Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1934. Bestand UB Ffm
- Issue
- August 1934
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 41 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/6492417-6348840-6349425--255-4920450- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
■ : W Y . hiühlen, Möbeltischlereien,' Schlossereien, Schneider, Schuster. Sattler usw. vorhanden sind, die alfes, was nun braucht, fuhren oder anfertigen. An Landinteressenten, die keinen Anspruch auf freie Beförderung durch die argentinische Regierung haben, gewähren wir eine Ermißjgung von" 50 % für die Bahnfahrt von Buenos Aires nach Posados. Die Gesellschaft hat eine mit interessanten Abbildungen ausgestattete Broschüre herausgegeben, „Leben Und ' Treiben in Eldorado", Misiones, Argentinien, in der Urteile von Siedlern wiedergegeben lind. Die Gesellschaft ist u. a. auch charakterisiert worden in dem von uns schon angeführten Artikel im Archiv für Wanderungswesen und Auslandskunde. * Es muß bemerkt werden, daß von verschiedenen- Seiten gegen die Ansiedlung in dem Eldoradogebiet Bedenken erhoben worden sind. ■ Von einer Stelle in Argentinien selbst wird darauf aufmerksam gemacht,, daß es außerordentlich; schwer ist für Menschen, die (ich niemals mit' Ackerbau befaßt haben, Arbeit in den Kolonien su leisten. Meistenteils verkauft die Gesellschaft den Einwanderern Terrains in der Provins < Misiones, und xwar noch Urwald. Die Leute müssen zuerst Ansahlungen leisten, und die restlichen Zahlungen müssen in* langen Jahresraten abgetragen werden. Wie erwähnt, handelt es sich um Strecken Urwald, der erst urbar gemacht werden muß, und das bedürfe natürlich einer langen und zähen Arbeit, für die nur wirkliche Landwirte, die an äußerst schwere Bedingungen ge-' « wohnt sind, in Frage kommen, und dieauch "gegen das heiße Klima und die Ungesieferplage (Moskitos) widerstandsfähig sind. Die meisten dieser Kolonisten würden eine große Enttäuschung erleben. Es sei schon, oft vorgekommen, daß Leute nach verhältnismäßig kurser Zeit die Lustverloren, weil sie die harte Arbeit unter den größten Entbehrungen nicht leisten -konnten, auf ihre Ansahlungen versichteten und die Kolonie verlassen haben. Wer die Arbeit leisten kann, für den könne def Ertrag auf lange Sicht vielleicht etwas erfolgversprechender sein. — Von einet anderen, sehr sachverständigen Seite wird der Ansicht Ausdruck gegeben, daß die'Situation der Kolonie nicht günstig sei. Die Krise mache sich, dort wie überall fühlbar. Was sich besonders ungünstig, ausgewirkt habe, sei der Verkauf '"■ von Yerba-Mate, die die Hauptkultur bilde. Infolge der erhöhten 'Zollgebühren für Verba-Ma te, die aus Brasilien und Para- 1 guay stamme, 'und «furch die intensive Propaganda hat sich die Kultur von Yerba-Mate in Eldorado wie in allen Kolonien des Territoriums, von Misiones sehr entwickelt. Aber im Laufe des Jahres 1033 sind durch einmil. der brasilianischen Regierung geschlossenes-Abkommen die'Zollgebühren gesenkt worden. Andererseits hat sich in Argentinien eine Vorliebe für den Konsum, von paraguayscher oder, brasilianischer Yerba herausgestellt, die aus Wildern kommt. Infolgedessen haben die PflanSer in Misiones die größten Schw iei igteiten, ihre Wäre abzusetzen. Dasu komme noch, daß das- Klima von Eldorado wegen der erhöhten Temperaturen sienjlich unangenehm für Europäer sei. —■» Über die A u s »ich t e n I f r euide r Arzte in Argentinien. ' - . B $ r 'fc ht * us \ r g c Ii i t-tt i <• n . Was speziell die deutschen Arzte betrifft, so kann man wohl sagen, daß ihre Kunst gerade bier von Deutschen und Nichtdrutsrhen besonders geschätzt wird, und °> ließe sich voraussagen, daß jeder deutsche Arzt, «1er hmil«- von drüben käme und der hier frei arbeiten konnte, in kurser r eine auagedehnte Klientel und Ober entsprechende Einnahmen ( mwi. - .. . ': : i; " " :;•; ~ tt~ r gerade diese, besondere ChaÀcedie mehr -oder weniger auch > für '.fremde Arzte anderer Nationalität gin," wird ihnen «um Verhängnis. -JjErJajjeii hier eine große Anzahl argentmlachef Arzte,- djy"&1yrTK*£ boren* wurden, oder doch hier studiert und promoviert li.ih.-n. und die««' A r/t«- sehen in jedem von anderswo kommenden Kollegen den . zu fürchtenden Konkurrenten, der ihnen das Leben erschwert und die unite verringert. — ' ■ * Theoretisch bestehen Möglirjrkoileu auch heute noch. So kann jeder auslandische Arzt verlangen, daß sein an einer ausländischen Hochschule ordnungsgemäß erworbenes Diplom hier revalidiert wird. In der Praxis ist ein derartiges Verlangen aber zwecklos,"* denn der betreffende Arzt muß' steh hier einem . Examen uiitsikerjen, in dem er sicherlich durchfillt. Man kann ruhig sagen, daß es für Nnuiialfille ausgeschlossen ist, hier revalidiert su werden, und man aollle jeden fremden' Aral warnen, sich diesbezüglich. Hoffnungen hinzugeben. " '-.« - ' Eine Möglichkeit, hier zur Praxis, zugelassen zu werden, ist—diu folgende: Ein Ar/1, di r von der hiesigen L'niversitit aufgefordert worden 'i«t. öffentliche Vorlesungen xu 'halten mut ih r. diesem Entlehen entsprochen hat, hat damit gleichzeitig das Hecht1 erworben, Tm i bände frai su praktizieren. Leider finden solche Auffordeningen aber kaum , , , , T. - " 1 '. -F m % t! i -. r \ » . - i; t statt"; am wenigsten an Manner, die nicht über besonderen .wissenschaftlichen Ruf verfügen, und die zudem die Absicht haben, sich hier niederzulassen. .. -, Ein«- andere Möglichkeit ist die folgende: Am 4. Februar 1.889 wurde in Montevideo zwischen * den verschiedenen lateinischen Staaten Südamerikas ein Vertrag Isbgi-sehlosson, von dem ich die beiden ersten , Artikel nachstehend zitiere: - Art. 1. Staatsangehörige oder Exstnde, die von kompetenten* natio- 'nalen Behörden in einem «1er. vertragschließenden Linder Titel oder Diplome für die Ausübung freier Berufe erhalten haben, können diese Berufe auch in jedem anderen der Linder ausüben.. Art. "2. Damit die Titel.oder Diplôme, auf welche sich der vorhergehende Artikel bezieht, wirksam werden, ist die Vorlage der ordnungsgemäß legalisierten Titel «><l«*c Diplome erforderlich. «— Ferner interessiert doch ein Beschluß des hiesigen Obersten^Gerichtshofes, der sagt, daß mir die Personen freie Berufe ausüben können, die Originaltitel vonJB_ehörden der vertragschließenden Staaten besitzen, ' < nicht aber Personen mit revalidierten Ttaln. Nun ist es auch heute noch für einen, auslindischen Arzt möglich, in Bolivien, dessen Xlniversitit La Paz autonom ist, in relativ sehr kurzer Zeit einen einwandfreien Titel als Arzt au erhalten. Es müßte also genügen, ein solches Dokument hier zu präsentieren, um in Argentinien "sofort its Arzt zugelassen zu werden. Loider ist dem aber nicht so. Es— ist aus letzter Zeit ein Fall" 'bekannt, in dem ein solcher Antrag abge- Ilehnt wurde. Nun könnte ein Arzt versuchen, den schweren Weg zu gehen, sich hier neuerdings, aufs Studium« zu verlegen und wie ein Student Prüfung auf Prüfung zu machen, wozu minimal 4 Jahre, normalerweise 6 Jahre . i erforderlich smd. Aber auch dieser Weg wird noch weiter erschwert, dadurch, daß der betreffende Arft hier zunächst noch sein Baccalauréat machen müßte, mindestens aber eine Aufnshnmprüfung zu bestehe«! hätte. Dieselbe erfordert eine Reihe von Kenntnissen, die ein aus der Praxis kommender Mann, nicht mehr besitzt, und vor allem eine genaue * Kenntnis der L a n d * t s p r a«h e. Ferner dürfte der Arzt während der ganzen neuerlichen Studienzeit keine praktische Tätigkeit ausüben, denn wenn ihm eine solche nachgewiesen würde, so könnte dadurch der Erfolg seiner Bemühungen ,in Frage gestellt werden: Schließlich wire auch in diestui .Falle -dier Auegang des Experimentes ungewiß, und gerade diese ' «luälende Ungewißheit im Hinblick auf . einen Enderfolg muß * ' ■ auch Arzte abschrecken, die in der materiellen Lage sind, ein'zweites Studium zu absolvieren. ""„ Es gibt dann noch gewisse Teillosungen, die schon als 'Aicha wenig reizvoll sind, " mit denep sich aber , doch eine Reihe ton Ärzten zu- ' -, -, frieden gibt: ..■■*».' ' < ■ Man kann als -ausländischer Arzt die Erlaubnis erhalten-, doit zu - praktizieren, «fü> sich irr einem gewissen Umkreis ein hiesiger Arzt noch '' nicht ' niedergelassen hat. Es bestehen' aber derartige Niederlassungs- Möglichkeiten-.nur in der halben. Wildnis dès Nordens, in den Einöden des Südens oder in besonders schwach bevölkerten Teilen dos Landes. Wenn sich in .dem betreffenden Bezirk ein hiesiger Arzt niederläßt, muß der fremdländische Arzt seine Praxi* fristlos»-.einstellen. Man kann — wenn auch mit schwerem Herzen — jedem fremden Arzt nicht, genug" abraten, hierherzukommen. '. V Lebeits- und Lohnvefhiltuisse. Buenos Aires Die nachstehend aufgeführten Preis- und Lohnsitze — sämtlich m argentinischen' Pesos angegeben — wurden' im April 1934 ln Buenos. Aires aufgestellt. Der damalige Kurs betrug 1 Peso '= 0,68 RM. Die niedrigen Zahlen—gelten für bescheidenste, die höheren für mittlere Ansprüche: . . Wohnung und Verpflegung: Unterkunft ohne Verpfle-' guiig im'Gasthaus für eine Person täglich 1,50, 4-*6, mit Verpflegung 3,50—4, 8-710, ein möbliertes Zimmer ohne Verpflegung monatlich 30, 80, mit Verpflegung 80,' 140. Eine leere Wohnung von zwei Zimmern kostet im Monat 60—60, 90, von vier Zimmern 70—40, 140 bis 180, eine möblierte Wohnung von zwei Zimmern monatlich 100, 180—160, von vier Zimmern 250—300. Es ist je Zimmer und Tag zu rechnen für Heizung durch Petroleumöfen 1 Liier Petroleum Q.80 und für Beleuchtung 1 k» 0,12, 1 cbm Gas 0,20. Es kostet täglich Morgenkost 030, 0,80—1. Mittagessen oder Abendessen 1, 2,50. Für Verpflegung alkiusind iii«iriillkh_ui .rechnen 60=-jjJLÜOO—120. m tr ,f; t -i- '.. •».. * r ' *r H Lebensmittel: Es kostet^« 1 kg Mehl t>,a0r^ror0,25. Butter 1,40—1,60, Olivenöl 1,80—2, Margarine 1—1,20, Fleisch (Schwein) 0,80—1,20, (Rind) 0,50-1,10, (Kalb) 1—1,20. ( Hammel i 0,40 bis 0,60, Hühner 1,80—2,60, Speck 1,50, Zucker 0,40-^0,50, Reu 0,40 his 0,50, Hülsenfrüchte 0,40—0,60, Nudeln 0,30, Kartoffeln 0,J5—0,20, 1 Liter \W« 1. .0,16—0,20, 12 Eier 0,60—1,20 je «ach Jahreszeit. \ Bekleidung: Es kostet ein Minneranzug Konfektion Tuch 80 bis 140, Waschstoff 60—80, Maßarbeit Tuck 120—180, Waschstoff 70—100, ein Männerhemd 6—8, besseres 12^-20, ein Paar Mlqnerstiefel (Arbritsatiefel) 10—15, bessere 20—26, ein Frauenkl.-id (Hauskleid) * 10—16, besseres 80—80. ' - j fl 'Ortsüblicher M o n a t s b e d a r f .(einschließlich Unterhaltung ,, von Kleidung, Wische, Haushalt, FahrUuslagen und Scbiilgeld): lediger ' Handwerker 160, 1813—220, verheirateter. Handwerker ohne Kinder . "200, JK»~38d, Handwf>rkerfarr-ilie ' von vier Köpfen 800—4607TS!twr--~ Angestellter '800—260, 800—860, »erheirateter Angestellter ohle Kuid.-i 300, 400—400, Ang.-stellt. nfan,ili.- von vier Köpfen 400, 6Qp—700. ♦ •(' * •* •'' . ■ I ■ ' » ■ > i \ ' i* >r* I » I. » ■ ' I V ' ' ' t 2 ■ * ■• - . > .--s . ii 41 - K, c» .. i ... I ...; V) ' ' ■' / "' - t?\*s N; -'t-'- L V r-.' V 'k '.'.T"' I •' /. ,; ÙSàK^^ : m££zm& -