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Jüdische Auswanderung · 1936-09-01 · September 1936 · p. Seite 76

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1936. Bestand UB Ffm
Issue
September 1936
Date
1936-09-01
Page
Seite 76 (sequence 80)
Language
German
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m 7. / was auf den an den Rhythmus der Jahresseiten gewöhnten Körper des Europäers ermüdend wirkt. In den heißen Gegenden des Landes sind Malaria, Dysenterie- (rote Rühr) und Haken wurmleiden häufig, in der gemäßigten Zone Haken wurmleiden; in den kalten Regionen treten öfter Typhus, Tuberkulose, durch Parasiten hervorgerufene Darmkrankheiten und harmlose Erkältungen auf. In verschiedenen Gegenden und sogar in manchen Städten findet man Lepra, doch Wird diese mit modernen Methoden unter Leitung eines jüdischen Arztes bekämpft. * Die Niederlassung in den hohen Regionen Aber 1500 m ist nur für Menschen mit ganz gesundem Herzen, zu empfehlen. Europäer pflegen zeitweilig die tiefer liegenden warmen Regionen zur Erholung aufzusuchen. Doch kann im allgemeinen gesagt werden, daß das Klima in mittleren und hfiheren Höhenlagen für gesunde Europäer zuträglich ist. Ein gunstiges Zeichen für die Gesundheit« - Verhältnisse des Landes ist die starke natürliche Vermehrung der Einheimischen; betrug' doch 1933 der Geburtenüberschuß 16 auf das Tausend der Bevölkerung! 3. Die Bevölkerung ■ " Von der etwa 8> a Millionen Seelen zählenden Bevölkerung besteht «der größte Teil aus' "„weißer Mischrasse", d. h. aus Mestizen (Nachkommen von Weißen und Indianern) und Mulatten, die aus der Kreuzung von Weißen mit Negern stammen. Die Zahl der reinen Neger wird auf 5 °,'o, die der reinen Indianer auf 2—5 °/o angegeben. Di« Zahl der reinen Weißen ist sehr ungewiß, da auch Mischrassige sich gern für Weiße ausgeben; nach manchen Angaben soll sie bis au 35 o/o der Bevölkerung ausmachen. — Nicht unbedeutend dürfte der jüdische Bluteinschlag der Bevölkerung,, besonders in der Provinz Antioquia. sein, der auf die Ansiedlung von Ma-' rannen während des 17. Jahrhunderts zurückzuführen ist. Eine über das ganze Land verteilte indianische Unterschicht, wie wir sie etwa in Peru oder Bolivien, finden, gibt es. in Columbien * nieht^ vielmehr kann die einheimische Bevölkerung als ziemlich einheitlich betrachtet werden. Die Zahl der'Ausllnder in Columbien beträgt etwa 29 000, die sich, vor allem auf folgende' Nationalitäten verteilen: Venezolaner Spanier. Amerikaner Deutsche Engländer Italiener Ecuadorianer Fra Polen Syrer Rumänen Libanesen Portugiesen Cubaner Palästinenser 8000 3700 2700" 2000 '1800 1500 1400 850 860 580 570 425 •3- - 350 usw. Aus dieser Statistik geht hervor, daß insgesamt etwa 11000 SOdamerikaner, 9000 Europäer, 6000 Nordamerikaner und 3000 aus verschiedenen Ländern in Columbien leben. JWe Ueberwachung der Ausländer ist scharf; man bemüht /«ich, der Gefahr vorzubeugen, die die Anwesenheit unerwünschter Individuen mit sich bringen kann. '. Der Einwanderungsdienst überwacht in diesem Sinne sehr aufmerksam die Einwanderungsbewegung. Jeder Fremde, der ankommt, muß sich der Polizei stellen und einen Ausweis zu erlangen suchen; spät er muß er die Polizei von allen Veränderungen seines ' Aufenthalts in Kenntnis setzen und darf das Land ohne eine besondere Genehmigung der Polizei auch nicht verlassen« . >p , \ i ■ ■ *,?. f ■ \ 4. Verfassung und Innenpolitik Columbien ist eine, Republik, deren Verfassung seit 1886 nur unwesentlich geändert wurde. Sie besteht aua 14, teilweise autonomen Departements, die auch ihre eigenen Volksvertretungen wählen. An der Spitze, der Republik steht'ein auf vier Jahre gewählter Präsident, der die Minister ernennt. . Das 'Parlament besteht ans zwei Kammern, nämlich dem Senat und dem Abgeordnetenhaus. Columbien hat das Zwei-Parteien-System; diese Parteien sind die Liberalen und die Konservativen. Jedoch haben seit den Wahlen vom Mai 1935 die Liberalen alle Bänke des Kongresses besetzt; denn die Konservativjan übten Wuhlenthaltung, um die Liberalen zur Uebernahme der Ga» samtverantwortung zu zwingen. Zur Zeit bereitet der Kongreß eine neue liberale Verfassung vor, die auf den heftigen Widerstand der konservativen und klerikalen Kreise stößt. Doch vollzieht sich die Verwaltungstätigkeit in diesem Lande, dessen stetige politische Entwicklung — sehr im Gegen— •atz zu anderen südamerikanischen Ländern — jahrzehntelang durch keinen Umsturz'und keine Revolution gestört wurde, im allgemeinen auch jetzt in einer ruhigen and geordneten Weise, da trotz der Opposition der Konservativen der Präsident in hohem Maße geachtet wird. Im allgemeinen genießt die Regierung den Ruf, daß es ihr ernstlich um die Hebung des materiellen und moralischen Niveaus des Volkes zu tun sei. In Columbien besteht absolute Rede- und Pressefreiheit. — Der Katholizismus ist zwar Staatsreligion, doch genießen alle Bekenntnisse, die „nicht der christlichen Moral oder dem Gesetz zuwiderlaufen", volle ■ Freiheit. III. Die Wirtschaft . 1. Allgemeines Bisher beruhte die Bedeutung der columbianischen Volkswirtschaft vor allem auf der Landwirtschaft und dem Bergbau, und esunterliegt keinem ■ Zweifel, daß auch in diesen Erwerbszweigen noch gewaltige Entwicklungsmöglichkeiten schlummern. Ist es doch für die' Ausdehnungsmöglichkeiten der Landwirtschaft bezeichnend, daß nur ein kleiner Teil des.Landes bebaut wird, «während ein sehr großer Teil fruchtbar ist und zu seiner, wirtschaftlichen Erschließung nichts braucht als Wege, - die allmählich gebaut werden. —.Ebenso ist der große natürliche Reichtum des Landes an Gold und Platin, wie an Edelsteinen*, Smaragden und nicht zuletzt ' an Petro- ■ leum erst zum kleinen Teil ausgebeutet. Allein, im Jahre ■ 1935 sollen beinah« 700 Gold- und Silbervorkommen entdeckt worden sein, und zwar in den verschiedensten Departements. Die geologischen Prüfungsstellen ^des Ministeriums für Industrie studieren augenblicklich die Ergebnisse*'dieser Entdeckungen, prüfen den Metallgehalt der Erze und errichten Laboratorien, um die Wissenschaftliehe Grundlage für die weitere. Entwicklung zu schaffen Aller Wahrscheinlichkeit nach wird aber zur Ländwirtschaft und zum Bergbau als dritter Haupterwerbszweig * der columbianischen Volkswirtschaft immer mehr die Industrie treten; denn die-Zahl und wirtschaftliche Tflch- - tigkeit der Bevölkerung, die Größe und der' natürliche Reichtum des Landes — vor allem die aeltene Vereinigung von Kohlen- und Eisenerzlagern in räumlicher Nähe — bieten alle natürlichen Voraussetzungen, für - eine bedeutende industrielle Entwicklung, und der wirtschaftliche Nationalismus wird in Columbien, wie in andern Ländern, auf die Ausnutzung dieser Möglichkeiten und die .Verdrängung überflüssiger Wareneinfuhr hinwirken. Für die Einwanderung von Juden aus Deutschland könnte gerade -eine., solche Entwicklung ausgezeichnete Betätigungsmöglichkeiten bieten. / 2. Währung' Währungseinheit ist der G o 1 d p e s o, der in 100 Centavos zerfällt. Die gesetzliche Goldparität betragt für den Peso 4,086 RM. Doch w\rde 1931 der Goldstandard ver lassen. In Bogota notierten 100 RM. Anfang April 70,74 Pesos; 1 Peso stand also etwa 1,41 RM. A s k i m a r k waren aber mit 27,8 °h ' Disagio gegenOber diesem Kurse erhältlich. Nach einem Bericht des deutschen \\ lrtschaftsverbanrtei. 4fir JUiUal- und Südamerika Verden «he Bestrebungen der deutschen Einfuhrstellen, das Disagio der - Ye^nnun«"m"«k *u varriagern, anscheinend I immer wieder durch spekulative Manöver in, Columbien durchkreuzt. 76 1 vv •:• i I' ) :*,**£*•-.V-,.' i «....«

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