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Jüdische Auswanderung · 1936-09-01 · September 1936 · p. Seite 102

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1936. Bestand UB Ffm
Issue
September 1936
Date
1936-09-01
Page
Seite 102 (sequence 109)
Language
German
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I > v ' 7^ .' £ . . .-.. ö ■ hervor: ein Junggeselle kann schön mit 65 bis 75 Sole« monatlich auskommen, eine vier- bis fünfköpfige Familie braucht etwa 150 bis 180 Solea. Die Ausgaben verteilen sich folgendermaßen: Für den Jungsesellen: Miete für ein Zimmer 15 Solea Ernährung 50 Solea Verschiedene« 10 Sole« 5. die jüdische Gegenseitigkeit»-Vereinigung; 6. die sepbardische Wohltätigkeits-Gesellschaft, die einen Tempel besitzt und ein« unabhängige Tätigkeit entfaltet; 7. verschiedene Jugendgruppen und zionistische Gruppen. . in Lima erscheint in spanischer Sprache die jüdische Zeitschrift „Nosotros" und als jiddisches Wochenblatt die „Peruaner jiddische Zeitung". - .■ M Für die Familie: Miete für zwei Zimmer Ernährung Verschiedenes 75 Soles 50 Soles 100 Soles 30 Soles 180 Soles VIII. Brief ans Peru Wenn also ein Arbeiter, Handwerker oder Angestellter drei bis fünf Soles taglich verdient, kanner schon seinen Lebensunterhalt bestreiten. Und mit der Zeitkann sich seine Lage bessern, und er kann, wenn er tüchtig ist, zu sparen beginnen, wie viele Einwanderer, die seit einigen Jahren in Peru ansässig sind. ' '^^ffi^ ä'^' t V*•.}«.•'. VI. Kulturelles Perus allgemeines Bildungsniveau ist noch sehr niedrig. Vor einigen Jahren wurde der Anteil der Analphabeten an der Gesamtbevölkerung auf 70 » o geschätzt. Das Bildungsniveau der Indianer wurde in früheren Zeiten gewaltsam nach unten gedrückt. Jetzt gibt es gemäß der Verfassung Grundschulen, deren Besuch, wo es irgend möglich ist, zur Pflicht gemacht wird. 1928 wurden 3409 solche Grundschulen gezahlt, die von 308 450 Schülern besucht wurden. Auf die sechsjährige Grundschulausbildung baut sich eine fünfjährige höhere Schulausbildung auf, deren Absolvierung den Besuch der Universitäten ermöglicht. Die Abschlußprüfung der höheren Schalen bestanden 1928 nur 4414 Schüler. Die Gesamtzahl aller Lehrer betrug 6ä58 Die Landessprache ist Spanisch. ''•• MmMk^i^J^'"' •,*^ff<T' V"'^'.*"''' '"' >"'. H£' ->«? . Vn. Jüdisches Lebet) Man schützt che jüdische Bevölkerung von Peru auf 1500 Personen, von denen 250 in Lima und im Hafen von Callao leben. Die Mehrheit — Kramer und Hausierer — hat sich im Lande nach .1920 niedergelassen. Das jüdische Gemeinschaftsleben ist rege; es existieren eine ganze Reihe von Vereinigungen, die sich der Wohltätigkeit, politischen oder geselligen Zwecken widmen: 1. die Israelitische Wohltätigkeit« - Vereinigung deutscher Sprache, die vor 80 Jahren gegründet worden ist, und deren Aktivität infolge, der letzten Ankunft« gesteigert worden ist; 2. die Israelitische Union von Peru, die 1921 gegründet werden ist, und die Einwanderer östlichen Absprungs umfaßt; sie besitzt ein eigenes Hau«; 3. der jüdisch« Frauenverein von Peru; "i 4. die Gesellschaft der Kaufleute mit Abzahlungsgeschäften; Leber das Leben einer jüdischen Einwandererfamilie in einer Provinzstadt Perus unterrichten/folgender -Brief aus Trujillo vom 29. Marz 1936. Du fragst, ob es uns gefallt; es hat nicht viel zu gefallen, denn Trujillo ist eine kleine Stadt von 25000—30000 Einwohnern. Wie die liebe Erni Euch schon gesehrieben hat, sind hier keine Dächer auf den Häusern, denn es regnet hier sehr selten. Da es aber, in der Zeit, seit wir da sind, zweimal geregnet hat, so hat es in die Stuben reingeregnet. Du fragst, womit sich die Emigranten beschäftigen. Hier gibt es sehr wenig Juden in Peru, da« dreimal so groß ist wie Deutschland. Es sind heute im ganzen 1200 bis 1900 Juden. In unserer Stadt sind 30 bis 35 Familien, die jüdisch« Kolonie macht «ich, es ist da ein Verein, eine große Bibliothek, spanische und jüdische Bücher sind da, ein Zimmer als Bethau«, es wird sehr selten gebetet..' Die meisten der Juden haben Abzahlungsgeschäfte und ich auch. Mein Schwager hat mir einen Kredit verschafft und ich baue mir ein Abzahlungsgeschäft auf; ich habe eine außergewöhnlich schlechte Zeit angetroffen, denn es ist hier ein sehr schlachter Präfekt gewesen. Erhst verboten, in einigen Gegenden zu arbeiten, aber er' ist gestern abgesetzt worden. So hofft man, daß es wieder gut wird. Einen Wandergewerbeschein kauft man sich hier, dieser kostet 9 Sol im Monat 4 Sol sind ein amerikanischer Dollar. Es kann steh Jeder, der will, ein Gewerbe kaufen. Zu arbeiten ist es hier eichter als in Deutschland, denn es sind keine Treppen zu steigen und ein Junge trägt den Koffer nach. Auch hat hier jeder mindestens eine Magd, wir natürlich auch, sie bekommt 5 Sol im Monat mit Essen. Mir gefällt es hier sehr. Dar lieben Erni gefallt es hier nicht besonders, aber aie wird sich auch gewöhnen. Den lieben Kindern gefällt es hier, sie verstehen sich mit den, Kindern von L. sehr gut,- auch die liebe Erni versteht sich sehr gut mit meiner lieben Schwester. Jetzt kann ich Euch mitteilen, daß wir eine Wohnung haben, 4 Zimmer, Küche,- Innenklosett, eine Dusche, elektrische« Licht und Wasserleitung. Es kostet 40 Sol im Monat, dies ist 10 Dollar. Gekocht wird hier auf einer Spezialküohe mit Holzkohle, es kocht da sehr schnell, nur ist es sehr heiß dabei. Hier ist Sommer vom 21. Dezember bis 20. März mit einer Temperatur von 30—35 Grad im Schatten, vom März bis Dezember ist Herbst. Winter und Frühling sind aber nicht voneinander zu unterscheiden, «s ist wie bei Euch' ein kalter Sommer, bloß es regnet nicht Der Lebensunterhalt ist hier sehr billig, es kostet hier 1 kg Fleisch 50 Cent (USA.), das ist 2 Sol. 1 kg Zucker 25 Cent. 1 Ananas 10—20 Cent Hier kocht man nur mit Oel, kostet 00 Cent eine Flasche. Schmal« wird hier nicht, gebraucht. Das Klima ist hier sehr gut Hier gibt es kein Brot, nur Brotchen, auch sehr wenig Butter, i Liter Milch kostet., 15 Cent. Von koscher weiß man hier nicht viel, Pefiach wird eich hier nur durch die Mazzes unterscheiden, sonst durch nicht«. Ich kann' mich schon -mit den Kunden, verständigen, ich gehe schon selbst verkaufen. Die ersten .zwei Wochen ist ein Verkäufer mitgegangen, der bekommt 10 0 o vom Verkauf, und jetzt ^ehe ich schon allein, und ein Junge, ein Schwarter, trägt K Pp! . . - ( {KT . \ '. ' . * ■ I .-'•V:. •, ■ , : ':-^m&SJa^^»'/-i •■ lf&, 8& ■v*-;-~.-. '•;.••>;•- 1 ../..■ . 'J^T-V '- ' - I : ■ ■• ' . ." 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