Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1936. Bestand UB Ffm
- Issue
- September 1936
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 96 (sequence 100)
- Language
- German
- Belongs to
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man leicht, aber nicht heraus. In allgemeinen müssen die Menschen, die da« Land verlassen wollen, dies auf irreguläre Art mache«, und dies ist mit ungeheuren Schwierigkeiten «ad Gefahren verbunden. Die Leute müssen acht bis zehn Tage mit wenig oder gar keiner Nahrung durch den Urwald sich den \ Weg durch Gestrüpp bei Nacht bahnen, und kommen alle erschöpft hier an. Ich gebe wohl zu, daß es einzelnen Familien, die schon vor eineinhalb bis zwei Jahren nach Paraguay fahren, einigermaßen gut geht; die Mehrzahl der Juden, die nach Paraguay kommen, fahrt wieder Eierher zurück ohne Mittel. Eine Existenz ml gründen, und sei sie noch so klein, ist fast unmöglich dort, da die Eingeborenen keinerlei Bedürfnisse haben und alles schon int" Hiermit stimmt in vieler Hinsicht folgender Brief des E i n.w a n d e r e r s c h u t z - K o m i t e e s in Asuncion vom 27. Mai 1936 überein — den Enttäuschungen der Einwanderer über das Land entspricht eine kaum geringere Enttäuschung der einheimischen Juden über die Neueinwanderer: „Niemand darf und soll hierher kommen in der Absicht, auch mit noch so guten Sprachkenntnissen "einen Posten als kaufmannischer Angestellter tu finden (ebensowenig als Korrespondent). Niemand soll sich ferner der Vorstellung hingeben, daß hier viel zu verdienen wäre Eine gut bezahlte Stelle wird mit ca. f 2000 bis 5000 honoriert, was in Reichsmark ca. SO bis 50 RM. monatlich bedeutet. Die Kosten der Lebenshaltung sind in der Tat bezüglich einiger Punkte erheblich 'niedriger als in Deutschland oder Europa' im allgemeinen, man muß sich aber darüber klar sein, daß alles, was'aar Bequemlichkeit des Lebens gehört, hier noch Luxus ist und dementsprechend teuer bezahlt werden muß (s. B. Wohnungen mit Wasserleitung usw.). Unsere Erfahrungen mit jüdischen Einwanderern sind nicht die. besten, wofür schon die Tatsache spricht, daß ein großer Teil sich weiter' nach' Argentinien bzw. Brasilien gewandt bat Ein großer Teil der Leute, die auf das Land gehen, machen sich bei den. Eingeborenen dadurch unbeliebt und lächerlich, daß sie mit einer gewissen Ueberheblichkeit .vermeinen, mit den in Europa erworbenen Kenntnissen den gesamten Landbau hier modernisieren und revolutionieren zu können,. ungeachtet der gänzlich verschiedenen' klimatischen Bedingungen. Wir können Sie bei dieser Gelegenheit gleich darauf aufmerksam machen, daß der Eingeberene' es keineswegs liebt, von dem Gringo («lern Neuling) auf Schritt und Tritt auf Fehler aufmerksam gemacht zu werden; gerade dieser Punkt wird hier häufig als Argument der Fremdenhetze herangezogen. Zusammenfassend können wir Omen, nur sagen, daß die einsigen Chancen nur junge Kolonisten mit gutem Willen, viel 'Ausdauer und ohne die geringsten Spekulation»- oder auch nur Verdienstabsichten haben." *-• - Gans im Gegensatz zu diesen Aeußerungen stehen die zahlreichen Briefe, aus denen die Zufriedenheit der jüdischen Siedler mit ihrem Loa spricht Der folgende Brief stammt'aus Villa rica vom 10. Mai '4936: * -Eins Woche war ich in Asuncion, dannbin ich hierher gefahren. Zusammen mit einem polnischen Landwirt aus Biajy stak, den ich auf dem Dampfer kennenlernte, habe ich mir auf Municipalland ca. 1 ha mit Hans (zwei Stoben), Hühnerstall, Brunnen, bebautem Land (Baumwolle, Bananen, Reis, Ananas, Zucker usw.) ca. 00 Hühnern und Enten, sowie Inventar, gekauft. Da gibt es hier viel tu tun, der Winter ist dä und viel ist vorzubereiten. Es gibt hier fast kein Gemüse zu kaufen, and wenn, dann ziemlich teuer. So habe ich viel Weißkohl Blumenkohl, Salate, Tomaten und Gurken niiiilit, die gutes Geld'bringen sollen. Es gibt hier keine Kartoffeln, nur Bataten (süße Kartoffeln) und Mandioka, beides kaum zu essen. So werde ich Ende Juni ein großes Stück erst gut ausmisten und dann mit Kartoffeln bnuteea, die bringen miarlsssMn f 10 per Kilogramm. Auch Früchte sind hier knapp, bis auf Bananen und Orangen sowie Mandarinen So habe ich 100 Erdbeeren, viel Pfirsichbaume, verschiedene Pflaumen, Feigen und Limonen, auch 10 Yerbabaume gesetzt. Die Hühner und Enten sind in festem Bambusgehege separiert, das auch selbst geschnitten und gebaut ist Seit drei Tagen habe ich einen Almacen (Laden auf dem flachen Lande in Südamerika, in dem man alias mögliche kaufen kann), hier eröffnet; die Lage ist gut, denm es gibt weit und breit keinen. Wenn es so fortgeht, wie es beginnt, so ist unser Lebensunterhalt von $ 60 taglich gedeckt. Das will viel bedeuten, nämlich daß man nicht mehr zusetzt Das Land hier ist schön und gibt viel, fordert aber auch durch Insekten, speziell Ameisen, sehr viel. Es ist ein hartes Leben, aber man lebt frei, und wenn auch weder Zeitung noch Rundfunk hierher gelangen, so vermißt man doch nichts, man lebt so anspruchslos wie die Einbeimischen, deren Kinder im Adamskostüm zu mir kaufen kommen." Aehnlich äußert sich in einem langen Brief auch eine Siedlerin aus der Kolonie Carlos Pfannl im Früh- - jakr 1936: ' * ' , . „Sie wissen ja schließlich, woher ich komme, und da glaube ich' selber, will es schon sehr viel beißen, wenn , ich mich vom ersten Moment an' so wohl hier, fühle. Gewiß, arbeiten .muß man schön, aber das muß man ja schließlich überall auf' der Welt, doch die Männer müssen mehr ran als die Frauen; es wird froh um 6 Uhr gemolken, und Vieh, Schweine usw. gefüttert, dann gefrühstückt. Dann Holz schleppen, Mais brachen, Mais ernten, überhaupt Landarbeit als solche, bis ca. 12 Uhr mittags, dann. wird es zu heiß, und man kann in der Sonne nicht mehr arbeiten, bia drei oder halb vier Uhr. Man ruht ein wenig um diese Zeit, um gestärkt wieder an die .Arbeit zu gehen. Es ist schon immer was da zum Arbeiten, und Langeweile gibt es überhaupt nicht Dia Abende sind herrlich schön, und um spätestens 9 Uhr gebt man schlafen." Auswanderer! ■ ■ ,<» *». rächen! Ohne Kenntnis der Landessprache kein Vorwärtskommen) ' Besucht die Sprachkurse des Hüfsvereinst * : ■ ''■ ■'■..: ■- *■' •». V ■ :■ : ' .it.: _ *, . _ ■ % Ohne Sprachstudium künftig keine Unterstützung der Auswanderung! ■<\'yn'~ '(Mi\ -if^i, i-v> *>:,;'<*,-j \.i.f >nW^'■ . •< ■• ... J *~ ■ ■ ' V ' i : ■ Iii yr i - ■ ■■■■■ y. 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