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Jüdischer Almanach · 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 112

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5697 (1936-1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 112 (sequence 114)
Language
German
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112 meiner Kraft noch die meines Unglücks. Mein Kind wird leben. Ich werde es lieben, wenn ich mich vor ihm verneige. Ja, ich bin ehrlich: ich werde es lieben, weil ich mich vor ihm verneige — ja, weil ein Land vor meinem bunten Blut salutieren muß. Ich werde es lieben, auch wenn ich nicht mehr die Möglichkeit haben werde, mich vor ihm zu verneigen. Solcher Aufstieg ist des Absturzes wert, solcher Faustschlag in das Gesicht der ewigen Opposition ist wert des Schlages, der mich treffen wird. Als er die Fürstin wiedersah, sprach er mit seinem entschlossenen Gesicht: »Wenn ich dich bäte, Irene, das Kind zu bekommen?« Sie sah ihn traurig an. »Du hast darüber nachgedacht«, sagte sie, »warum bist du zu diesem Entschluß gekommen?« Er antwortete, ohne zu zögern: »Aus Freude.« Sie saß still und gerade in dem hochleimigen Stuhl; das Gesicht war schmal und blaß; es erschien hochmütiger, als sie war. Die Hände, sehr schöne Hände, lagen weiß und schlank auf den Knien. Sie beugte sich etwas vor und fragte dann — ihre Stimme war weich, zärtlich und gehorsam—: »Hast du alles bedacht?« »Ja.« »Auch was kommen kann — das Schlimme, das kommen kann?« »Ja.« »Auch die — Trennung, die kommen kann?« Haber stöhnte leise. Sie stand auf und streichelte seine Hand; es war ihre Gewohnheit. »Ich glaubte nie«, sprach sie schlicht, »daß du etwas gegen dich selber beschließen könntest. Von mir spreche ich nicht.« Er küßte sie. »Ich liebe dich sehr, Irene.« »Es tut gut, daß du es mir jetjt sagst«, sprach sie sanft. »Dein Opfer ist vielleicht das größere, obwohl ich noch nicht fühle, ob ich es werde bewundern können. Du weißt, ich bewundere dich gerne, aber diese. .. diese Freude, deine Freude — vielleicht ist sie großartig — liebt mich nicht. Und mir scheint, ich bin noch nicht weit genug, die Lieblosigkeit zu bewundern. — Mein Gott!« weinte sie leise, »ich bin durch dich Frau und ich bin durch dich Mutter; doch bis jetjt weiß ich nur, daß ich als Frau besser bin. — Aber wabrbaftig, darauf kommt es nicht mehr an.« Haber senkte erschüttert das Gesicht.

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