Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 174)
- Language
- German
- Belongs to
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172 Dann, wie um alles Gesagte auszuradieren, fügte sie zögernd hinzu: »Du weißt, ich sammle Photographien seit jeher mit Eifer.« Während sie noch sprach, trat ein dürres Männchen ein, kahlgeschoren, und seine unruhigen, vorgewölbten Augen von einer Brille bedeckt. »Mein Mann Dr. Ciska — mein Jugendfreund Peter«, stellte Klara vor. Dr. Ciska streckte mir die Hand hin: »Freut uns ungemein, daß Sie uns die Ehre machen. Hoffentlich haben wir noch Licht heute abend. Ich habe schon um den Installateur geschickt, aber so spät wollen die Leute nicht mehr kommen.« Unter gleichgültigen Reden führte er mich in sein Arbeitszimmer, das eine Mischung von chemischem Laboratorium, Bibliothek und Maleratelier war. Das Ganze wirkte durch das spärliche Kerzenlicht etwas gespenstisch; ia, ich erschrak bis auf den Grund meines Herzens, als Klaras und mein Schatten einander an der Wand begegneten, an der ein Skelett stand, das eine alte Kupfermünze an einem Seidenbändchen um den Hals trug. Das Gespräch kam nur schleppend in Gang. Endlich fragte ich geradezu, wer denn dieser sonderbare Diener Josef sei, der die Gabe besäße, einen fremden Menschen mitten im Gewühl der igroßen Stadt aufzuspüren? Dr. Ciska zuckte unter meiner Frage zusammen. Dann sagte er ausweichend: »Es ist schwierig, Ihnen, als Laien, diesen seltsamen Fall von Somnambulismus, den wir Psychiater kennen, zu erklären. Es sind — wenn Sie so wollen — magische Kräfte, über die der Kranke zu gewissen Zeiten verfüsjt und die ihn zu solch außergewöhnlichen Leistungen befähigen, wie es die Auffindung total fremder Menschen ist.« »Und woher wußten Sie, daß ich hier bin?« »Das hat uns«, sagte Dr. Ciska stockend, »auch Josef berichtet. Meine Frau ordnete dieser Tage alte Photographien, darunter war auch die Ihre, mein Herr. Der Zufall