Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 60)
- Language
- German
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58 der legten fünfzehn Jahre noch nicht gekannt hat. Die Forderungen der Araber, die in der Praxis auf ein völliges Abbrechen des Palästinaaufbaus hinauslaufen *—■ keine Einwanderung mehr! —• sind von den Juden mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen worden. Die Engländer haben sich auf das in ihrer Kolonialgeschichte oft bewährte Mittel einer Untersuchungskommission zurückgezogen, ohne daß man heute sagen kann, wann sie ihre Arbeit beginnen wird, da erst die Ruhe im Lande hergestellt sein soll, was bisher keineswegs der Fall ist. Für die Lösung des gegenwärtigen Konflikts, der im tiefsten die Lösung des palästinensischen Problems bedeutet, wird alles darauf ankommen, ob es gelingt, ein Programm aufzustellen, das den Juden ihre Entwicklungsmöglichkeit in Palästina sichert und zugleich die Araber von der gegenwärtig sie beherrschenden Furcht befreit, durch diese vorwärtsschreitende Entwicklung unter die Herrschaft der Juden zu geraten oder gar aus dem Lande gedrängt zu werden. Es ist schon jetjt deutlich, daß sich die Araber vor der Kommission auf extremistische politische Forderungen einstellen werden, schon deswegen, weil die Führung unter dem scharfen Drucke des jugendlichen radikalen Flügels steht. Für die Entwicklung der Ereignisse wird viel von den konstruktiven Vorschlägen der Juden und von dem Verständnis und guten Willen der Engländer abhängen. So zeigt das Jahr 1935/36 eine dramatische Aufeinanderfolge von Höhen und Tiefen, eine stark gezackte Kurve sowohl auf ökonomischen wie auf politischem Gebiet. Es hat wie kein Jahr davor das palästinensische Problem in ganzer Schärfe aufgerollt und stellt seinem Nachfolger die Aufgabe, es für den Moment oder für die Dauer zu lösen.