Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 85)
- Language
- German
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83 alles, was man von »Sehmook« und seiner Parole nur verlangen kann. Und was die publizistisch-politische Korruption betrifft, so steht ein Mann wie der stockkonservative Antisemit Friedrich von Gent}, der Freund Adam Müllers, als Exempel einzig da, hoch über allen kleinen christlichen und jüdischen Schmücken. Die Bindung des assimilierten Judentums an die liberale Publizistik stand nicht von allem Anfang fest. In jener kurzen Weltminute, in der die Taufe wirklich und unbeschränkt »das Entreebillett zur europäischen Zivilisation« war, entschieden sich nicht wenige Juden, sicherlich aus einem tiefen Instinkt, zum christlichen Konservativismus, der ja ihrer Herkunft aus dem konservativen Ghetto in der Tat innerlich näher liegen mußte. Aber ihr Schicksal war kaum glücklicher. Einige Beispiele: Das führende katholisch-konservative Organ des Kreises um Joseph Görres, den Münchener »Eos«, der die wütendsten Kämpfe gegen den Napoleonischen Liberalismus in Bayern führte, gab nicht Görres selbst, sondern ein getaufter Jude, ein gewisser Dr. Goldmann heraus. Eine noch interessantere jüdische Figur aus dem christlich^konservativen Milieu um Lamennais, Montalembert und Görres war der Däne Baron Eckstein, genannt »Baron Sanscrit«, von Heine öfters ironisiert, ein glänzender Salonplauderer und nicht übler Publizist, ein Snob in dem Adelskreise des Faubourg St. Germain, 1826 Herausgeber des »Gatholique«. Seine Pariser Rolle übernahm Jahrzehnte später, mit bedeutend erweitertem publizistischem Wirkungskreis, der getaufte deutsche Jude Arthur Meyer, der Chef des christlichen Adelsblattes »Gaulois«, ein Snob wie der Baron Eckstein. Und schließlich darf hier auch der Name Friedricli Julius Stahl nicht ganz übergangen werden, wenn sein Träger auch nicht in erster Linie politischer Publizist, sondern Staatsphilosoph und praktischer politischer Organisator war. Einer süddeutschein Rabbinerfamilie entstammend, wurde er zum eigentlichen offiziellen Theoretiker des konservativ-preußischen Staatsgedankens, zum Begründer der stockpreußischen deütschnationalen Partei, die im alten preußischen Landtag noch »Fraktion Stahl« hieß und in der »Kreuzzeitung« (gegr. 1848) ihr Organ hatte. Seine preußisch-evangelische Staatsphilosophie, unter Sehellingschem Einfluß entstanden, zeigt in der seltsamsten Verzerrung, und doch noch unverkennbar, die alttestamentarischen Ideen der Theokratie und des Gottesvolkes, sein rabbinisch.es Erbe. Aber diese Heimkehr war teuer genug