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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1934-08-01 · August 1934 · p. Seite 50

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1934. Bestand UB Ffm
Issue
August 1934
Date
1934-08-01
Page
Seite 50 (sequence 52)
Language
German
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■ i guten Gegenden liegen allerdings meist «Af "**tt von der Bann "und mOncn m Pferde erreicht werden. Es ist ein nicht mit der Heimat tu Ter gleichende» Leben, aber andererseits bei richtigem Handeln sehr erfolgversprechend, besonders auch, weil dal Lebeiysehr biHig ist. Die meisten reichen Leute des Landes haben ihren Grundstock in der Ijindwirtachait. Mit einem Kapital von 10000 bis 15000 RM. kann ein Landwirt hier sehr viel machen und sehr rasch vorwärtskommen. Er muß aber in der. Auswahl seiner Berater sehr vorsichtig sein; denn sonst verliert er Kopf und Kragen «ehr schnell. Kolumbien hat eine sehr große Zukunft und hat den Vorteil, uaß hitr mit wenig ' Kapital manche Industrie im kleinen angefangen und ' tu einem Erfolg geführt werden kann; die meisten großen Leute haben ' kleine Anfange gehabt..ich bleibe dabei und rate nur Leuten mit — ' wenn auch wenig — Kapital nach hier tu kommen. Ich selbst bin Besitzer großer Terrains und will auf dieseneinige Fabriken errichten ... '.Eine judische Gemeinschaft besteht nur in Bogota und in Cali. Die Mitglieder sind ausschließlich Juden aus Osteuropa. Hier darf ich anfügen, daß Bewohner eines der Hauptdepartements — Antioquia — tum großen Teil von Juden abstammen. Es sind dies seinerzeit aus Spanien vertriebene maurische Juden, die allerdings seit vielen Jahrhunderten den katholischen Glauben angenommen (üben, sich aber frei als Judenabkömmlinge bekennen. Die hiesige Regierung ist daran interessiert, Emigranten, die sich in der Landwirtschaft heutigen wollen, nach hier tu bringen, sofern diese ihre Familie mitbringen. Sie* gewährt gewisse Erleichterungen in be rug auf die Zuweisung von Terrain usw. Man darf sich aber diese "nicht zu weitgehend vorstellen, und es bedarf einer riemlich genauen Kenntnis des Landes, um hier keine Enttäuschungen zu erleben. —" Wir Bringen zum Schluß noch eine "Korrespondenz aus Kolumbien von Ende Mai, die die Lage etwas pessimistischer beurteilt. , Die Wirtschaftslage im ganzen Lande ist sehr schlecht, gant besonders im südlichsten Departement, das noch reichlich rückstandig ist. Die jetzige Krise macht sich jetzt im, Süden gant besonders fühlbar infolge der Unglücklichen Lage seiner Ausfuhrprodukte (Rohgummi und Steinnüsse fut gant wertlos; Kakaopflanzungen durch Parasitenpflanze Heienbesen vollständig ze/störl; Rohgold seit zwei Jahren Regierungsmonopol; bleiben nur Hidje, Reis, und Pahamahüte übrig, von welchen es aber se wenig gibt, daß sie kium in Betracht kommen). Einwanderern würde es hier im Süden : Kolumbiens sehr schlecht ergehen,. und alle bisherigen Koloaisierungsvjrsüche sind gescheitert; das Küslengobiet ist sehr sumpfig und-_dic Bodenbearbeitung nur für Neger geeignet;' das '. gante Hinterland ist von Halbin dianern bevölkert.'* „ Der Norden Kolumbiens ist erheblich fortgeschrittener und die . Verhältnisse liegen günstiger, obgleich die Zustande euch dort jetzt nichts,, weniger als rosig sind. Kaufleute haben es gegenwärtig ganz besonders schwer, und von Akademikern hätten nur Arzte, Apotheker, Optiker, Zahnarzte und Chemiker Chancen, wenn sie hier Staatsexamen ablegen, das den Fremdenvon Jahr tu Jahr schwerer gemacht wird"" Am leichtesten hätten es hier in Kolumbien, und in allen übrigen süd- und tentralamerikanischen Lindern, Handwerker "und Ihnliehe Berufe,, wie Schuster, Schneider, Tischler, Maurer,- Schlosser, Klempner, Mechaniker, Backer, Koche, Elektriker, Weber, Färber u. I. Jeder NeueinWanderer müßte unbedingt einige Geldmittel besitzen, bis er über die erste schwere Zeit hinwegkommt, in der er'nichts verdienen wird, weil, er sich erst mit Land, Leuten» Sprache, Sutten und Gewohnheiten vertraut, oder wenigstens bekannt machen muß, faußerdem muß er ein größeres Depot hinterlegen. < - . In einiget» größere/! Städten, z'. B. Bogota, CaK jribt es schon ziemlich' viele Juden: deutsche, ^spanische, russische usw . aber nur einem Teile geht es gut oder mittelmäßig. — - ' ... y^T*. 7 '.;./"•';..,; '"'.*]'" Paraguay In «inam ■ Bmcüt, deu wir am Paiag'uay erhalten haben, wird gesagt, daß es auch für Fachleute schwer ist, Arbeit zu finden, und daß'es an Arbeitsauf tilgen fehlt. Es heißt darin, daß es verfehlt sein .würde, Familien ohne Sicherung nach .Paraguay zu leiten. Die;-Juden in Paraguay müßten zum großen Teil mühsam ums Jtapt ringen; eine (intwstntziuig »eilens des Staates oder der Gciminden itäbe es" dort nicht —■ » " , . "TT*--—*-. - , V Nachstehend sind Auszüge; aus publizierten Berichten wiedergegeben, die beim Evangelischen Hauptverein für Deutsche AnjICcHer und Auswanderer eingegangen_»inrl : -> ».-*"** ' .ge Leute neon hier su schicken, ist jetzt am allerwenigsten angebracht, weil alle mir bekannten alten Kolonisten einen schweren wirtschaftlichen Stand haben. Schlechte Preise, sehlechter Absatz, keine Verdienstmö^lichkeiten, kein Bargeld usw.' 'An ein Vorwärtskommen ist heute nicht zu denken. UnlOBdiUzupgçfi ' gibt es hier nicht, und w.as wollen die Leute in Krankheitsfällen machen?. Es ist Grund rug vorhanden, Adswaiirlerungswillige vor einer A us wanting nach hier zu'jsVarncn. WT, /. x < .,, f , % Auch beim 'Vorbandensein genügenden Kapitals soUSnan unter heutigen Verhältnissen abraten, nach hier zu kommen. Es ist die Regel, daß Neuankommende entsetzt sind über . die Mühen und Entbehrungen, die sie hier als Kolonisten ..... erwarten, und oft schon nach Besichtigung des Landes, oft nach einigen Monaten, oft nach ein bis zwei Jahren, ziehen sie — völlig enttäuscht — wieder.ab. ..'-.._' 3. Von einer Auswanderung nach Paraguay ist abzusehen, solange die jetzige wirtschaftliche Lage andauert. Ohne Frage haben^ich manche unter denen, die in den letzten zehn Jahren in Paraguay-eingewandert sind und sich béî "den alteren Siedlern einarbeiten und dabei verdienen konnten, durch angestrengte Arbeit und Geschick einen [) eigenen Besitz geschaffen. Das ist aber heute, wo der. Neueinwanderer als Knecht, bestenfalls nur gegen freie Station, Unterkommen findet, ausgeschlossen. Sind in Paraguay einmal wieder einigermaßen erträgj liehe Verhältnisse geschaffen, werden sich dort auch wieder . Möglichkeiten bieten für Auswanderer, die einmal über die benötigten Mittel, verfügen und vor allen Dingen die seelischen und körperlichen Kräfte besitzen, um den schweren und oft so brutalen Daseinskampf eines- Urwaldsiedlers siegreich zu bestehen. Augenblicklich müssen wir — was Auswanderung nach« Paraguay anbelangt — zu allergrößter Vorsicht raten. % » '"*" '- r Die folgenden Mitteilungen gingen uns von einer in-Para-» guay ansässigen Persönlichkeit zu: „In diesem Lande gibt es bezüglich der Ausübung der Berufe irgendwelche Unterscheidungen nach Religion und Rasse nicht. «Steuern gibt es kaum, ganz minimal. Wer die Steuern bezahlt und sonst die gesetzJchen 'Vorschriften erfüllt, kann, ungehindert jedes Gewerbe betreiben. Nun sind allerdings die Auswirkungen des Krieges zu berücksichtigen, die dem geschäftlichen Heben Abbruch tun. Trotzdem entwickelt sich der Verkehr etwas aufwärts, und besonders für ' landwirt- - schaftliche Betätigung ist hier noch für viele Familien Platz., Dabei ist aber wieder Iii berücksichtigen, daß die Landbearbeitung eine von Europa völlig abweichende ist und daß selbst von dort kommende Landwirte vollkommen umlernet), müssen. Für solche Einwanderer gibt .et nur ' zwei Möglichkeiten: Entweder, dieselben kommen : mit einigem Vermögen und -setzen sich auf kostenfrei 'gegebenes Regierungsland. Dana macht die Beseitigung des Urwaldes' bzw, die Urbarmachung des Kamplandes sehr viele Schwierigkeiten, und et bedarf großer Ausdauer, bis die eigens Ernte den Unterhalt der Familie gewährleistet, und noch ein Absatt von ^Erzeugnissen einsetzen kann, um wieder Kleider usw. kaufen zu können. Oder die Familien erwerben solche zur Verfügung stehenden Grundslücke, welche bereits von anderen Familien bearbeitet sind und zahlen diesen ein meist nicht sehr hohes Abstand»- _ geld für die errichteten Gebäude und angelegten Pflanzungen. Dann ist das Einleben hier viel leichler, und sind schneller Erfolge zu erwarten. Wer ' nun aber voll ig ohne Vermögen einwandert, muß den sehr schweren ' Weg gehen, daß er zunächst bei anderen Kolonisten arbeitet und etwas . Geld veidient. Solche Arbeit ist immer zy erlangen, erfordert aber viel guten Willen und endlose Ausdauer-' Diese Einwanderer kommen letzten Endes oft, besser weg, weil sie keine Experimente unternehmen können ' „ und sich auch wegen der landesüblichen Beköstigung gleich eingewöhnen müssen und dann oft neben der tageweisen Arbeit bei alten Kolonisten an ein oder zwei Tagen auf 'einem selbst erworbenen Grundstück arbeiten und sich so langsam, aber sicher, eine Existenz aufbauen." %. Wirbringen noch Mütei ungen eines vor kurzem Tiach *: Paraguay Ausgewanderten: - JA'-J -Das Klima ist erträglich Ga ^l»-»> wiy<t >»i°r; Wein (Rot . auch Weißwein), Mais, Bohnen, Reis, Baumwolle, Erdnüsse, Maniok, Kartoffeln. An Baumfrüchlen gibt es hier: Orangen, Mandarinen, Bananen, Pfirsiche, Zitronen, Feigen,'Pflaumen usw. , Auch ist Vieh- und. Pferdezucht hier. Es ist ziemlich Weideland ds. Eine Papierfabrik.,vZigarrenun4 Zigarettenfabrik : wäre auch Wut. Erstens ist hier teuer, weil im ganzen Lande keine besteht, und Hol« hat man hier in Hülle und Fülle, das fast nichts kostet. Das Leben ist " hier brtjj*, und lebt eine Familie mit 400-600 RM. sehr gut. Steuern hat der Landwirt keine, der Geschäftsmann Wenig. Wir haben Bretterhäuser und sind ganz wohnlich eingerichtet. Haben unsere Betten wie tu "Hause und die beaten" Schränke. Hier verkehren drei FrachUuilna, die auch deu Personenverkehr mit Villa Rica hn||li|ini Du nim"deiliil1ii n fährt jeden Tag, die .beiden anoVren .iHe '2 3 Tage Iiis Anfang der Kolonie ist 30 km. Diese sieht sich 15—20 km m die Liage .und ebenso in die Breite. Bis jattl wohnen noch nicht viel" Juden hier. Hier wohnen Deutzclie.-rOeu'sch-dilcrrBicher, viel Pwagusver, Schweizer, Franzosen, Rassed usw. LetsUsn nicht viel. Es wird viel Deutsch gesprochen, jedoch muß man auch spanisch und guranni sprechen lernet). Man -ist nicht gezwungen, Landwirt su sein. Tabak wird hier auch viel gepflanzt. Arbeiter sind nicht teuer. Hier ist Höhenluft.- Wenn ves am Tag* heiß ist, so "ist es in def Nacht kühl und frisch. ,_'■','' 50 iSis.'* T~*r * A V- .tlir Jt, Hfl

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