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Jüdische Auswanderung · 1936-09-01 · September 1936 · p. Seite 48

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1936. Bestand UB Ffm
Issue
September 1936
Date
1936-09-01
Page
Seite 48 (sequence 50)
Language
German
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■ ' y ■■ ■ ■;. f. v ■ >■ ■'■ f. ■: .. r mit Indianern, zur. brasilianischen Rasse 2« rechnen. In des letzten Jahren'/macht sich auch ein starker mongolischer Einfluß bemerkbar, der auf die Verbindung mit einwandernden Chinesen und Japanern zurückzuführen ist.; ■j ' ■; Die Rassenyerniischung geht soweit, daß es nicht nur schwer fallt, den Anteil der Rassen an der Gesamtbevölkerung tu schätzen, sondern daß auch Rassengegensätze kaum entstehen kshnen, da ja fast jeder Brasilianer mehr oder weniger Neger* oder Indianerblut in sich trägt. Das ' ganz andersartige Empfinden'des Brasilianers in Rassen- " J fragen ist für den Europäer oder Nordamerikaner eine der erstaunlichsten soziologischen Erscheinungen. Der Brasilianer nennt die Neger nicht „Schwarze", sondern aus Gründen des Takts ,,dunklere" Brasilianer. Doch wurde er es als eine Beleidigung auffassen, wenn man Brasilien „verniggert" nennen würde, denn das würde bedeuten, daß die schwarze Rasse teilweise die anderen verdrängt hätte, während der Brasilianer »■"■"■»>, daß in Wirklichkeit der Weiße das schwarze Element aufsaugt und sich assimiliert. Der tropische Norden des Landes ist stärkervon schwarzem Blute durchsetzt als die gemäßigten Staaten des Südens. Während bis in die höchsten Schichten, einige Beamten- und Offiziersfamilien vielleicht ausgenommen, gewisse Spuren von Negerblut nachzuweisen sind, steht der reinrassige Neger sozial auf niedrigster Stufe. Der Anteil der Zugewanderten an der Gesamtbevölkerung ist hoch; er dürfte etwa ein Zehntel betragen. Von diesen Zugewanderten ist ein großer Teil bereits naturalisiert, lieber den Anteil der Ausländer liegen die letzten zuverlässigen Angaben aus dem Jahre 1920 vpr. Damals befanden sich unter 30,6 Mill. Einwoh- Unter diesen Ausländern, standen die Italiener mit 0,5« Millionen an erster Stelle. Ihnen folgten die Portugiesen (0,43 Millionen), die Spanier (0,22 Millionen) und, in großem Abstand, an. vierter Stelle die Deutschen (0,05 Millionen) (Leber die jüdische Bevölkerung siehe den Abschnitt ^.Jüdisches Leben.) Die jährlichen Einwanderungsziffern wären im allgemeinen niedriger als die Argentiniens,'.aber' die argentinischen Immi- . grasten verließen daß Land nun großen Teil wieder, nachdem Sie sich ein gewisses Vermögen - zusammengespart oder als Saisonarbeiter' bescheidene Summen verdient hatten, wahrend die Einwanderer in Brasilien zum größten Teil seßhaft wurden und im-Lahde verblieben. .ff—Die jährliche'' Einwanderung verteilte sich auf die Her - ' kunft Ständer etwa in gleichem Verhältais wie die oben wiedergegebenen Fremdenziffern. Erst ' in jüngster Zeit hat sieb hier eine Wandlung vollzogen. Abgesehen davon, daß die Gesamtzahl der Einwanderer von durchschnittlich 96000 während ' der Jahre 1920 bis 1030 auf 50000, im Jahre 1934 und gar 36000 im Jahre 1936 fiel, und die Zahl der Auswanderer anstieg (im Jahre 1936 auf fast 24 000!), traten -jetzt auch . die Herkunftsländer in anderer Reihenfolge auf. 1936 kamen 9600 Einwanderer aus- Japan, das jetzt an erster Stolle steht. (1934' waren sogar 32 °/o aller Einwanderer Japaner). An zweiter Stelle stand 1936 Portugal mit 9300 Einwanderern, ihm folgte jetzt De utschUnd (2400), und erst an vierter Stelle erschien Italien (2100), das früher das Hauptkontingent gesteJUt hatte. Die neue brasilianische' Verfassung vom Jahre 1034 unterwirft die Einwanderung einem der nordamerikani- ' sehen Gesetzgebung nachgebildeten- Quotcnsyslem; ' und zwar soll die Zahl der jährlichen Einwanderer eines Landes nicht 2 o/o der Gesamtzahl der Einwanderer,-die während der letzten 50 Jahre aus dem betreffenden Lande nach Brasilien-kamen, überschreiten. 1935 hat nur Japan die ihm zukommende Quote uberschritten. Die Einwandererzahlien aller anderen Länder blieben weit unter der -ZutäBsigkeitsgrenze. * Der größte Teil der Einwanderung richtet sieh nach Säo Paulo; auch innerhalb Brasiliens setzte seit Ueberwindung de» Krisentiefstandes in der letzten Zeit eine starke Binnenwanderung nach dieser Stadt ein. Von August bis Dezember ' 1936 kamen allein «8 000 brasilianisch« Arbeiter nach Säo Paulo. Die brasilianische Bevölkerung vermehrt sich sehr stark; sie stieg von 30,6 Millionen im Jahre 1920 auf schätzungsweise 47,8 Mill. im Jahre 1935! Die Vermehrung ist nur zu geringem Teil auf Einwanderung zurückzuführen; vorwiegend beruht sie auf dem großen natürlichen Geburtenüberschuß, <k' J-' ittih . , 4. Regierung und Innen.no] Die Vereinigten Staaten von Brasilien sind ein Bundesstaat. Die Bundesverfassung stammt aus dem Jahre 1891; sie wurde 1930 außer Kraft gesetzt k Nach einigen Jahren einer „provisorischen Regierung" trat im Jahre 1034 eine neue Verfassung an ihre Stelle. Diese setzte als gesetzgebende Organe des Stau tenbundes einen Senat (von 42 Mitgliedern) und eine Abgeordnetenkammer (von 300 Köpfen) ein. Die Mitglieder Hjjjiaap ~K*rpt<Tnc\t*tt*ax* werden «taila' durch allgemeini Wahl, teils durch Vertreter der Stände und Korporationen bestimmt. Das Wahlrecht steht jedem Ober 18 Jahre alten männlichen Brasilianer zu, sofern er nicht dem Soldatenstand angehört oder Analphabet oder völlig mittellos ist. Die Exekutive übt ein Bundespräsident aus, der alle vier Jahre durch direkte Wahl neu gewählt wird. Die richterliche Gewalt steht einem obersten Bundes- ' tribunal zu. Die diesem Gericht unterstellten Instanzen sind 11 Appellationsgerichte, Handelsgerichte und Schwurgerichte. Die Verfassung ist weitgehend der nordamerikanischen nachgebildet. Im Gegensatz zur vorigen beschränkt die neue Verfassung das passive Wahlrecht auf Brasilianer, die im Lande geboren sind. Neben den staatsrechtlichen Bestimmungen sind in der neuen Verfassung eine Fülle von politischen Forderungen niedergelegt, die für den wachsenden Nationalismus des brasilianischen Volkes charakteristisch sind So sieht d^e neue Verfassung beispielsweise das Verbot der Gründung völkisch geschlossener Siedlungen vor. Auch auf. wirtschaftspolitischem Gebiet bringt diese Verfassung viel Neues. So wird die N»tionelisi.erühg d»r Depositenbanken und der Versicherungsgesellschaften gefordert; ausländische Gesellschaften dieser Art müssen sich in brasilia- / nische umwandeln.. Das Eigentumsrecht an Minen, und Bodenschätzen und das Recht zur Ausnutzung der Kraft von Wasserfällen wird vom Eigentum des Grundstücks, auf dem sich diese befinden, geschieden; sie dürfen nur nach Kon- . Zessionserteilung der Regierung ausgenutzt werden, und zwar ausschließlich von Brasilianern oder von Firmen, ' die. ihren Sitz in Brasilien haben. — . , Gewerkschaften .und Berufsorganisationen wird] .volle Autonomie gewahrt. Die Grundzüge einer Arbeitsordnung, in der viele bereits in anderen. Ländern bestehende' soziale - Einrichtungen (Achtstundentag, Mindestlöhne, Verbot der Kinderarbeit, Schutz der. Frauenarbeit, medizinische Hilfe für Arbeitnehmer,' zwangsweise Altersrenten-, Krankheits-, Unfalls- und Mutterschaftsversicherung) angeführt werden, sind bereits in der Verfassung festgelegt. Doch dürfte, es bis zur Verwirklichung aller dieser Forderungen noch ein weiter Weg sein. , Die Verfassung enthält ferner Bestimmungen über die' Einwanderung (siehe die vorhergehenden Abschnitte) und * verleiht das Recht zur Ausübung bestimmter 'Berufe (wie Aerzte, Ingenieure, Buchhalter usw.) nur gebürtigen Brasilianern. Firmen, die von einer Behörde konzessioniert Wörden, oder mit einer solchen einen Vertrag über öffentliche Arbeiten schließen,'müsse» eine brasilianische Mehrheit in ihrer Verwaltung, haben. Die Planung und Ausführung öffentlicher Arbeiten wird einem zu diesem Zwecke neu geschaffenen Ministerium übertragen. C?.-, 19 Die, Bundesstaaten haben eigene Verfassungen, die in 'ihrer Staats- und verwaltungsrechtlichen Seite der Bundesverfassung nachgebildet sind. Die Einzel statten — zwischen denen z. T.-die schärfsten Interessengegensätze bestehen — haben, eine große Selbständigkeit. Allerdings hat die neue Bundesverfassung das Eingriffsrecht der Bundesregierung verstärkt und« z. B. die Erhebung von Steuern» auf den Handel zwischen Einzelstaaten verboten. . , Der gegenwärtige Präsident, Dr. Getuho-V e r g a regiert das Land diktatorisch und sucht Brasilien vor der Macht extremistischer Gruppen zu bewahren. Die eine 's dieser Gruppen bilden die sogenannten „Integralister eine nationalistische Partei mit antisemitischem Einschlu v deren ZieJ die Schaffung eines autoritären Staates mit einer zentralen Gesetzgebung für alle Mitgliedsstaaten d s V.

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