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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1930-05-01 · Mai · p. Seite 1

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1930. Bestand UB Ffm
Issue
Mai
Date
1930-05-01
Page
Seite 1 (sequence 2)
Language
German
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KORRESPONDENZBLATT '•*m . \ v- 1 ^_ ■ — er Auswanderyngs* und Siedhmgswesen Herausgegeben rom Hilfsverein der Deutschen Juden 1| "j 1 ■ >—■ -H»»» - ' . . ' „ Zeotralböro für jüdische Au«wsnderungsang elegenheiten . Vom Reidwwanderungsamt anerkannte gemeinnützige Auskun|tssteHe für, jüdische Durchwanderung und Ausvan H-— Redigiert von Dr. Mark Wischnitzer und Arthur Goldschmidt ■ i—^■■■im i , i.i i i . .——i^—^im. mg Berlin, Mai 1930 Immer neue. Staaten folgen dem Beispiel, das die Vereinigten Staaten und' Kanada auf dem Gebiete der Einschränkung der osteuropäischen Einwanderung^gegeben haben. Im Jahre 1928 hat Australien sehr eng begrenzte Quoten festgesetzt, vom iJ Mai tû3o hat die südafrikanische Union ihre Tore der Einwanderung aus Osteuropa fast verschlossen. Peru und Guatemala versagen Angehörigen einer Anzahl osteuropäischer und orientalischer Länder völlig den Eintritt. Andere Staaten, wie z. B. Mexiko, erschweren die Einwanderung. In den Vereinigten Stakten machen sich Tendenzen bemerkbar, das Quotenprinzip auch gegenüber Einwanderern aus den Ländern des amerikanischen Kontinents zur Geltung su bringen. Die prohibitive Immigrationspolitik überseeischer Staaten von riesigen räumlichen Dimensionen wirkt um so verhängnisvoller, als infolge der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse ein außerordentlich starker Drang zur Auswanderung in den osteuropäischen Ländern besteht, die übrigens von den betreffenden Regierungen aus Qründen verschiedener Art erschwert wird, und andererseits1 die Staaten des europäischen Kontinents mit ihrer dichten Bevölkerung und wirtschaftlichen Krisenzustanden gegen Zuwanderung neuer Elemente ebenfalls Schranken aufrichten. England ist seit Jahren für europäische Einwanderer so gut wie -verschlössen. Eine der Folgen der sich immer mehr ausdehnenden Restriktionspolitik sind verzweifelte Versuch», auf illegalen Wegen,aus- und einzuwandern, Versuche, die bei der bestehenden scharfen Kontrolle meistens fehlschlagen und zu schlimmen Konisequenzen für die illegalen Wanderer führen. Die Fürsorge fflr Emigranten in den Auswanderung»-, Durcb/wandertmgs- und Einwanderungsländern ist eines der schwierigsten Probleme und eine der dringendsten Aufgaben, für deren Bewältigung zweckmäßige organisatorische Einrichtungen und das Zusamanarbeiten der Hilfsgesellschaften unerläßlich sind.- Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat sich seit Anfang des Jahrhunderts in den Dienst des Auswandererförsorgewerks gestellt. . , -#v EUROPA \ '.; * : Deutschland •-/ Stand der angemeinen Auswanderung ' Im Jahre 1939 sind aus Deutschland 48 611 Deutsche mit überseeischem Reisesiel ausgewandert, davon über Hamburg und Bremen 47 434, ferner (ebenfalls über diese beiden Hafenstädte) $4 oo4 Ausländer, davon io3a, die bisher im Deutschen Reich ansässig waren. Die deutsche Auswanderung; ist seit. 1916 im Fallen begriffen, was mit der schlechten .wjr.tachaf tlichen Lage-in überseeischen Einwanderungsländem und mit der starkeil Herabsetzung'' des für Deutschland für das Quoten jähr Ttpo/3o in den Vereinigten Staaten zulässigen Kontingents von 5l SIT auf a5g57 zusammen^- hängt . - I. . »v r'l'- '• » t, '.' Die Fürsorgearbeit des Hilfsvereins Der Hilfsverein führt die Fürsorgearbeit fur Durc&wanderer in Deutschland durch seine Zentrale, seine Komitees in Hamburg und Bremen, Vertrauensleute an der West- und Ostgrenze ^Übersicht darüber ist am Schlüsse gegeben), wie durch Bahnhofsdienste in Berlin, Stentsch und Osnabrück durch: Der Hilfsverein gewährt Organisationen und. Gemeinden in Einzelfällen, und wo es sich um die Beförderung von Gruppen (speziell für Paläsbnarebende) handelt, von Fall zu Fall seme finanzielle Mithilfe. Er stellt Organisationen, die als üurchgahgsstellen Schwierige Funktionen än der Ost- und Westgrenze auf dem Gebiete der Wandererfürsorge erfülleh, Mittel sur Verfügung, so s. B. der Jüdischen Central wohl fahrtssteÜe im Gebiete der Freien Stadt Dànzig, ~>dem Hilfsausschuß JFür Judische Durchwanderer in Köln und dam Israelitischen Armenunterstützungsverein in Aachen^" Mit den-" großen Emigrationsgeeellschaften de* Aualandes, die gleich/stt» am'j Schlüsse angeführt sind-, arbeitet der Hilfsverein ständig zusammen. Er erfreut sieh der wirksamen Mithilfe seitens der Jewish Colonization Association, Paris, dank welcher die Fürsoigearbeit für Durchwanderer m Deutsch land in weitem Hjahmen durchgeführt werden känp. Von .besonderem $9775 Personen Werte ist uns such des enge Zusammenwirken mit der Gesellschaft Hicem in Paria, der die ICA. gleichfalls angehört' ■N , Unter unserer Fürsorge .passierten im Jahre 1939 Berlin: (Scblesischen Bahnhof) ~~, Ans- und Rückwanderer, \Mdavon Männer î3 35a Frauen 11 188 Kinder 5 »35 Unter diesen waren Nichtjuden 16 4«o Ihren Weg nahmen über: Stentsch: ^pohiscl» Grense) . ' OBUÜ .» - (Bahnhofsdienst) Osnabrück: (Bahnhofsdienst) 1 ibo „ ' t> Aftoo „ j-f s^sMtgfe;.«sfw% jfi üäm r Im Büro der und Hilfe ' ih 1060 Die Zahl der Durch wanderer war im-Jahre 1999 beträchtlich höher als im Jahre. 193& Dies hing mit dem ungewöhnlich strengen Winter 1928/1939 zusammen, der zur Folge hatte, daß die Auswanderung aus dem Osten zeitweise nicht über die beiden Häfen, über aie sie ihren Weg nimmt, Danzig oder Gdingen — den polnischen Hafetv— gehen konnte. * Die Zahl der Aus- und Rückwanderer in den ersten vier Monaten des» Jahres 19S0 belief sich auf rund 14900 Personen. Von den (76 russisch-jüdischen' Emigranten, die mit Visen bereits versehen im Jahre ioa3 auf ihrem Wege nach den Vereinigten Staaten wegen Erschöpf una der rassischen Quote 'nicht mehr dorthin gelangen konnten und iu den Auswandererheimen der Hamburg-Amerika-Linie in jüjimbujg Und des Norddeutschen Lloyd in B r e nTe n auf erneute Einreisegenehmigung warten mußten, haben jetzt alle ein Visum erhalten. Damit hit «in durch die rigorose und. starr« Immigrationspolitik geschaffenes Massenmartyrium seinen Abschluß gefunden^ Der Hilfsverein hat sein Möglichstes /für die unglücklichen Oberlieger getan und sich namentlich der-, unter ihnen befindlichen Waisenkinder ange- ■■ iL & >.? V '.'.»•: 1 1 ■

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