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Jüdischer Almanach · 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 111

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5697 (1936-1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 111 (sequence 113)
Language
German
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111 Alfred Neumann: Die Vaterschaft Haber bemerkte anfangs November an der Großherzogin eine Unruhe, die — wenig .sichtbar für die übrigen — ihre geschlossene Art merkwürdig leidvoll machte. Nach einigen Tagen der ausweichenden Antworten bekannte sie ihm klar und beinahe sachlich ihren Zustand. Sie sah ihn prüfend an. Sein Gesicht war ruhig, fast heiter; aber er schwieg. »Sie kennen gewiß in Wien oder Paris geschickte Ärzte?« fragte sie unvermittelt. Haber hob den Kopf und betrachtete sie ernst. »Hoheit«, sprach er, »der Thronfolger ... vielleicht!« Sie antwortete ruhig: »Ich bin blond und weißhäutig, der Großherzog ist es auch — von allem andern abgesehen, mein Freund.« Der Mann kniff die Lippen zusammen und strich sich über das Haar. »Wärest du nicht du, Irene«, sprach er traurig, »und ich nicht ich: wir brauchten nicht so lieblos zu sprechen.« Ihre Augen bekamen einen feuchten Glanz; doch sie hielt die Tränen zurück. Sie kam still auf ihn zu und streichelte seine Hand. Nach der Spanne des Schweigens sagte er mit seiner gleichmütigen Stimme: »Paris ist vorzuziehen, weil es dein Inkognito besser wahrt und weil ich mich dort besser auskenne.« Die Fürstin ging. Haber sah ihr nach, bis sie in der novembertrüben Allee verschwand. Sie ging etwas nach vorne geneigt, wahrhaftig, als schleppe sie an einer Last. Er schloß die Tür und trat in die Halle «urück; sie war eichenholzgetäfelt und nahm die ganze Breite des Erdgeschosses ein; an den Wänden, unter den Hirschgeweihen, standen hoehlehnige Stühle, deren Leder in blinder Prägung die Wappen der früheren Besitjer zeigte. Haber schloß mit zufriedenem Gesicht die Läden, zog einen Sessel an den Kamin und warf Buehenklötje in das Feuer. Er liebte diesen Baum und seine adlige Buhe, die ihm diente. Er liebte ihn zumal heute. Er sejjte sich, stemmte die Füße gegen den Kamin und sann. Das Schicksal geht einen schlimmen Weg. Ich weiß es. Diese große Freude in mir, die gut ist oder böse oder die beides ist, läßt die Desertion nicht zu, nicht die Abtreibung

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