ,■• >.? v.v, %wt» ' 7. y. i <*§ •■>■■ i . ■'• M ■ »v V 1 * *>:'.'; ,

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