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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1928-03-01 · März 1928 · p. Seite 11

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1928. Bestand UB Ffm
Issue
März 1928
Date
1928-03-01
Page
Seite 11 (sequence 12)
Language
German
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können, andere haben sich in unseren Schulen herangebildet, unterstützt und unterrichtetdurch die lokalen WohlfahrLsgesellschaften, Spar- und Leihkaisen.* Die Kurse und Konferenzen, die Sportgesellschaften, die Bibliotheken haben tu ihrer Ausbildung beigetragen, und sie haben sich in .einen» Lande verbreiten können, wo die ausdauernde und arbeitsame jüdische Bevölkerung sich -einen ehrenvollen' Platz zu erringen wußte. „Die j&dischen Kolonisten",'sagte vor kurzem die PRENSA, die große argentinische - Zeitung, ,.stellen ein wertvolles Element ' unserer.Bevölkerung dar;'sie sind intelligente und loyale Arbeiter und können vielen unserer Mitbürger tum Beispiel dienen." ■ •■; . ' * '».-'*■ v *"' -■ > ■ * '■'''."'-.-*'--*-"■ '~ « Einwanderungspolitik.; Im Hinblick sowohl auf wirtschaftliche^ Verhältnisse wie - auch auf die Immigrationspolitik der Regierung liegt eine möglichst rationelle Gestaltung dar 'Einwanderung im dringenden Interesse .der Einwanderer. Buenos Aires zählt "zur- : «eit an 9 ooo ooo Einwohner. Die weiten Gebiete Argentiniens sind dünn bevölkert und* harren der Erschließung.' Eine Kontentrierüng in jler Hauptstadt, wo die Einwanderer ' nicht ohne Beeinträchtigung der dort bereits Weilenden absorbiert werden können, wird alsunerwünscht angesehen. - - Die Regierung steht der Jüdischen Einwanderung nicht unfreundlich gegenüber. Das Einwandeningsproblem, dàs fur Lander mit großen Kolonisationsmöglichkeiten und -notwendigkeiten von besonderer Bedeutung ist, beschäftigt die Regierungen Südamerikas intensiv. Es bestehen Tendenzen für eine unifizierte ' südamerikanische Irrrrnigrätiönspolitik. Die's kommt in nachstehend skizzierten Ausführungen zum Ausdruck, die einer Veröffentlichung des Internationalen Arbeitsamtes entnommen sind. ' Der Generaldirektor des Argentinischen Immigra tionsdepartements hat öffentliche Erklärungen abgegeben, in denen er auf den Werf der "Kooperation der hauptsächlichen Südamerikanischen Linder rar besseren Regelung der Auawanderer fragen hinwies. Er hob-speziell hervor) daß zwischen Argentinien und Brasilien keine Gefahr einer Konkurrenz bestände, was Einwanderung betreffe, da nie Zahl der europäischen Arbeiter, beschäftigter und unbeschäftigter, die gegenwärtig bereit seien, nach diesen zwei Ländern zu gehen,-weit große* sei, als die Zahl, die absorbiert werden könne. Ueberdies befände <*icfc in Brasilien und sogar in Argentinien eine' gewisse* Zahl unbeschäftigter Arbeiter, die für letzteres Land auf Sooooo geschätzt werde, was nicht dem * Mangel .an Arbeit zuzuschreiben sei, sondern der Tatsache, daß . die betreffenden Arbeiter si A nicht für die lokalen A rbeit*- 1 . bedingungen eigneten. Erhält eine systematische Auswahl der Einwanderungswilliçen für die südamerikanischen Einwanderungsländer für nötig, nm verschiedene Elemente zu eliminieren, die nicht zu assimilieren sind, oder, die au*ökonomischen, politischen und sozialen Gründen unerwünscht sind. '■—Ç. Er regte die Vereinheitlichungder Immigrationsbestimmungen an und dj£ Koordinierung der Deberwachung in Brasilien, Argentinien und Uruguay, ferner Verbesserung dea Paßsystems und besonders vorherige Information über Einwanderungswillige, namentlich m Rücksicht auf Ihre -technische Schulung, um zu. verhindern, daß Immigranten, die Ackerbtnarbeit nicht leisten können, sich als Ackerbauern ausgehen. Der Generaldirektor gab auch dor Ansicht Ausdruck, daß in erster Reihe ein Appell an Immigranten der lateinischen Rassen rar Entwicklung der Bevölkerung der südamerikanischen Länder gerichtet werden sollte, und wies darauf hin, daß der Zustrom neuer Ankömmlinge nach den großen Städten ihrer Furcht vor Isolierung entspringe, aber daß später Immigranten sieh im Innern des Landes niederzulassen strebten. * , Er hat auch bereits mit brasilianischen Ministern verschiedener Ressort* Beratungen abgehalten, u. a. erklärte der bra- Ackerbauminister sein Einverständnis speziell mit einem koordinierten Vorgehen in bezugUuf die Lieber wachung dar Einwanderung unerwünschter Elemente. — : - Die Einwanderer nach Südamerika haben mir zum geringsten Teil,', im Gagensatz yu denjenigen, die nach den Vereinigten SUatewemitfrieren, «V erwandte m der neuen Heimat., Sie sind meisteiCrTuf sich selbst angewiesen, und daher ist es ihnen besonders in empfehlen, bei dem Aufbau ihrer Existent Rat vori landeskundigen einzuholen, dies liegt ebenso in ihrem eigenen Interesse wie im allgemeinen Intéresse der künftigen Jüdischen Imanifrstttm. Das der Hicem angeschlossene Komitee in ■ » Jii.i' -„ - . — / XV ■* Buenos Aires, Sociedad de Proteccion a Los Immigrantes Israelites Comité Central Israelita de Socorro Umficados Bme Mitre 1876 steht bei der Beschaffung von Arbeit den Ein- \ wanderern zur Seite, muß aber dsn Landes- und Wirtschaftsverhältnissen bei der Arbeitsverteilung Rechnung, tragen. — Kaufmännische Angestellte! Angehörige freier Berufe, für die .-Argentinien im allgemeinen kein aussichtsreiche! Feld bietet; müssen sich darauf gefaßt machen, im. Notfälle harte, schwere Arbeiten jederx Art zu verrichten — als Streckenarbeiter bei .der Bahn, als Handlanger beim Bau, als Lastträger, in Fleischgefrierärtstalten usw. —. Ansässige und Kenner der Landesverhältnisse heben hervor, wie schwer der Anfang in Argentinien ist. Manche jetzt dort im Wohlstand'' Lebenden haben diesen Weg auch gehen müssen. Aus den obigen Darlegungen.des Generaldirektors des Argentinischen ImmigrationsdenartemenU ist zu ersehen, wie schwierig die Verhältnisse liegen, da eine Reservearmee von über 3oo 000 Arbeitslosen in Argentinien allein vorhanden ist, die aus nicht anpassungsfähigen Elementen sich zusammensetzt _ In jüdischen Kolonien bieten sich, wie bereits erwähnt, Arbeitsmöglichkeiten für Arbeitswillige, d. h. zu jeder sich bietenden Arbeit Willige. Es ist bei vder jüngsten Konferenz jüdischer EmTgrationsgeseTIschaften betont worden, daß die-1 Aufnahmefähigkeit Argentiniens groß 'sei, aber die Anpassungsfähigkeit an LandesverhältnUse-, wenn die Umstände, es erfordern Uebernahrae schwerer Arbeit, die unerläßliche* . Vorbedingung zum Fortkommen sei. Aus einem Bericht des Deutschen Volksbundes für Argentinien. , Ein sehr v lehrreiches Bild von den Schwierigkeiten, sich in Argentinien durchzuschlagen, geben Ausführungen, die in einem Bericht des Deutschen, Volksbundes 'für Argentinien in Buenos Aires"enthalten sind. (Abgedruckt in Wr.-i3/i4, "9*7. dei.Nacbrichtenblattes (1er ' Reichsstelle für das Auswanderungswesen.) Wir geben einen ganz kurzen Auszug davon nachstehend wieder: - . ' V . . . Landarbeiter werden nur. saisonweise beschäftigt und nach Beendigung der Saison wieder entlassen. - Durch 4ie~ static Einwanderung besteht heutzutage auf dem Lande ein Ueberangebot von Arbeitern und dies auch in der Erntejeit. Lahdwialscbaftliche Arbeitgeber beschäftigen am liebsten Italiener, Spanier, und* Eingeborene, das Elend, das namentlich' im Winter tinter den Arbeitern herrscht, ut unbeschreiblich. Am allerachwiengsten ist und bleibt die Lage für Arbeitsuchende, die aus gehobenen Stellungen kommen, Akademiker, Beamte und kaufmännische Angestellte, von diesen kann immer nur ein kleiner Bruchteil angebracht werden, da das Geschtftsleben in Argentinien fur die große' Zahl derartiger Einwanderer einfach nicht aufnahmefähig ist Intellektuelle Stellungslose 'besonderssehen alle ihre Erwartungen und Hoffnungen getäuscht, wenn sie den leisten. Ausweg in körperlicher Arbeit suchen. Dir bester W-ülc ist nicht imstande, die körperliche Fälligkeit zu snutaan und die Anpassung an das Arbeitermilieu in Argentinien ist auch Wielen unmöglich. Junge Kaufleute und Buroangestellte haben >*ahr wenig Aussichten Noch viel schlechter steht eumit landwirlschafllichèV^Beanitcn. Aussich - " ten auf- Vorwärtskommen haben nur Landwirte, die Nh> Mittel haben, sich eine eigene- Landwirtschaft su kaufen, bliese solltchv aber cor an Ort und Stelle ihre Wahl urid Entscheidung treffen, um Vicht Agenten in die rUnac-vW fallen, die ihnen falsche Vorspiegelungen machen. _ . Man macht >kh in Deutschland keine Vorstellung] davon, mit welcher Schärfe in Argentinien^« ToMltyrrentkunpf geftprt wird und welche Fxom der Kamp^Coams Dasein dorKannimmt. Der Neuling in diesem, Lande, der sein -Geld anlegt, sei eYiin derXGründung eines Restaurants, einer Pension, eines FabrikbetriebV^oder auch als selbständiger Handwerker, wird in.de» Regel sehr schnell sein Geld--loa,— da er fur (Be Geschäftspraktiken nicht raffiniert genug ist. < In einem 'anderen uns zugegangenen Bericht warnt die Beratungsstelle des Deutschen "Volksburjkies dringend vor Einwanderung ohne festen Vertrag. — Dip oben erwähnte Sociedad .de Proteccion a los Immigrantes Israelites teilt uns auf eine Anfrage vom September 1917 wegen Beschäftigung eines Dienst- ( rnädchens mit, daß das Gehalt von Dienstmädchen monatlich 3o bis 60 Pesosbeträgt bei freier Station, außer> Kleidung. / ■ *. * " - ■ ïïïipr'' 'à' f' ' ■ Schutzkomitee in Buenos Aires. Die alleinreisenden. .Frauen und Mädchen werden von Vertretern der Sociedad, de Proteccion . in Buenos Aires I*-- treuL -Es ist gcbfJten^dieaer^Gescll•cbaft die Abkunft anzuzeigen. U!

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