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Jüdischer Almanach · 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 46

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5697 (1936-1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 46 (sequence 48)
Language
German
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16 daß in der Schweizer Justiz nicht das Recht sei, was dem Schweizer Volke nügt — und umgekehrt. Die »Methoden« des Dritten Reiches haben hier nicht Eingang gefunden. Die Tscheclwslowakei hat im vergangenen Jahr bedeutsame Entscheidungen durchgemacht. Im Dezember 1935 hat Präsident Masaryk den Entschluß gefaßt, die Bürde seines schweren Amtes einem Jüngeren zu übergeben und sich zurückzuziehen, um — nach seinem eigenen Ausspruch — »noch ein Weilchen zuzuschauen, wie man es macht«. Die Präsidentenwahl, vor allem die Tage, die ihr vorangingen, haben den schweren inneren Gegensag zwischen »rechts« und »links« aufgedeckt, der auch der Tschechoslowakei nicht erspart worden ist. Kurze Zeit schien es, als ob Masaryks Wunsch und Wille selbst despektiert und ein anderer als der von ihm vorgeschlagene Kandidat gewählt werden würde. In zwölfter Stunde hat — wie schon oft in vergangenen Jahrhunderten — das tschechische Volk seine Einheit bewiesen und Dr. Edvard Benes, den vertrautesten Mitarbeiter Masaryks, zu seinem Nachfolger gewählt. Der neue Präsident hat gleich in den ersten Monaten seiner Würde bewiesen, daß er auch heute seine Mission, für den Frieden draußen und drinnen zu arbeiten, nicht aufgegeben hat. Noch immer wird die Außenpolitik im Sinne der bisherigen Benes-Politik weitergef ührt und weite Reisen haben das Staatsoberhaupt zu den verschiedenen Völkern seines Staates geführt, um ihre Wünsche und Beschwerden, aber auch ihre aufrichtige Verehrung für ihn kennen zu lernen. Von besonderer Bedeutung ist das sudetendeutsche Problem, leider auch für die Juden der Tschechoslowakei. Da die Sudetendeutsche Partei aus dem Nachbarland viele Methoden und Dogmen übernommen hat, so wird auch in der Judenfrage ebenso vorgegangen. Der Boykott und die Vernichtung der wirtschaftlichen jüdischen Positionen schreiten fort. Henlein hat auf einer Londoner Reise behauptet, daß seine Partei keinen Arierparagraph kenne und den Juden der Zutritt in seine Partei jederzeit offenstehe. Aber zu gleicher Zeit kauft man in Nordböhmen nicht mehr beim jüdischen Kaufmann, macht man das Engagement von jüdischen Schauspielern unmöglich, verlangt man arischen Geburtsnachweis bei Stellenvergebungen, und den Lesern der sudetendeutschen Zeitungen und Zeitschriften werden Greuelmärchen, die aus dem »Stürmer« kommen, aufgetischt. Im ganzen ist die Lage der Juden in der Tschechoslowakei günstiger als in anderen

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