Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1936. Bestand UB Ffm
- Issue
- September 1936
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 112 (sequence 118)
- Language
- German
- Belongs to
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.1 .-V-TT^- I A Die höh« Sterblichkeitsziffer liegt zweifellos in hohem Maße an dm^JS^ßUäAm Lssxaiwsisi der Eipstetprsaea Ftr Europäer wird empfohlen, möglichst wenig Fleisch xu essen und kein ungekochte* oder ungefiltertes Wasser zu trinken. Die arztliche Versorgung des Landes .gilt als nicht schlecht. Die Aerzte sind nahezu ausschließlich. Venezolaner, sollen aber gut ausgebildet sein. 3. Bevölkerung *» Die drei Millionen Seelen zahlende Bevölkerung besteht aus Weißen, Indianern, Negern und vor allem aus Mischlingen ans diesen drei Rassen. Die Zahl der reinen Weißen wird auf nur etwa 60 000 Personen geschätzt, die der Indianer soll 130000 bis 140000 betragen; die Neger durften etwa 10 bis 12 «fo der Bevölkerung ausmachen. Demnach besteht die große Masse aus Mischlingen, und zwar sind es in der Hauptsache Mestizen (also Abkömmlinge von Indianern und Weißen). Die Zahl der Ausländer in Venezuela beträgt nur etwa 32000, davon 1100 Deutsche. Der große Strom der modernen Einwanderung hat Venezuela bisher noch nicht erfaßt, was einerseits auf die wenig einwanderungsfreundliche Politik der Regierung, andererseits auf die vorläufig stärkere Anziehungskraft solcher Linder wie Argentinien, Brasilien und Chile zurückzuführen ist. Es erscheint aber nicht zweifelhaft, daß weit«' Teile des Lan- des, die in der gemäßigten Klima-Zone liegen, alle naturlichen Voraussetzungen für die Aufnahme großer Massen von europäischen Auswanderern besitzen und diese früher oder später wohl auch anziehen werden. *'" '*',/• y-" *, vT* ■. : '* *•■*/•'*:• V'Verfassung und Innenpolitik______ / * * Venezuela ist ein Bundesstaat, der aus 20 F.inzelStaaten, einem Bundesdistrikt und zwei Territorien besteht. Das Land hat eise republikanische Verfassung mit einem Senat und einem Abgeordnetenhaus, die in jedem Jahr im April zum. Kongreß zusammentreten. Tatsächlich war aber die ganze .Macht im Lande 27 Jahre hindurch in der Hand eine» Mannes vereinigt — in der .Hand des Oberaus tüchtigen, besonders als Wirtschaftspolitiker erfolgreichen, aber auch selbstsüchtigen und in der Wahl seiner Mittel skrupellosen Generals und Staatspräsidenten Juan Vicente G o m e z. 'Nachdem seine eiserne Energie jeden Parteistreit, aber auch fast jedes politische Leben lange Zeit hindurch unterdrückt hatte, mußte sein Tod im Dezember 1935 das Land vor eine. Wende seines Schicksals stellen. Es folgte eine recht unruhige Zeit, und bis in die letzten Monate erschütterten große Streiks das,Land. Doch scheint sich der mit großer Mehrheit zum Präsidenten gewählte Generai Contreras, gestützt auf die wohlorganisierte Armee, allmählich durchzusetzen. Dar neue, auf sieben Jahre gewählte Präsident will das Land einer freieren Entwicklung zufahren und hat auch schon eine Reihe entsprechender Maßnahmen getroffen. Sein weiteres Programm umfaßt vor allem die Reform des Arbeitsrechtes (mit der Schaffung eines nationalen Arbeitsamtes), fernerdringend notwendige Maßnahmen zur Hebung der Volkss^undbett, neue Verbesserungen dar Straßen- und Hafenbauten, Reformen im .Erziehungswesen usw. Aach eine energische Forderung^er Kolonisation wird beabsichtigt, doch ist hierbei weniger an die Besiedlung des Landes mit Aus UtjSjnrn als an „innere Kolonisation" gedacht. i i Venezuela ist das einzige Lind in ganz Südamerika, das seit 30 Jahren keine Schulden mehr 'im Ausland gemacht hat Aach seihe inneren Staatsschulden sind nur minimal. Infolge seiner mannigfachen Naturschätze, besonders aber des Petroleums, ist Venezuela so reich, diu der Staat nur geringe Steuern von seinen Bürgern'erheb: Venezuela war bisher eines der ganz wenigen Lander in Südamerika, das von jeder Devisenbewirtschaftung frei blieb. Doch hat sich in der allerletzten Zeit die Devisen läge, vor allem im Zusammenhang mit den großen Streik s auf den ölfeidern, sehr wesentlich verschärft, so daß die Einführung einer Devisenkontrolle sehr wohl möglich erscheint. 2. Land- und Waldwirtschaft Feldbau. Die Hauptprodukte der venezolanischen Landwirtschaft sind Kaffee, Zacker, Baumwolle, Kakao, Tabak und Tonkabohnen. Kaffee und Kakao allein machen ungefähr drei Viertel des gesamten Exportes von Agrarprodukten vor .•—---■*-—_„__j". . W issenschaftliche Ackerbaumethoden werden in den neuen landwirtschaftlichen Stationen gelehrt, die in der Hauptstadt jedes der 20 Einzelstaaten errichtet worden sind. Kaffee ist das wichtigste Agrarprodukt des Landes. Der Kaffeebaum wichst in dar gemäßigten Zone in einer Hohe zwischen 500 und 1400 m Aber dem Meeresspiegel.' Ungefähr 220 000 ha sind mit Kaffee bebaut Die'wichtigsten Erporthäfen sind Maracaibo, Puerto Cabello und La Guaira. Der vorzügliche Kakao, der in Venezuela wichst, wird hauptsächlich nach den Vereinigten Staaten exportiert. Nach nichtoffiziellen Schätzungen wurden 1934 13000 Tonnen geerntet, die zum weitausgrößten Teil exportiert wurden. Rohrzucker wird hauptsächlich ftr den eigenen Be Maie erst exp ternte, die \ im Lande zu Zigarren und Zigaretten ^verarbeitet * HL Dia Wirtschaft 1. Währung und Finanzen 4.» Währungseinheit ist der Bolivar 100 Centimos. Die ursprüngliche Goldparität des Bolivar betrug 9>,a englische d; 1 englisches £ war — 25,25 Bolivares. Demnach betrug die Goldparität des Bolivar in deutschem Gelde etwa 80 Pfennig. Infolge des Goldausfuhrverbotes von 1930 sank aber der Wert des Bolivar, der augenblicklich etwa 0,63 RM. beträgt . Es besteht eins Staatsbank in Caracas. 1085,wurde eins Novelle zum Staatsbankgesetz erlassen, nach deren Durchführung die Banknoten der Staatsbank zu 85,57 <¥» durch Gold gedeckt sein werden. Außer der Staatsbank bestehen noch mehrere inländische Banken sowie Niederlassungen großer Ausländerbanken.; i . « » * ' lAi * III i ••> •tf *v darf gebaut und könnte in noch viel gröl werden.. 1934 wurde etwa ein »Heittel der Ernte exportiert. erzeugt Recht bedeutend ist auch die Tabakernte, die vollständig wird. Es , gibt Fabriken in Caracas, Puerto Cabello und anderen Orten Zorn Baumwollanbau eignen sich große Strecken Landes. Es wird teilweise eine erstklassige Baumwolle erzeugt. Nahezu die ganze Produktion wird auch im Lande verarbeitet und verbraucht. Im westlichen Tau aas Landes war den Weisen, Mais, Reis usw. aar für den eigenen Bedarf gewonnen. Für daa Export war früher die Tonkabohne von erheblicher Bedeutung, doch hat in* letzter Zeit die Erzeugung .sehr nachgelassen, da es an Absatz fehlte.' ■ ± > Waldwirtschaft Gewaltig ist der Holzreich tum des Landes; zählt man doch etwa 600 verschiedene Holzarten. Wirtschaftliche Bedeutung besitzen besonders folgende Erzeugnisse der Waldwirtschaft: Farbstoffe,verschiedene Gerbrinden, wertvolle Bauhölzer, Medizinalpflanzen, Gespinstpflanzen, sowie Kautschuk und Gummi. Freilich besitzt dieser letztere heute, im Zeitalter, der Kautschukplantagen, nicht mehr im entferntesten die Bedeutung wie früher, als nur dar wildwachsende Kautschuk durch Raubbau gewonnen wurde. Zum großen Teil ist der Reichtum der venezolanischen Wälder noch ungenutzt; riesige Urwälder harren der Erschließung. — \ iezuebt. Ungefähr ein Drittel des Landes eignet sich zur Viehzucht Die ungeheuren tropischen Tiefebesen der Llanos, die vom Orinoko und seinen Nebenflüssen bewässert werden, sind (war als Weideflächen nicht mit der argentinischen Pampa zu vergleichen, tragen aber auch gewaltige Viehherden. Der Mangel an Transportmitteln hat bisher allerdings die Entwicklung der Viehsucht stark behindert. Neuerdings versucht besonders ein großer englischer Kon zern durch Einfuhr erstklassiger Zuchttier* die einheimischer Rinder- und Schafrassen zu isiliasssia — Der Rindvieh bestand soü etwa 8 Millionen Stack betrag««; nicht viel Springer dürfte die Zahl der Ziegen und Schafe sein. Die Häuu und Feile dieser Tiere bilden wichtige Exportartikel. 3. Bergbau und Industrie Venezuela ist reich an Bodenschätzen. jDa* Erdöl das in der modernen Technik und Wirtschaft eine s«> einzigartige RoUe spielt besitzt eine Oberragende Beden I •i T* . Y.:-;! < a v ■;; * s» I .' 1 i ■ ' » t . u, ( : ' i i V. . r c: I > i