Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1936. Bestand UB Ffm
- Issue
- September 1936
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 41 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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, ' t,«< 25000000 Dollar geschätzt werden, wird die bolivianischen Bahnen und die. neu zu errichtenden äctunafoereien für niedrigprozentige Mineralerze mit Strom versorgen. ' Die Regierung verleiht einer Industrie erst vollen ZoHj schütz, wenn sie imstande ist, den inlandischen Markt vollständig mit ihrer Produktion zu versorgen. Doch wird die Einfuhr von Maschinen, Halbfertigwaren usw. zur Erreichung einer neuen Industrie /von der Regierung erleichtert. 4. Verkehr Boliviens E i s e n b a hn. ve rh fi 11 n i s s e liegen im Vergleich zu anderen südamerikanischen Staaten nicht ungünstig. Es kreuzen sich hier die Bahnlinien von Chile, Argentinien, Peru und Brasilien, und wichtige Bahnbauprojekte sind neuerdings wieder in Angriff genommen worden. Das Eisenbahnnetz war 1932 2253 km lang. .......Der Chaco-Krieg bewirkte, daß aus strategischen Gründen der Straßenbau vorwärts getrieben wurde, was jetzt, nach seiner Beendigung, dem Binnenhandel zu- Sute kommt Man verspricht sich davon einen Auftrieb er heimischen Industrie, da die bisher entlegenen Siedlungszentren jetzt in regeren Austausch miteinander treten können. Auch das Flugnetz wurde wahrend des Krieges und in jüngster Zeit weiter ausgebaut Eine Reibe neuer Linien, die insbesondere für den Europa-Verkehr von Wichtigkeit sind, wurde kürzlich eröffnet. , . . Das Fluß System ist weit ausgedehnt doch wird der Flußverkehr, wenn er nicht durch Stromschnellen überhaupt unmöglich gemacht wird, nur durch kleine flache Boote ausgeführt. Sogenannte Pallisaden, d. h. vom Strome mitgerissene Baumstämme, die den Fluß verbarrikadieren, hemmen häufig den Verkehr auf den an sich schiffbaren Strecken. . .. 5. Außenhandel .'Die Gesamtausfuhr Boliviens betrug, 1933 75,7 Millionen Bs., die Gesamteinfuhr, im gleichen Jahre 42,3 Millionen Bs. 5,7 o/o der Einfuhr kamen damals aus Deutschland, 29,3 o/o aus U. S. A. und 21,5 o/o aus Großbritannien,; das der bei [weitem 'größte Abnehmer war: , In Bolivien besteht eine De vis easwangs Wirtschaft. ''-ut*< #♦''•• ff £ ' Deutschlands Handel mit Bolivien Warenverk. insf es. . . . Lebensmittel, Getränke davon Kaffee .... Rohstoffe, Halbfertig* Erze, nicht benannt Zinkerze..... Kupfererze •. Kalbfelle. Rindhäute Hopfen ...... Fertigwaren .... davon Baumwollgewebe Baumwollgarn CunstselcTe . Ki TeztiKen, nicht benannt..... Chem., pharm. Erzeugnisse, nicht ben. Farben uaw...... Röhren, Walieiaen....... . Stab- und Formeiaea . . . .\ . Blech, Draht ...... . .\ . Fiaaajwar—, nicht benannt . . al- - -Venn........... Kessel. Teile u. Zubehör v. Maschinen Kraftfahrzeuge und -räder . . Elektrotechnische Erzeugnisse . . . Glas and Glaswarea....... Kautschuk waren......... Hohlwaren........... Zelluloid und Waren daran* . Einfuhr aus Boljv. 1935 dz 1000 RM 2059(6 6 340 1247 79 111« 75 20471« 6260 116608 5*167 81160 428 ■1172 98 2 672 237 Ausf. nach Boliv. 1935 35 636 3285 (Ibrro-Amefikanltche Ru/idschau 33 21 32000 2356 119 37 20 10 «7 15 36 17 5893 760 411 175 172 5 955 5 2 233 45 9478 SSO 1252 197' 911 92 353 21 107 41 3798 81 105 27 174 - 20 ll y t Nr. 9, 1936) 1000 RM 2 408 U— 42; _ Das Austauschverhältnis zu Deutschland dürfte su in Zukunft intensivieren, da die Bezahlung mit Aslti-Mark dem bolivianischen Importeur große Kursgewinne verspricht. > t (' r, i>f-*4? 6. Konjunktur Wogen der schweren Schäden, die' der Chaco-Krieg dem Lande zugefügt hat, waren die Ansichten über Boliviens wirtschaftliche Entwicklung bis vor kurzem noch ziemlich pessimistisch. Die feste Haltung der Zinnpreise ■ auf dem Weltmarkt hätte zwar die Wirtschaftslage, de» Landes sehr günstig beeinflussen müssen, aber infolge des Krieges waren die Läger geleert, und die Wiederauffüllung wurde wegen des Mangels an Arbeitskräften sehr schwierig, zumal die Demobilisierung nur ganz allmählich vor sich ging. Infolgedessen ist es fraglich, ob das Land überhaupt die ihm zustehende Zinn-Export-Quote von 90". des Exportes vom Jahre 1929 voll ausnützen kann. An-' dererseits sind aber günstige Faktoren zu verzeichnen. Das Defizit des Haushaltsplanes für 1936 ist verhältnismäßig gering. Der Haushalt, für 1936 verzeichnet die. höchsten Einnahmen seit Bestehen des Landes; gegenüber 1935 haben sich die Staatseinnahmen verdreifacht Diese Haushaltlage zeugt von erstaunlich schneller Erholung der Staatsfinanzen nach dem Kriege. — Der Kapitalmarkt ist flüssig. — Endlich verspricht man sich durch Ausnützung der während des Krieges gebauten Straßen und eingerichteten' Fluglinien eine bedeutende Hebung des hehnischen Wirtschaftslebens, da von der Verbesserung der Verkehrsverhältnisse für Bolivien, wie für alle südamerikanischen Staaten, die Möglichkeit der mineralischen und agrarischen Bodennutzung undr^damitr auch der Industrialisierung abhängt. •. '.- , IV. Kultur und Jüdisches Leben Bolivien ist 'das Land mit dem höchsten Prosentsatz reinrassiger indianischer Urbevölkerung. Indianer und Mischlinge leben im. Zustande primitiver Kulturlosigkeit. Etwa 70. ,o u der Gesamtbevölkerung dürften Analphabeten sein. 1928 wurden an sämtlichen Schulen insgesamt nur 93 749 Schüler unterrichtet Acht Universitäten existieren in Bolivien, von denen aber nur zwei (La Puz und Sucre) _ mehr' als eine Fakultät haben. In La Paz leben einige Dutzend jüdischer Familien, die teils aus dem europäischen Osten stammen, teils levantinische Sefardim sind. Z ^i^y. .'■ **■' •^t^-JaasasaaaV: , ■ \" '.- V^i*'.'•' V. Briel aus Bolivien Wir entnehmen der „C.-V.-Zeitung" vom 7. Mal 1936 einen Brief, den ein aus Deutschland ausgewanderter junger Jude an seine Freunde geschrieben hat. Der Schreiber war infolge der klimatischen Umstellung längere Zeit krank. „Und mein zweiter Arzt, den ich erst nach drei Wochenausfindig machte, war dann auch sehr gut Er war ein Pole (Jude),-hat in Genf und Brüssel studiert und durfte sich in C. wegen seiner Arbeit. im Chaco-Krieg niederlassen. Aus demselben Grunde darf auch eine jüdische Aerztin aus Deutschland praktizieren. Dies sind aber die beiden einzigen Fälle von Akademikern, die ich kenne, die.mit Erfolg ihre Niederlassung bewerkstelligen konnten. <' . ' Für kaufmännische Angestellte liegt die Sache ein bißchen anders. Ausländische Finnen können bis zu einem gewissen Prozentsatz nichtbolivianische Leute einstellen, aber schwierig ist es schon für jemand, der noch keine Stellung hat, ins Land hereinzukommen. Ich habe seinerzeit mein Visum nur bekommen, weil ich eine Anstellung vorweisen konnte. Und direkt drüben von hier aus engagiert zu werden, ist natürlich keine einfache Sache... Es ist mir wirklich immer peinlieh, Leuten, die mich wegen Stellung und so anfragen, in diesem Sinne antworten tu müssen, weil, die meisten denken, daß, wenn man erst mal eine Stellung hat, man auch automatisch die Möglich-A keit besitzt,' andere unterzubringen. Leider ist, man völlig hilflos und ohne Einfluß und muß froh sein, daß man selbst untergekommen ist."';