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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1934-08-01 · August 1934 · p. Seite 19

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1934. Bestand UB Ffm
Issue
August 1934
Date
1934-08-01
Page
Seite 19 (sequence 21)
Language
German
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Asien y -r^j . Biro-Bidschan Es .gingen Nachrichten über eine hoffnungslose Lage in Biro-Bidschan durch die Presse. Es würde gemeldet; daß litauisch« Juden, die vor 2^3 Jahren nach Biro Bidsehan ausgewandert sind, die Litauische Gesandtschaft um Rückbeförderung in die Heimat gebeten haben. In einem Schreiben erklären sie, das Gebiet' sei von Hungersnot und epidemischen Krankheiten heimgesucht. ' " i Erliegt folgende Mitteilung aus Char bin Ober Biro- Bidschan vor. * ' „Obwohl wir tms ganz nahe votn Biro-Bidschan befinden und unser Land an dasselbe angrenzt, können wir Ihnen keinen genau erschöpfenden Bericht geben, inwieweit Biro-Bidschan zur Einwanderung geeignet ist : ' . . ■ Deber die kolossalen Ressourcen und die natürlichen Reichtümer dieses Landes haben Sie gewiß aus'den Berichten unid aus der Literatur, die über Biro-Bidschan bereits entstanden ist, erfahren. Von hier ist die Auswanderung nach Biro-Bidschan gering, denn die jüngeren Tleule (Sowjetbürger), die. aus der Mandschurei nach- Sow jet Rußland auswandern, sind in der Hauptsache qualifizierte Arbeiter. Sie gehen nach den großen Industriezentren Bußlands—(Magnitogorsk, kuineikostroi, Donbass usw.). Die alteren Leute fahren hauptsachlich zu^ihren eilt eingeordneten Kindern. Die wenigen, die von hier nach Biro-Bidschan gefahren sind, schreiben uns ermutigende Briefe.. Es ist, wahr, daß noch große Mängel bestehen, nämlich in der Wohnungsfrage, in der Versorgung der Einwanderer mit den notwendigsten Geräten usw., aber man schreibt uns, daß alle . "gfrr fi**dt wird er, *"m «iî«t" Mängel zu beseitigen. In den ersten drei Monaten 1934' sind nach Biro-Bidschan 900 Personen gekommen \nacfa dem Plan sollten viel mehr kommen). Es befinden sich in Biro-Bidschan etwa 8000—9000 Siedler, hiervon 2500 in landwirtschaftlichen Kollektiven, 2500 in ' Handelskooperativen und etwa 1500 in Regierungspositionen (Administration, kulturelle Einrichtungen, sanitäre Einrichtungen usw.y. Die übrigen sind in den -Sow jet wirtschaften ocUr mit anderer» Arbeiten beschäftigt. - Die jüdischen Kolonisten in Biro-Bidschan genießen die Privilegien, die die Sowjetregierung am 11. Dezember 1933, für die, Bevölkerung des Fernen Osterls erlassen hat Sie weiden von. der Hälfte der^ Regierungssteuern, befreit, erhalten doppelten LohnT' FaaT aHc -4aii3wirtschaftlrehett -Kolonisten haben jetzt ihren Galten. BjsflpsBidschan besitzt bereits, ein Netz von Schulen und Kinderheimen. Es wird alles mögliche getan, um die vielen Fehler, 'die bisher gemacht wurden, zu beseitigen. Die Sowjetregierung bewilligt jetzt große Summen (47 000 000 Rubel) für den Aufbau von Biro-Bidschan. Wir müssen aber Ihre Aufmerksamkeit darauf lenken, daß für deutsche Juden, die auf Privatwirtschaft eingestellt sind, Biro-Bidschan sich nicht eignen wird, da dort alles auf kollektivef Basis aufgebaut wird. Nur solche'Menschen, die bereit'sind, sich den neuen Bedingungen anzupassen und mit den alten Traditionen zu brechen, können sich entschließen, nach Biro- Bidschan zu fahren. «?. * . - . „V Gute Fachkräfte, Techniker, Chauffeure, Baumeister, Klempner, Schlosser, Maurer, Elektrotechniker usw. haben in Biro-Bidschan große Möglichkeiten. _■ Das Klima ist fast das' gleiche wie bei uns. Die Reichtümer von Biro-Bidschan sind unerschöpflich. Es kann sehr viel au/ dem Gebiete der intensiven Kolonisation geleistet werden, und es viele Möglichkeiten auch auf dem'Gebiete der Industrie." China I Mach den Schätzungen der International Assoc iation of Chinese Overseas sahen sich über 1000 000 Chinesen von 10 200 000, die im /Ausland wohnten, gezwungen, nach China zurückzukehren. Die Zahl der Rückwanderer von den Straits Settlements soll -Allein schon 500000 betragen haben, während 4000 von den Vereinigten Staaten zurückgekehrt sind und 4000 von Mexiko. *j In China haben'Einfuhr und Ausfuhr am stärksten unter allen wichtigeren. Oberseeilndern abgenommen In Japan hat sich dagegen die Ausfuhr — vor allern durch die Entwertung des Yen — f;'\ ,.■'< ' ■ ■ ■ mengenmäßig^auszudehnen vermocht. Durch die Lostrennung eines der reichsten und als RohpztMiqktenand Siedlungsland, als Ausfuhr- und Einführmarkt gleich wichtigen Gebietes aus dem Gefüge des chinesischen Reiches hat die Wirtschaft Chinas, schwer gelitten. Ein Überblick über'den Zustand in einzelnen Provinzen Chinas ist nachstehend gegeben. Siedl wan Ut der Jagdgrund für Kriegsherren, drei ohne Rücksicht auf die nationalistische Regierung eine Provim aussaugen, die bevölkerter 1st, Us the Gesamtheit der britischen Inseln. In Siakiang ist Bürgerkrieg! Kansu ist nach1 Krieg and Hungersnot geschwächt, Shensi ist in derselben Lage, wozu noch kommunistische Verwicklungen kommen. Yen Hsi-shan, S nanti und Han-Ku-chu in Shantung sind so unabhängig, daß Nanking kaum wagen würde, sich in ihre Geschifte zu'mischen. An der SpiLu: von Chili stallt, ein Vertreter von Nanking, der von nördlichen Befehlshabern umgeben ist, welche mit Nanking nichts1 zu tun haben.'Hunan grenzt an Kwaatung und Kwangsi, wo die Opposition gegen Nanking ihren Mittelpunkt hat. Wie f aas Lieben unter -diesen Verhältnissen möglich ist, geht ausfolgender Darstellung eines Kenners des Fernen Ostens i «r* hervor. Wenn j man auf China von dem Gesichtspunkt einer Person ohne . besonders. Kenntnisse des Fernen Ostens blickt, so würde ein sonderbares ' und chaotisches Bild erscheinen Kin unerklärter Krieg mit einem Nachbarland, Bürgerkrieg in verschiedenen Provinzen und eine starke militärische Kampagne gegen eine kommunistische Rebellion, wo alles in einer oder der anderen Zeit vor sich geht oder sogar zu derselben Zeit — — — das ist das Bild en miniature. Aber diejenigen von uns, die hier einige Jahre leben, sehen solche Verhältnisse als fast endemisch an, und wir können viele von den Unruhen übersehen, da wir aus~firfahrung wissen, daß der Handel weitergehen wird, und daß. die Chinesen eine erstaunliche Art haben, ihre inneren Unruhen zu lokalisieren. Aus Informationen vorn Dezember 1933 sei folgendes angeführt: In Shanghai leben 9000—4000 Juden; es gibt zwei Gemeinden, und - zwar erstens die sephardische (alteingesessene Juden! die vor Jahrzehnten aus Bagdad und Mesopotamien über Indien .eingewandert sind) und Zweitens die aschkenasische, (rassische, polnische und Oberhaupt auswärtige Juden; die in der Mehrzahl während der letzten zehn bis ffinf- . zehn Jahre aus Charbin nach Shanghai übersiedelten), ■, Der größte Teil der Juden wohnt anschließend an die auslfpdischert Kolonien (englische, amerikanische, franzosische). Shanghai ist die größte Hafenstadt des Fernen Ostens; die meisten Schiffe halten dort an. Die europaischen Handwerker, die dort hingekommen sind, können ihre Position nur durch sehr hohe Qualifikation behaupten. Nur Spezialisten haben Chancen 'für ein«' iîxistenz."tXe europäische -Kolpnie ist nicht groß genug, im alle neu hinkommenden Fächleute zu bojchlftigen. Wir glauben daher, daß pur einige wirklich gute Spezialisten in Shanghai unterkommen können. *•' ' ' '' o., Das Leben trägt amerikanischen .Charakter. Die Stadt ist u groß und ausgedehnt;'ein Teil der dortigen Juden wohnt in der brTtischen Konzession und ein Teil in der. französischen. "' In China und der Mandschurei sind Lebensmittel billig; ein Pfund Brot kostet 2. amerikanische Cents, ein Pfund Fleisch guter Qualität 6 Cents. Besonders billig sind Milchprodukte und Fische; stich allerlei Geflügel ist billig., Obst ist teuer. Im Zentrum von Charbin sind die Wohnungen^ teuer: sin Zimmer mit Bad, Heizung und Beleuchtung 10—16 amerikanische Dollar. Ein Intellektueller mit Familie (3—4 Personen) kann in Charbin oder Mukden mit allen Bequemlichkeiten fur $ 76 monatlich leben. .Soviel ungefähr beträgt auch das durchschnittliche Einkommen qualifizierter europäischer Fachleute. Ein Ober den Durchschnitt qualifizierter Arzt kann erzielen, daß seine Präzis ihm monatlieh $ lb0 .einbringt. v > . " "" ' ' ' i -.- ■ •.'■'' ..; . "Auszüge Sus Briefen, aus 'Nan k ing und Shanghai vom Januar 1934: "'• Die Großstädte 'haben mehr Arrtf als nötigist. Die europäischen Arzte? können nur «on Europäern leben. Et sind überall JBilrciche amerikanische Arzte und viele sehr gute russische Arzte vorhanden. Ein Teil 'davon spricht fließend chinesisch und isthier seit 1917. Sehr zahlreiche chinesische Arzte sind in Amerika, aber auch in Deutschland ausgebildet. In den sehr guten chinesischen Krankenhäusern, die modern sind, mit modernsten Einrichtungen versehen, sind drei Klassen, billig; die Arzte dort sind gut. An oirrigen von ihnen yrerden zeitweilig gut« europäische Arzte angestellt. Daß diese Stollen besetzt sind, ist selbstverständlich. Viele deutsche Arzte sind in letzter Zeit nach China gekommen, teilweise gute fachirzte Einigo sind bereits zurückgefahren, da sie die Aussichuloaigkeit einer- Privatpraxis eingesehen haben. Andere sind noch da. Erfolg? Ger keinerI Die Ver- ' zweiflung wächst. Einige versuchen, in die dortigen ärztlichen Firmen Geld einzuzahlen und irgendwie doch unterzukommen. Ein schön—, er- Xquickliebes Dasein-wird es kaum sein. Alsot wir warnen die Neugierigen, begrüßen aber jeden, der viel Geld und Zeit hat, um eine herrliche Reise su machen und sieh das phantastisch interessante China anzusehen. •a ■ ■ ■ ' h ' ~ nr. t .v .« ».' a - -v - ■ « 19 .. . ,. * ■ T ' /

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