Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 136)
- Language
- German
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134 hinaus in die Nacht. Aber anders mit uns. Wir sind alt, und unnüt; ist allen ein Greis und sich selber am meisten. Wir können nicht rudern in den Galeeren, wir, die kaum Kraft hätten, die Erde zu schaufeln für unser eigenes Grab, und selbst der Tod, wenn er uns nimmt, gewinnt nicht mehr viel. Unser ist es, die nichts zu fürchten haben, das Gerät zu begleiten. Nur die mögen also zusammentreten und sich zum Wege rüsten, die über siebenzig sind.« Aus dem Gedränge traten die Greise, silbern alle den Bart. Zehn waren es, und als Rabbi Elieser, der Reine und Klare, zu ihnen sich reihte, waren es elf: an die Urväter des Volkes dachten die Jüngeren, wie sie da standen, die Letjten vergangener Zeit, ernst und feierlich. Aber noch einmal wendete der Rabbi sich ab von ihnen und trat zurück in der Anderen Kreis. »Wir werden gehen, die Alten, die Greise; habt keine Sorge, ihr Andern, um unser Geschick! A'»er doch: au<"h ein Kind muß mit uns gehen, ein Knabe, daß er Zeuge sei für das nächste und abernächste Geschlecht. Wir sterben bald hin, unser Licht ist halb niedergebrannt, und in Kürze verstummt unser Mund. Einer aber möge sein noch Jahre und Jahre, der lebendigen Blicks den Leuchter vom Tisch des Herrn gesehen und die heiligen Geräte, damit die Gewißheit bleibe von Stamm zu Stamm und von Geschlecht zu Geschlecht, daß unser Heiligstes nicht uns verloren ist, sondern nur weiter wandert seinen ewieen Weg. Ein Kind, ein unmündiges, und ob es auch den Sinn nicht begreife, muß mit uns gehen um der Zeugenschaft willen.« Alle schwiegen. Jeder dachte voll Angst an sein eisren Kind, es hinaus zu senden in die Nacht und Gefahr. A,ber schon hatte Abthaiion. der Färbermeister, sich prhohen. »Ich gehe und hole Benjamin, mein Enkelkind. Sieben Jahre ist er erst alt, so viele Jahre, als Arme sind an jenem Leuchter, und dies scheint mir ein Zeichen. Bereitet Euch unterdessen zum Wc<re, nehmt an Zehrung, was Ihr findet in meinem Hause; ich bringe das Kind.« Die zehn Greise setzten sich rund um den Tisch, die .Binareren brachten ihnen Wein und Speise. Aber ehe sie das Brot brachen, erinnerte der Rabbi sie des Gebets, das. die Vorväter immer sprachen dreimal des Tages. Und dreimal wiederholten mit ihren dünnen gebrochenen Stimmen die Greise, den sehnsüchtigen Spruch. »Barmherziger, wolle in Deiner Barmherzigkeit Deine Herrlichkeit zurückführen nach Zion und den Dienst des Opfers nach Jerusalem.«