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Jüdischer Almanach · 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 114

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5697 (1936-1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 114 (sequence 116)
Language
German
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114 allem bequem izu behandelnder Mann. Er war zur Stelle, wenn man ihn brauchte — und zumal in der wirren letjten Zeit brauchte man ihn oft — seine kluge, besonnene Art war verläßlich und angenehm und sein Rat von immer kompetenterer Bedeutung. Seine Direktiven zur Neuordnung der Zivilliste verschafften dem Finanzminister jenen provokanten Sieg über die Kammer, der sicherlich die peinliche Juli-Erregung zum Aufflammen brachte: aber wieder war es Haber, der in der allgemeinen Kopflosigkeit der verantwortlichen Minister das kalte Blut bewahrte und mit erstaunlichem politischen Instinkt die Führung übernahm, ohne viel sichtbar zu werden. Das eben war es, was ihm der Fürst nicht vergessen wollte: er kommandierte nicht in der Öffentlichkeit, sprach nicht mit den hohen Verwaltungsstellen, bedang sich kein Ministerportefeuille aus — nein, er sagte ihm, dem Herrscher, in freundlichen, ganz privaten Gesprächen, was zu tun sei; er nannte für Kabinettsumbildungen die richtigen Persönlichkeiten, ließ die demokratischen Führer hochkommen, um die republikanische Stoßkraft zu paralysieren, und riet zur politisch klugen Zeit, die Kraft der parallelen Wellen in Wien, Berlin und Paris ausnutjend, mit dem reaktionären Gegenangriff zu beginnen und die Demokraten zu verjagen. Immer blieb er hinter dem Fürsten — und der Fürst frappierte das Land durch eine kluge, mannhafte, aktive Politik, die keiner dem blassen und stillen Mann zugetraut hatte. Das Vertrauen des Landes und eine plötjliche Popularität verdankte er diesem Bankier, dessen Vergangenheit dunkel oder sogar trübe war, anrüchig vielleicht — aber der keinen Lohn forderte und dein man die Baronisierung fast aufdrängen mußte, um das Gefühl der Dankesschuld nicht peinlich werden zu lassen. Der Mann war nützlich und bequem, gewiß nicht leicht zu durchschauen, zuweilen in seiner Überlegenheit ein wenig unheimlich oder sogar unangenehm — man fühlte sich gleichsam dumm in seiner Gegenwart — doch diese leise Demütigung wurde durch das Gefühl der Sicherheit ausgeglichen, das er in den Kaum mitbrachte, durch eine merkwürdige, des Erfolges gewisse Energie, von der er auf immer willfährige Art dem Schwächeren abgab, und — schließlich — durch den Erfolg selber. Er reichte dem Bankier freundlich die Hand, sah sofort in dem Gesicht des andern eine befremdliche Anspannung, wurde ernst und nervös und fragte: »Etwas Unangenehmes, lieber Baron?«

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