Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1936. Bestand UB Ffm
- Issue
- September 1936
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 99 (sequence 103)
- Language
- German
- Belongs to
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a Bevölkerung Einem uns von der Hicem liebenswürdigerweise zur Verfugung gestellten ausführlichen Sonderbericht über Peru entnehmen wir folgende Angaben: Da seit 60 Jahren keine Volkszählung stattgefunden hat, gibt es nur vage Schätzungen der heutigen Volkszahl, und ebenso wenig weiß man Aber die Verteilung dtr Peruaner auf die verschiedenen Berufe. Man hofft aber, 1937 mit einer Volkszahlung und anderen wichtigen statistischen Erhebungen wenigstens beginnen zu können. Augenblicklich schätzt man die Bevölkerung des Landes auf 6,4' Millionen Seelen, die sich auf eine Oberfläche* von 12*4577 qkm verteilen. 'Bei einer Gesamtzahl von 6,4 Millionen Einwohnern schätzte man am 81. Dezember 1936 die Zahl der Aufländer insgesamt auf $8550, nämlich: 21 500 Japaner ~~. ntrVmmmr—^-^--r——- 8000 Italiener * 2000 Spanier ' 4000 verschiedene andere Nationalitaten. Die große Mehrheit des peruanischen Volkes besteht schätzungsweise aus einer Million sogenannter weißer Peruaner, ferner l>/> Millionen Mestizen und ungefähr 4 Millionen Indianern, unter denen noch manche Wilde sein, sollen. Die Indianer, die größtenteils in der Sierra, aber auch im Waldgebiet und um den Titicaca-See herum wohnen, stehen auf primitivster Kulturstufe. Jetzt durch jahrhundertelange Unterdrückung und Ausbeutung noch verkommen, werden sie vielleicht-in Zukunft, wenn die bestehenden Erziehungspl&ne durchgeführt werden, ein wertvolles Staatselement bilden. Die Japaner l«eschaftigcn sich in ihrer Mehrheit mit Ackerbau, und zwar' vor allem mit dem Anbau von Baumwolle and Gemüse an der Kiste. Man glaubt, daß sie in ' diesem Wirtschaftszweig mehr als alle anderen leisten. Andere Japaner widmen .sich In den wichtigsten Städten des Landos dem Handel. Sie leben sehr sparsam und machen große * Ersparnisse. Sie halten die Eigenschaft, sich nicht endgültig im Lande niederzulassen, sondern in ihre Heimat zurückzukehren, sobald sie eingewisses Kapital zusammen haben. Sie verkaufen oder Obertrageft ihr Eigentum ausschließlich an ihre l andsleote und assimilieren sich in gar keiner Weise. Sie haben . ihre eigenen Schulen und zwei Zeitungen in Lima. ' Die Chinesen werden als die unerwünschtesten Einwanderer betrachtet und ihre Einwanderung ist gesetzlich beschrankt. Man laßt nur 20 monatlich ein. Um überhaupt Inigelassen zu; werden, müssen sie beweisen, daß sie sehen vorher dort ansässig waren. Sie widmen sich im allgemeinen dem Einseihandel. Sie assimilieren sich und versuchen, sich dem Leben de* Landes anzupassen, Die Italiener und Spanier lassen sich im allgemeinen nicht dauernd im Lande nieder und kehren in ihre Heimatlander zurück, wenn sie ein bestimmtes Kapital erworben haben. Im allgemeinen treiben sie in den vermiedenen Provinzen Handel; nur sehr wenige widmen sieb der*Landwirtschaft. Unter den 4000 Angehörigen verschiedener Nationalitäten finden sich eine gewisse Anzahl von Amerikanern und anderen Ausländern, die Vertreter der Bergwerksgesellschaften sind. Man-schaut ihre Zahl auf ungefähr 2500. Der Rest — nämlich etwa 1600 — sind .Juden •< <,;.;. •: . V '■• -'■ ' V I .«yv».»«k «*?•; 4. Regierungsform und Innenpolitik Die neun Verfassung Peru» wurde am 9. April 1933 erlassen. Die Legislative Übt ein auf fünf Jahre, gewähltes Abgeordnetenhaus gemeinsam .mit einem auf _je sechs Jahre gewählten Senat aus. 'Die Exekutive liegt beim Präsidenten, dessen Amtsperiode-Iunf Jahre wahrt. Wahlp flicht ig sind die Männer über 21 Jahre, soweit sie keine Analphabeten sind; Frauenwahlrecht existiert nur für Munizipalwahlcn. Seit Mai 1935 bestellt ein ausschließlich aus Militärs gebildetes Kabinett. Religion»-, Denk- und Pressefreiheit sind von der Verfassung zugesichert. Mitglieder „politischer ^Parteien internationalen Charakters" dürfen kein öffentliches Amt bekleiden. Die S t a a t s r e 1 ig i o n ist katholisch; neben Uruguay ist jedoch Peru das einzige Land Südamerikas, in den» «um Ehescheidung (bei gegenseitiger Zustimmung) gesetzlich gestattet »et Im ganzen gilt die augenblickliche > Lage als . sehr befriedigend. Die Regierung ist unabhängig und sorgxvfOr Sen Wohlstand und den Fortschritt des Landes. Besondere [ochschätzung genießt der Präsident. Man hat aber große Furcht vor der Einwanderung kommunistischer* Elemente und ergreift gegen sie alle Vorsichtsmaßregeln, besonders seit den letzten Unruhen in Brasilien, Uruguay und anderen Ländern. HL Die Wirtschaft Perne Wirtschaftsleben wird gegenwärtig durch seine Bergbau- und Agrarerzeugung, in gewissem Umfang auch durch seine Waldwirtschaft bestimmt. Perus zukunftige industrielle Entwicklung durfte vor allem von der Verbesserung seiner Verkehrs Verhältnisse abhängen, die auch die Voraussetzung für die kolonisatorische Erschließung weiter und reicher Gebiete bildet. ----i-*r~S.— -t Iriff^wirtschaft Bedeutsamstes Agrarprodukt Perus ist die Baumwolle, die hauptsächlich in den Küstentälern kultiviert wird. Fünf Hauptsorten werden unterschieden. Etwa 40 000 Landarbeiter sind auf den großen Gütern durch die Baumwollwirtschaft beschäftigt, zu denen noch Tausende von kleinen Anbauern kommen. Eine etwaige Baumwollkonjunktur kommt also in Peru nicht nur wenigen Großunternehmern zunutze. Mit Ausdehnung der Bewässerungsanlagen wachsen die Hektarerträge ständig*. Peru hat als Baumwollerzeuger eine große' Zukunft. Die Produktion Ton entkörnter Baumwolle betrug im Erntejahr 1932 33 602 000 dz, die von Ha um wollsamen 1 024 000 dz in der gleichen Periode. Der Exportwert der Baumwolle betrug 1934 etwa 81706000 Soles (1 Sol 0,62 RM). Die Produktion von 1936 wird auf 80 000 bis 86 000 t geschätzt. Die Verarbeitung des Baumwollsamens ist für Perus Industrie von grußer Bedeutung. 8000 t Oel und 28 000 t Ölkuchen betragt die jährliche Produktion. Es bestehen noch bedeutende Möglichkeiten des Anbaus, inabesondere aber, dar industriellen Verwertung der B a u m w o 1.1 Ur e r-Zeugnisse. Als außerordentlich günstig sind die klimatischen, boden- und produktionskostenmäßigen , Voraussetzungen des Anbaus von Rohrzucker, Perus zweitwichtigstem Agrarprodukt; zu bezeichnen. - Das Anbaugebiet zieht 'sich Aber den ganzen Küstenstreifen hin,- geerntet wird während des ganzen Jahres. Von insgesamt 426000b Produktion iA> Erntejahr 1933/34 wurden-60000 t im Lande selbst verbraucht. - Exportwert 1934: schätzungsweise 26 474 600 Soles, was etwa 13" n des Gesamtexports Perus entspricht. Bis 1931 mußte Peru R e i s' m großen Mengen einfuhren. Seitdem ist es imstande, sich damit annähernd selbst zu versorgen. Die Weizen Produktion reicht nicht aus, den eigenen Bedarf zu decken. Durch rationellere Bewirtschaftung — Versuchsinatitute sind bereits eingerichtet — soll der Ertrag gesteigert werden. Dem Obstbau bietet Peru sehr große Möglichkeiten, die - freüich bisher noch unausgenutzt blieben. Die Anwendung moderner gärtnerischer Kultivierungsmethoden könnte europäischen Siedlern große wirtschaftliche und züchterische Erfolge bringen, da europäisch geschulte, methodisch arbeitende . Siedler den Japanern, die bisher den Obstbau betrieben, überlegen wären. Schon jetzt werden Erdbeeren,'Himbeeren, Brombeeren, Aepfel, Pflaumen, Datteln und besonder« schöne Orangen angebaut. -. - Die Reifezeit der südperuanischen vorzüglichen Trauben fallt mit der KnappheitsperioA der nördlichen Lander zusammen. Bananen müssen von Ecuador importiert werden, obgleich die peruanischen Küstentaler zu ihrem Anbau geeignet sind. Die Verwirklichung dieser onausgeschöpften Möglichkeiten und die Ausnutzung der schon vorhandenen Obstkulturen könnte einer fruchtverwertenden Industrie und Absatzorganisation zur Grundlage dienen (Konserven, Marmeladen, Fruchtsafte usw.).. Von I anderen Produkten seien hier noch Chinin, . Tabak, Kakao und Kaffee genannt; letzterer wird auch in geringen .Mengen exportiert (Wert 1934 : 2614000 Soles). Von diesen wie von allen oben genannten. Agrar- Rrodukten gilt das gleiche: Anwendung wissenschaftlicher lethoden und Bewässerungsanlagen vermögen ihren Anbau in kaum zu ahnender Weise zu fördern, da im allgemeinen Klima und Boden günstig und Landarbeitskräfte