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Jüdische Auswanderung · 1936-09-01 · September 1936 · p. Seite 95

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1936. Bestand UB Ffm
Issue
September 1936
Date
1936-09-01
Page
Seite 95 (sequence 99)
Language
German
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'. ' ' y i » p» I .Vj... ■ f f\ w •. v r'. Situation, beim Hauserbau, bei der Möbeltischlerei, beim ' Boot- oder Wegebau allein zurechtzufinden. ' - Derartige Kolonisten können damit rechnen, daß sie in etwa ein bis zwei Jahren vom Ertrage ihrer Arbeit lebten können. Mindestens solange müssen ihre Geldmittel/ reichen, um sich bescheiden ernähren und um Werkzeuge, Samen, Haustiere usw. kaufen zu können. Für diese Arbeiten kommt aber nur allerbestes Menschenmaterial in Frage, denn die Siedlungen liegen oft wwiijli mw ■llawi Vftrfr«iKr das Leben in der Einsamkeit, das Fehlen vnn gutm MtrnlVfi, Tiilim iii>h, Tele|ituin und oft sogar Post sowie die ungeheuren Entfernungen stellen außerordentliche Anforderungen an den Siedler. Im ganzen kann man sagen, daß Paraguay, besonders im Osten dea Landes, für junge, anpassungsfähige Pioniernaturen günstige Bedingungen zur Siedlung bietet; und von den Juden aus Deutschland, die sich zur Siedlung in Paraguay entschlossen haben, ist heutezum mindesten ein Teil mit seinem Loa recht zufrieden (vgl. hierzu auch die Briefe aus Paraguay). Endlich sei auch darauf hingewiesen, daß die Regierung nur die Einwanderung von Landwirten wünscht und diesen besondere Vergünstigungen gewahrt; die von den Immigranten far ihren persönlichen Gebrauch mitgebrachten Gegenstände, wie Kleidung, Möbel, Sämereien, Handwerkszeuge, landwirtschaftliche Maschinen usw., können vom Zoll befreit werden. . **V?T •vjrfc^gp^j "*K*^.|'*J >B«iH^f "f : -r "-~— —'•- <— V. Lebenshaltungskosten Paraguay ist für den, der mit etwas Geld einwandert, heute zweifellos eines der billigsten Lander der Welt — infolge dea Tiefstandes der Währung und der Niedrigkeit1 der Preise. Nach einer Aufstellung der ,JHicem" muß man fttr einen Ledigen monatlich ungefähr 3500 parag. Pesos rechnen, die sich folgendermaßen verteilen'. . Unterkunft (ein Zimmer far zwei- Per- .eonea kostet monatlich 900 Pesos) Pension Verschiedene« . " 850 Pesos 2600 Pesos 750 Pesos Zusammen 3 500 Pesos Nach, anderen, mehrfach bestätigten Mitteilungen, kann ein t a m i 11 e n h a u s h a 11 in Asuncion mit etwa 60 RM. im Monat (also etwa 6000 Pesos) beatritten werden; auf dem flachen Lande aber schon mit der Hälfte, d.h. 30 RM Allerdings sind in dies Ml Zahlen' Neuanschaffungen von Kleidern, die sehr teuer sind, nicht mit berücksichtigt. Ein Hemd mittlerer Qualität kostet 250—900 Pesos, ein guter Anzug nach Maß 4500—5600 Pesos, Schuhs 400—760 Pesos. Ist Paraguay demnach für diejenigen, die mit etwas Geld einwandern können, außerordentlich billig, so stellt sich daa Bild.wesentlich anders dar, sobald man die Lebenshaltungskosten mit den Löhnen und Gehältern vergleicht, die im Lande gezahlt werden. Arbeiter und Angestellte verdienen nur zwischen 60 und 150 parag. Pesos pro Tag; Handwerker können daa Doppelte verdienen, wenn sie sich niederlassen und auf eigene Rechnung arbeiten. (Mitteilungen der Hicem.) In letzter Zeit war sogar durch Preissteigerung wichtiger Waren ein solches Mißverhältnis zu den Löhnen und Gehältern eingetreten, daß eine Regierungskommission zur Preisüberwachung solcher Waren 'wie Fleisch, Mehl, Zucker Reis, Salz, Yerha Mate, Kaffee, Milch, Eier, Fett, OeL Kleidungsstücke, Schmieröl, Brennstoffe usw., eingesetzt wurde. Für diese Waren wurden Höchstpreise festgesetzt. Um die Lebenshaltung zu verbilligen, sollen Steuern und Zölle abgeschafft, die Einand Ausfuhr monopolisiert und ähnliche Maßnahmen getroffen werden. (Vgl. hierzu die „Briefe aus Paraguay".) VI. Kultur nncl Jüdisches Leben Das allgemeine Kulturniveau Paraguays ist niedrig. Das Land bat einen hohen Prozentsatz von Analphabeten. Es besteht zwar eine Schulpflicht, doch wird ihre Einhaltung nur in den größeren Stödten erzwungen. Es existierten in Paraguay 1932 im ganzen 750 Volksschulen mit 108 741 Schülern und 2300 Lehrern. Die Staatereligion ist k a t hol i sc h, döch werden andere Glaubensbekenntnisse im allgemeinen toleriert. Die jüdische Bevölkerung Paraguays ist gering, '^ifiw im gnnTfn Land..rund 1200 Juden, darunter ca. 200 Sefardim. Die Hauptgemein Je~ ist tn Asuntieii) w&. die Emigrationsgesellschaft ,Hicem' 1934 ein Einwanderungsschutz-Komitee gründete. Die Juden Paraguays bilden eine Alianza Israelita Paraguava." (Aua: Mark Wischnitzer: „Die Juden in der'Welt".) In den.. letzten drei Jahren sind Hunderte von Juden aue Deutschland nach .Paraguay gekommen. Ein großer Teil von ihnen ist aber, weil er in dem wirtschaftlich unentwickelten Land keine Existerfe fand oder das Klima und die primitiven Lebensverhältnisse nicht ertrug, wieder abgewandert, vor allem nach Argentinien und Uruguay. Ein anderer Teil ist, geblieben und ist, besonders soweit er nicht in städtischen Berufen, sondern als Siedler, lebt, mit seinem Los vielfach recht zufrieden. In Asuncion ist kürzlich ein Kulturverein der jüdischen Einwanderer aus Deutschland gegründet worden, der auch eigene Gottesdienste anhält Doch ist sein "Fortbestand noch nicht gesichert. Die schon länger ansässigen Juden stammen fast durchweg aus Osteuropa. Von ihnen'ist die Mehrheit im Handel tätig. Es gibt unter ihnen sehr wenig Industrielle und nur ein paar Handwerker. Die Gemeinde von Asuncion ist nicht reich, doch haben ihre Mitglieder auskömmliche Existenzen. Leider machen sich einige Spannungen zwischen den netten jüdischen Einwanderern aus Deutschland und den ansässigen Ostjuden bemerkbar. , * * '». ' x ... ■ ■ . VtX Briefe ans Paraguay •■-•.»'•'.'• ** ■ ' ■ ' '.. "... Für-die Enttäuschung vieler Auswanderer, die in Paraguay in -städtischen Berufen unterzukommen suchten, ist folgender Brief aus Argentinien bezeichnend: * ' ■. . , . . Buenos Aires, den 8. Juni 1036 „Ich möchte gleich vorausschicken, daß wir nur gut zwei Monate in Paraguay waren; in dieser Zeit kamen ca. 1Ü5 Personen dorthin und gingen auch alle wieder hierher zurück. Dies besagt schon alles, denn von den anderen, die nach uns noch nach Paraguay fuhren, kam und kommt der .größte Teil, wenn nicht alle, wieder zurück, sofern sie noch ein paar Mittel haben. . Daa Land selbst ist so arm Und die Bevölkerung so weit zurück, daß man von Kultur überhaupt nicht sprachen kann; •lies läuft barfuß, selbst Militär und Polizei. Die Hitze (45* C im Schatten), daa Ungeziefer, sowie die Klimakrankheiten sind für den Europäer auf die Dauer unerträglich. Die Verdienstmöglichkeiten, selbst wenn man den Lebensstandard noch so tief herunterschraubt, gleich null. Verhungern wird wohlkeiner dort, aber sich etwas zu erarbeiten, ist unmöglich. Die Lebensweise für den Europäer ist nicht billig und im Verhältnis zum Verdienst viel zu tauer; z. B. 1 kg Kartoffeln. kostete damals schon 16 bis 20 parag. Pesos, das Fleisch pro kg 14—20 parag. Pesos. Damit stimmt der Verdienst in keiner Weise überein; z. B. eine Hausangestellte erhält durchschnittlich im Monat mit Essen einen Lohn von 200 bis 250 parag. Pesos, in Reichsmark ca. 2 bis 2,50. Das ist in der Hauptstadt, wo jede Kanalisation und Wasserleitung fehlt, wie mag es dann erst auf dem Lande Das Entkommen aus diesem Lande ist fast eine Unmöglichkeit, dann Paraguay ist wie eine Mausefalle: hinein kommt ■ - *§^-..^re '.y&s&if^-1 a*j? e^.v«.* ■? ff JL JtukiöHUt DClUthti(iStt1l*&' für Jedermann durch gründliche «rstfcUerige Berufsansbilduof nach laafj. erprobt.Methode ia . V.__. . lU . J„,~* Gymn-.tlk, Aaeeitk. Ko.meUk, Schwedischer Heil- und Sportm.se.ge, ^O^ll^Ubm£St Ii*-™, TV L •rat* / Erste 4 bis 6 Uhr 17— min D*\*^nt%JMwwm '•*'"•'"**• Diplom-lehrerln MLTWimy MlfßSUnVaUtlM ß^lln W1S, KomUuuer Sir. I / J i 2324 aapr»«—ätee—etleoner rrä» Referenzen /, Aeritliche Mitarbeit 7 Unentfeltnch« BeoaTOftan; * Jl. .r_ 1*! ß ' .- .t r/. ' ti. i I . ., i t y i 95\ i ün i

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