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Jüdischer Almanach · 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 91

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5697 (1936-1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 91 (sequence 93)
Language
German
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IRI
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91 her in der Atonalität zum System ausbaute. Aber tiefer noch geraten wir in die unbekannten, unsrer Vernunft unerreichbaren Wurzeltiefen unsrer Seele, wenn wir feststellen müssen, daß nicht nur in der jedem Fachmusiker offenkundigen Umkehr der Alters-Musik, sondern im gesamten Musikschaffen Mahlers vom ersten Ton an eine Unterströmung urjüdischen Wesens unverkennbar ist. Max Brod hat diese Entdeckung gemacht, als er im Krieg einmal einen chassidischen Flüchtlingsgottesdienst hörte und in den Vorbeter-Melodien wie in den Chören der chassidischen Gottesfreudigkeit mit Schauern der Verwunderung eine frappante Verwandtschaft mit jenen Wesenszügen der Mahlcrschen Musik erkannte, die von Verehrern und Feinden als charakteristisch für seine Eigenart bezeichnet werden. Da ist das Marsch-Tempo mit den scharf akzentuierten zackigen Rhythmen, das die jubelnde chassidische Gebet-Ekstase beherrscht. Die umständliche Einleitung vorher, das mehrfache zögernde Ansetzen, durch das die Rhythmen nachher doppelt hinreißend wirken und das man Mahler so gern als Effekthascherei ankreidete. Da ist schließlich das zwischen Dur und Moll schwebende Melos, das sich bald in tänzerischem Element, bald in hell und langhin gesungener, ungeniert volkstümlicher Melodie auslebt, die die Gegner Mahler als Trivialität verübelten. Unsre Einschätzung Gustav Mahlers, des Menschen und Werks, beeinflussen diese Entdeckungen jüdischen Einschlags nicht. In diesem Bereich kommt für reife Menschen eine nationale Rangordnung nicht in Betracht. Aber für uns seihst, für die Wertschätzung unseres Blut- und Geisteserbes ist es von größter Bedeutung, daß wir die Tiefe des jüdischen Einflusses in unserem Unterbewußtsein an diesem großen Beispiel erkennen und würdigen.

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