Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 42)
- Language
- German
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10 dieses Abenteuer, je naeh ihrer politischen Gefühlseinstellung, mit Abscheu oder Bewunderung betrachtet, ohne aber aus ihrer Zuschauerrolle herauszutreten. Heute hat Mussolini in Afrika, 10.000 Kilometer von Mitteleuropa entfernt, Krieg geführt und der ganze europäische Kontinent ist aus dem Häuschen geraten: denn nicht nur Abessinien ist getroffen worden, sondern auch das englische Prestige im Mittelmeer, Frankreich ist eifersüchtig auf Italien, alle Staaten haben (übrigens erfolglose) Vergeltungsmaßnahmen eingeleitet, inzwischen hat der Diktaturkollege Hitler den Augenblick klug benütjt, um loszuschlagen, an allen Ecken und Enden des Britischen Weltreichs knarren die Balken, und in Palästina haben die Araber eine Revolution entfesselt ... So eng hängen die vielfachen Interessen miteinander zusammcnn, daß heute jedes Ereignis imstande ist, das Kartenhaus der europäischen Politik umzulegen. Der Krieg in Abessinien ist zu Ende: er hat, trotj der »sachkundigen« Prognosen aus allen Teilen der Welt, mit einem schnellen und eindeutigen Sieg der Italiener geendet. Mussolinis Stern, der schon Verdacht»*? zu blinken begonnen hatte, scheint heller denn je und Viktor Ernanuel III., der »kleinste« europäische König, ist Kaiser von Abessinien und Nachfolger des »Königs der Könige«, Haile Selassie geworden, welcher einsam und verlassen nach Europa geflüchtet ist, um hier an Ratstischen seine auf dem Schlachtfeld verlorene Krone zu suchen. Der große Gegenspieler Italiens ist England, das den Weg nach Indien, den Lebensnerv seines Imperiums bedroht sieht und daraus seine Konsequenzen ableitet. Der Suez-Kanal muß geschürt werden und gleichzeitig wird Palästina, dem »zweiten Suez-Kanal«, eine erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet. Dir. EntivicMung Palästinas, über welche an anderer Stelle berichtet wird, ist trotj mancher durch allzuschnelle Investierungen und Ausniitjung der Prosperity- Periode hervorgerufene Rückschläge stetig im Aufstieg, und der Aufschwung Palästinas kann nicht geleugnet werden. Der Zionismus sieht sein langiähriees Werk fester fundiert und im Ausbau beirriffen — da wird durch den Terror der Araber die ganze Entwicklung von Erez um Jahre zurückgeworfen. Obwohl es noch nicht eindeutig bewiesen ist, weiß man. daß bei dem arabischen Aufruhr fremde Mächte ihre Hände im Spiele hatten. In der englischen Presse ist